Landeseisenbahnen Landräte schlagen in Stuttgart Alarm

Von  

Der Landeseisenbahn drohen drastische Kürzungen. Die Zweckverbände wenden sich deshalb mit Brandbriefen an Verkehrsminister Winfried Hermann: Die Schönbuchbahn, Tälesbahn, Ammertalbahn, Strohgäubahn und die Wieslauftalbahn seien gefährdet.

Die Schönbuchbahn ist eine der von Kürzungen betroffenen Linien. Foto: StZ
Die Schönbuchbahn ist eine der von Kürzungen betroffenen Linien.Foto: StZ

Stuttgart - Diskussionen über das Landeseisenbahnfinanzierungsgesetz – kurz LEFG – beunruhigen die Eisenbahnunternehmen, die abseits der DB-Gleise dafür sorgen, dass es solche Strecken überhaupt gibt. Erst wurden drastische Kürzungen bekannt, nun wird befürchtet, dass weniger Strecken als bisher in den Genuss dieser Landesmittel kommen. „Wenn wir nicht mehr dabei wären, wäre das fatal“, sagt Pfullendorfs Bürger Thomas Kugler. Die Stadt verhandelt derzeit mit der DB über den Kauf der 25 Kilometer langen Strecke Pfullendorf – Altshausen und hat einen Zuschuss von 30.000 Euro aus dem LEFG-Topf beantragt. „Für uns ist das eine große Investition, da ist dieser Zuschuss von Bedeutung“, sagt Kugler.

Im LEFG-Gesetz ist die Finanzierung von Schienenwegen und Schienenfahrzeugen der nichtbundeseigenen öffentlichen Eisenbahnen in Baden-Württemberg geregelt. Bisher waren für diese Bahnunternehmen jährlich rund elf Millionen Euro für den Streckenunterhalt vorgesehen und rund fünf Millionen für Sicherungstechnik. Mit diesem Geld finanzieren kleine Bahnunternehmen größere Investitionen wie Brückensanierungen oder die Instandhaltung von Triebwagen. Von den 16 Millionen Euro sind im Haushaltsentwurf – wie im November 2012 bekannt wurde – nur noch eine Million Euro übrig geblieben.

Das Ministerium macht Hoffnung: „Die Gespräche laufen“

Die Zweckverbände von regionalen Eisenbahnen in Baden-Württemberg haben sich deswegen am Dienstag in Brandbriefen an Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) gewandt. Nach deren Einschätzung ist der Betrieb der kleinen Bahnlinien wie Schönbuchbahn, Tälesbahn, Ammertalbahn, Strohgäubahn oder Wieslauftalbahn gefährdet. „Wir bitten Sie dringend, sich dafür einzusetzen, dass in einem Nachtragshaushalt für 2013 wieder Mittel wie in den vergangenen Jahren eingestellt werden“, heißt es in den Schreiben.

Das Ministerium macht ihnen Hoffnung. „Die Gespräche laufen“, sagte ein Ministeriumssprecher auf Anfrage, man sei bemüht die Lücke zu schließen. Die Landräte können sich dazu auf Aussagen Hermanns berufen, der bereits mehrfach betont hat, dass es während seiner Amtszeit keine Streckenstilllegungen geben werde.

Doch es droht anderes Ungemach. Denn einige Unternehmen hat die Kunde aus dem Ministerium erreicht, dass die Zugverbindungen im Ausflugs- und Wochenendverkehr nicht mehr als ÖPNV eingestuft werden. Solche saisonalen Verkehre dienten nicht der Befriedigung Verkehrsnachfrage. Eine Aufnahme ins LEFG-Förderprogramm sei somit nicht mehr möglich.

Der Ausflugsverkehr rettete schon so manche Strecke

Betroffen wäre auch die Strecke Pfullendorf – Altshausen. Dort pendelt seit Mai 2011 jeweils in der Zeit von Mai bis Oktober der Radexpress Oberschwaben. „Der wird sehr gut angenommen“, sagt Bürgermeister Kugler. Dieser Freizeitverkehr ist wie viele andere fest in die Tarif- und Fahrplanstruktur des Landes eingebunden. Sie stärken die Infrastruktur im ländlichen Raum.

Die LEFG-Förderung trägt zum Erhalt von Strecken bei, die vielleicht irgendwann wieder stärker genutzt werden. Auf der Schwäbischen Alb-Bahn rollte zunächst auch nur an Sonntagen der Ulmer Spatz, jetzt fahren wieder Schüler zwischen Kleinengstingen und Münsingen. Auch die Strecke Balingen-Schömberg stand vor dem Aus und wurde nur durch Ausflugszüge der Hohenzollerischen Landesbahn (HzL) am Leben erhalten. Jetzt rollen hier Güterzüge bis in die Schweiz. „Güterverkehr erhoffen wir auch auf unserer Strecke“, sagt Kugler.

Inzwischen wird im Verkehrsministerium darüber diskutiert, ob es nicht sinnvoll wäre, die bisherige Praxis beizubehalten. Schließlich hatte schon die alte Landesregierung mit wenig Geld die Ausflugsverkehre möglich gemacht und damit manche Strecke gerettet.

