Landesumschau
Stuttgart 21 erregt viele
Rüdiger Bäßler, Johanna Eberhardt, Heinz Siebold, Michael Petersen,
08.09.2010 14:01 Uhr
Bei den Demonstrationen vor dem Bahnhof sind die Hauptstadtbewohner nicht mehr unter sich. Neuerdings reisen auch Abordnungen aus allen Himmelsrichtungen nach Stuttgart. Foto: dpa
Stuttgart - Anderthalb Jahrzehnte lang haben sich die Baden-Württemberger wenig um den geplanten Umbau des Stuttgarter Bahnhofs geschert. Jetzt ist das Thema plötzlich top: angesichts der wachsenden Kosten regt sich im Südwesten die Sorge, die Landeshauptstadt könnte auf Jahrzehnte hinweg sämtliche Investitionen in den Verkehr aufsaugen wie ein trockener Schwamm. In der Basis von CDU und SPD wächst die Furcht, die Zustimmung ihrer Parteispitzen zu Stuttgart 21 könnte bei der Landtagswahl 2011 massiv Stimmen kosten.
"Stoppen Sie den Abbruch, dann bleibt genügend Geld für den Campus in Tübingen". Eine ältere und einen Kopf kleinere Dame schleuderte den Satz dem Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU) vor dem Audimax der Tübinger Universität entgegen. Auf der ersten Station seiner "Sommertour" an diesem Tag reagierte Mappus äußerst unwirsch. Da gebe es keinen Zusammenhang zwischen dem Bahnprojekt und der Campus-Modernisierung. "Ihr müsst die Leute nicht anlügen", sagte er laut und ruppig. Das Wort der Lüge wiederholte der Regierungschef. Die schroffe Reaktion auf die weißhaarige Protestlerin war danach Gesprächsthema auch unter Parteifreunden in dem Tross, der dem CDU-Chef durch das Unigelände folgte.
In Tübingen wird wöchentlich zum lauten "Schwabenstreich" gegen das Milliardenprojekt aufgerufen, in Reutlingen wurde zu einem Schweigemarsch geladen. Die mageren Teilnehmerzahlen hier wie dort sagen nichts aus über das wahre Verhältnis von Befürwortern und Gegnern. Ein Indiz, dass der Bahnhof viele Menschen umtreibt, sind eher die von Stuttgart21 beherrschten Leserbriefspalten im "Schwäbischen Tagblatt".
Längst ist das Thema auch tief in die Parteien eingedrungen. "Klar reden wir drüber", sagt Ulrich Latus, CDU-Fraktionschef im Tübinger Rathaus. Er sorgt sich um die Landtagswahl im März. Falls die SPD umkippe, und manches deute darauf hin, "dann wird es schwierig für uns". Falls nicht, bestünde die Gefahr, dass manche Gegner von Stuttgart 21 womöglich gar nicht mehr zur Wahl gingen. "Schließlich will nicht jeder von ihnen Grün wählen", meint Latus. Der CDU müsse es gelingen, die Bürger von den Vorteilen des Projekts zu überzeugen. Grundsätzlich meint Ulrich Latus, man könne doch Entscheidungen, die demokratisch beschlossen sind, nicht einfach verwerfen, "weil man Angst hat, dass man eine Wahl nicht gewinnt". Wenn so gehandelt würde, dann sei "die Politik ganz unten durch".
Zumindest nach außen steht die Tübinger CDU zu Stuttgart 21. Allenfalls von Mitgliedern, die nicht namentlich genannt werden wollen, ist ein Satz wie der zu hören: "Wenn ich ein Haus bauen will und merke, dass es doppelt so teuer wird wie geplant, ich aber noch dazu nur noch die Hälfte verdiene, dann baue ich eben nicht."
Die Tübinger SPD-Landtagsabgeordnete Rita Haller-Haid hat sich im "Tagblatt" klar zugunsten von Stuttgart 21 positioniert. Beschimpfungen hat sie dafür geerntet, ihre Diskussionsangebote wurden mit den Worten abgelehnt, "mit Befürwortern reden wir nicht". Manches sei organisierter Protest gewesen, "nicht aus Tübingen, sondern aus Stuttgart". In Tübingen selbst habe es viel Zuspruch gegeben und Anmerkungen wie "Gut, dass jemand hinsteht und nicht abtaucht".
