Landesbank Baden-Württemberg Verlust verringert
Andrea Gregor, 25.11.2010 06:41 Uhr
Mit der Entwicklung im Kundengeschäft ist die Landesbank zufrieden. Foto: dpa
Mit der Entwicklung im Kundengeschäft ist die Landesbank zufrieden. Foto: dpa
""Wir beteiligen uns nicht an irgendwelchen Sandkastenspielen.""
Hans-Jörg Vetter zu Fusionsüberlegungen

Stuttgart - In den Monaten Juli bis September hat sich die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in die schwarzen Zahlen vorgearbeitet. Das dritte Quartal hat das Institut mit einem kleinen Gewinn von 143 Millionen Euro abgeschlossen. Im entsprechenden Vorjahresquartal lag das Minus noch bei 803 Millionen Euro.

Der Quartalsgewinn hat aber nicht ausgereicht, um die ersten neun Monate dieses Jahres mit einem positiven Ergebnis abzuschließen. Sinkende Zinserträge, Abschreibungen auf Staatsanleihen und weitere Belastungen aus dem problematischen Kreditersatzgeschäft sowie die Kosten für die von den Eigentümern gewährten Garantien haben zu einem Konzernverlust von 147 Millionen Euro geführt. Allein die Belastungen aus dem Kreditersatzgeschäft schlugen mit unerwartet hohen 600 Millionen Euro zu Buche. Für die Bereitstellung der Garantien hat die Bank ihren Eigentümern 230 Millionen gezahlt.

Vorstandschef Hans-Jörg Vetter hob bei einem Pressegespräch hervor, dass es gelungen sei, die für die Bank elementar wichtige Eigenkapitalausstattung merklich zu verbessern. Zu Jahresbeginn lag die Kernkapitalquote bei 9,8 Prozent. Dieser Wert ist bis Ende September auf 10,8 Prozent gestiegen. "Damit liegen wir weit über dem, was in der Branche üblich ist", sagte Vetter. Um die LBBW möglichst wenig anfällig für weitere Krisen zu machen, soll die Eigenkapitalquote weiter nach oben geschraubt werden.

Unsicherheiten für Prognose bis Jahresende zu groß


Eine Prognose, wie die Landesbank am Jahresende dastehen könnte, wollte der Bankchef nicht abgeben. Hierfür seien die Unsicherheiten zu groß, sagte Vetter und verwies beispielhaft auf die Spannungen in Korea. Weitere Fortschritte will der Vorstand aber auf jeden Fall bei der Reduktion des Kreditersatzgeschäftes, das Vetter als "kundenlosen Bankgeschäft" bezeichnete, erreichen. Die EU-Kommission schreibt der Bank vor, den Posten von 95 Milliarden Euro Ende 2008 auf 62 Milliarden Ende 2010 abzuschmelzen. Bis Ende September ist ein Abbau auf 58 Milliarden Euro gelungen, Ende Dezember sollen 55 Milliarden erreicht sein.

Zufrieden zeigte sich Vetter mit den Ergebnissen im Kundengeschäft: Im Unternehmenskundengeschäft ist der Gewinn im Jahresvergleich leicht auf 1,65 Milliarden Euro gestiegen, im Privatkundengeschäft inklusive der Kooperation mit den Sparkassen erhöhten sich die Erträge um 26 Millionen auf 475 Millionen Euro. Die Risikovorsorge konnte dank des Wirtschaftsaufschwungs drastisch um 72 Prozent auf 346 Millionen Euro zurückgefahren werden.

Von ihrem Ziel, die Bilanzsumme 2010 um 20 bis 30 Milliarden Euro herunterzufahren, ist die Bank noch ein gutes Stück entfernt. Vetter begründete die leichte Ausweitung im Vergleich zum Jahresbeginn mit dem steigenden Dollarkurs und Geschäften zur Absicherung von Zinsrisiken, die die Reduktion von Risikoaktiva überkompensiert hätten. Brüssel verlangt eine Bilanzverkürzung um rund 40 Prozent in den kommenden Jahren.

Vetter hält von Fusion wenig


Zu dem laufenden Stellenabbau – insgesamt fallen 2500 Vollzeitarbeitsplätze weg – sagte Vetter: "Wir wollen den Abbau nicht möglichst schnell, sondern in vernünftiger Form schaffen." Etwas mehr als 700 Mitarbeiter hätten die Möglichkeit genutzt, mit einer Abfindung auszuscheiden, weniger als 200 seien durch Fluktuation ausgeschieden. Vor wenigen Tagen habe die Personalabteilung mit "Veränderungsgesprächen" begonnen. "Wir haben eine hohe Anzahl von Mitarbeitern, bei denen die Arbeit heute schon weggefallen ist." Um Kündigungen zu vermeiden, sollten diese auf andere Stellen im Konzern wechseln. Nach den Worten von Vetter gibt es aktuell mehrere Hundert offene Stellen.

Von einer immer wieder diskutieren Fusion der LBBW mit einer anderen Landesbank hält Vetter wenig. "Wir beteiligen uns nicht an Sandkastenspielen", sagte er lapidar. Sein Motto sei: "Lieber ein bisschen kleiner, dafür ein bisschen solider."
Kommentare (0)
Anzeigen