  Artikel teilen
21 KommentareKommentar schreiben

Unterfinanzierung schlägt durch: Wer hätte das gedacht? Die Schiene in Deutschland ist allgemein unterfinanziert. Da werden nun auch 'Kleckerlesbeträge' eingespart und verursachen maximalen Schaden. Aber wir wissen ja alle, dass in Stuttgart 12.000 Millionen in einen massiven Rückbau der Infrastruktur zu investieren ist die 'ZUKUNFT'. Man könnte mal wieder gar nicht soviel kotzen....

Ach ja!: Wird es nicht endlich einmal Zeit wirklich nachzudenken! Gilt eigentlich besonders für unsere Landräte und Bürgermeister, die alle sich auf etwas stürzen und zugerne die Forderungen die sie schon gestellt haben vergessen! Sie verlangen schön der Minister solle doch die Planung für die Elektriefizierung der Südbahn voran treiben! Mit Landesmitteln die Planung bezahlen! Dass etwas voran geht! Klar, dass schon die Kosten sich dafür verdoppelt haben spielt ja für die schwarzen Seelen keine Rolle! Auch nicht, dass der schwarze Bruder im Geiste in Berlin die Umsetzung nicht einmal zugesagt hat! Ne man plant eben und verwirft die Pläne in 10Jahren wieder. Es Kostet ja nichts! Wann begreifen es die Volksvertreter eigentlich, dass die Bahn an jeder Planung 17% verdient ob umgesetzt oder nicht! Aber Leute das Geld ist rausgeworfen es sind die Summen die Anderweitig fehlen. Auf einem Stuhl zuhocken und sagen, das will ich scheint bei den Landesfürsten und Stadtheiligen ja zur Lieblingsbeschäftung geworden zusein! Gleichzeitig aber den Menschen in ihrem Verantwortungsgebiet zusagen. Das geht nicht und das nicht wir haben das Geld nicht! Was verlangen sie vom VM. Dass er alle ihre Wünsche umsetzt gleich sofort schnell. Ich will es! Wer fordert sollte auch darüber nachdenken was es kostet und was deshalb nicht gemacht werden kann, wenn die Mittel nicht unbegrenzt da sind! Was in der Gemeinde und Kreis gilt, gilt auch für das Land! Geld kann man nur einmal ausgeben! Sogar über die Orts und Kreisgrenzen hinaus müßte gilt das! Bald werden sich die CDUler mit einem Kompromiss an uns wenden. Der dann wohl so aus sieht! Von Ulm nach Friedrichshafen werden in jedem betroffenen Kreis nur die Hälfte der Strecken für die Elektriefizierung geplant somit kann man die hälte der Kosten einsparen und hat Geld übrig für alles was wir verlangen! Jeder Landrat hat dann ja sein Ziel erreicht und wird wiedergewählt! es ist zum Kotzen in diesem Land!

'Landräte'...: ....haben im Ländle zu 100 % nur ein Parteibuch: 'C' 'D'U. Tja, das hat man nun davon, wenn man das Geld der Landkreise lieber für das Verkehrsrückbauprojekt Stuttgart 21 verballert.... aber dann groß die Klappe aufreißen, wenn´s Geld nicht reicht.... Aber liebe Landräte, da gab´s eine tolle Werbung in den 70-ern: ---------------'Kredit macht´s leicht, wenn´s Geld nicht reicht! Wenn´s um Geld geht - Sparkasse!' Und genau dort habt ihr ja auch ganz dick die Pfoten drin - da kann doch eine kleine Selbstbedienung, die ihr ja sowieso schon gewohnt seit, kein Problem sein, gell?!!

Landräte schlagen Alarm?: bei dieser meldung kann es sich doch eigentlich nur um einen Fasnetswitz handeln. Diese bedingunglos unterstützenden Landräte beklagen sich nun allen Ernstes, dass die lokalen Schienenprojekte leiden und zurückgefahren werden. Hallo das war doch klar, das S21 diese Auswirkungen haben wird. Hatten Sie wirklich gedacht, dass die Bahn zu ihrem Wort steht? Sie wußten doch das dies geschieht, aber die überwiegend schwarzen Landräte mußten ja alternativ- und bedingungslos die Entscheidungen der Mächtigen in der CDU mittragen. Sie haben dazu auch Ihre Landbevölkerung erfolgreich beeinflußt. Ganz ehrlich die Folgen aus dieser historischen Manipulation trifft sie hoffentlich maximal. Vielleicht gibt es dann wenigstens für die Zukunft die Hoffnung, dass Entscheidungen nach sachlichen Gesichtspunkten gefällt werden und nicht partei-idiologisch! Das sollte auch der lieben Landbevölkerung eine Lehre sein. Wer schwarz sinnfrei hinterher läuft, tja der läuft leider Gefahr verschaukelt zu werden. Entscheidungen meine Damen und Herren sind einzig nach dem gesunden Menschenverstand nach sachlichen Gesichtspunkten zu fällen. Parteiverbundenheit und Zugehörigkeit sind meist ein schlechter Berater.

Weit ist´s gekommen,: wenn jetzt schon CDU-Landräte Alarm schlagen angesichts der 'flächenbahn-kannibalisierenden' S21-Chose. Und CDU-Staatssekretäre in Berlin ebenso aufgescheucht sind. Happy Ending - Umsteigen vom 'toten Gaul S21'! Nur Mut Frau Merkel.

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.