In der Tübinger Lokalzeitung fetzen sich Befürworter und Gegner
"Stoppen Sie den Abbruch, dann bleibt genügend Geld für den Campus in Tübingen". Eine ältere und einen Kopf kleinere Dame schleuderte den Satz dem Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU) vor dem Audimax der Tübinger Universität entgegen. Auf der ersten Station seiner "Sommertour" an diesem Tag reagierte Mappus äußerst unwirsch. Da gebe es keinen Zusammenhang zwischen dem Bahnprojekt und der Campus-Modernisierung. "Ihr müsst die Leute nicht anlügen", sagte er laut und ruppig. Das Wort der Lüge wiederholte der Regierungschef. Die schroffe Reaktion auf die weißhaarige Protestlerin war danach Gesprächsthema auch unter Parteifreunden in dem Tross, der dem CDU-Chef durch das Unigelände folgte.
In Tübingen wird wöchentlich zum lauten "Schwabenstreich" gegen das Milliardenprojekt aufgerufen, in Reutlingen wurde zu einem Schweigemarsch geladen. Die mageren Teilnehmerzahlen hier wie dort sagen nichts aus über das wahre Verhältnis von Befürwortern und Gegnern. Ein Indiz, dass der Bahnhof viele Menschen umtreibt, sind eher die von Stuttgart21 beherrschten Leserbriefspalten im "Schwäbischen Tagblatt".
Längst ist das Thema auch tief in die Parteien eingedrungen. "Klar reden wir drüber", sagt Ulrich Latus, CDU-Fraktionschef im Tübinger Rathaus. Er sorgt sich um die Landtagswahl im März. Falls die SPD umkippe, und manches deute darauf hin, "dann wird es schwierig für uns". Falls nicht, bestünde die Gefahr, dass manche Gegner von Stuttgart 21 womöglich gar nicht mehr zur Wahl gingen. "Schließlich will nicht jeder von ihnen Grün wählen", meint Latus. Der CDU müsse es gelingen, die Bürger von den Vorteilen des Projekts zu überzeugen. Grundsätzlich meint Ulrich Latus, man könne doch Entscheidungen, die demokratisch beschlossen sind, nicht einfach verwerfen, "weil man Angst hat, dass man eine Wahl nicht gewinnt". Wenn so gehandelt würde, dann sei "die Politik ganz unten durch".
Zumindest nach außen steht die Tübinger CDU zu Stuttgart 21. Allenfalls von Mitgliedern, die nicht namentlich genannt werden wollen, ist ein Satz wie der zu hören: "Wenn ich ein Haus bauen will und merke, dass es doppelt so teuer wird wie geplant, ich aber noch dazu nur noch die Hälfte verdiene, dann baue ich eben nicht."
Die Tübinger SPD-Landtagsabgeordnete Rita Haller-Haid hat sich im "Tagblatt" klar zugunsten von Stuttgart 21 positioniert. Beschimpfungen hat sie dafür geerntet, ihre Diskussionsangebote wurden mit den Worten abgelehnt, "mit Befürwortern reden wir nicht". Manches sei organisierter Protest gewesen, "nicht aus Tübingen, sondern aus Stuttgart". In Tübingen selbst habe es viel Zuspruch gegeben und Anmerkungen wie "Gut, dass jemand hinsteht und nicht abtaucht".
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S21
Sollen die Stuttgarter doch in ihrem Kessel machen was sie wollen. Als Alternative ist vorzuschlagen: Bau eines Bahnhofs an der Messe / Flughafen und dann direkt weiter an der Autobahn entlang in Richtung Mannheim. Die Stuttgarter hätten in Ihrem Kessel Ruhe, kein ICE würde die Stadt mehr stören und mit der S-Bahn könnte der Bahnhof auf den Fildern ja auch weiter angefahren werden.
wie es die anderen sehen
Bitte lesen: in der aktuellen ZEITausgabe No. 37, Seite 52-53: "Der Geischt sagt Nein! Reise in eine verwandelte Stadt..." Wenn sich der Geist dann wandelte, wäre der halb ruinierte Bahnhof nicht umsonst gewesen! Ich würde mit eigenen Händen beim Wiederaufbau mithelfen.
carlo
Ich war gestern da. ----da immer deutlicher wird, dass es sich bei den Gegenern von diesem "Projekt" Stuttgart 21 nicht um "Chaoten" handelt oder "Verblendete" oder "Heulsusen", die von den Fakten keine Ahnung haben.--- Im Gegenteil, Ihre obige Beschreibung trifft zu 95% leider auf die Gegner zu.