Landesunternehmen erhält eine neue Führung Neue Chefin von Toto-Lotto

Von Reiner Ruf 

Der Finanzminister hat Marion Caspers-Merk (SPD) als Nachfolgerin von Friedhelm Repnik (CDU) benannt. Sie war bereits Drogenbeauftragte des Bundes.

Marion Caspers-Merk Foto: dpa
Marion Caspers-MerkFoto: dpa

Stuttgart - Die Entscheidung über die Nachfolge von Friedhelm Repnik an der Spitze der Toto-Lotto-Gesellschaft Baden-Württemberg ist gefallen. An die Stelle des Ende des Jahres ausscheidenden CDU-Politikers und ehemaligen Landesozialministers tritt die frühere Staatssekretärin Marion Caspers-Merk (SPD). Das bestätigte am Dienstag der Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD).

Die 57-jährige Caspers-Merk gehörte von 1990 bis 2009 dem Deutschen Bundestag an. Von 2001 bis 2005 war sie Drogenbeauftragte der Bundesregierung, von 2002 bis 2009 arbeitete sie als Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium. Danach schied sie aus der Bundespolitik aus und übernahm die Präsidentschaft des Kneipp-Bundes.

Caspers-Merk war auch Drogenbeauftragte des Bundes

Finanzminister Schmid hob vor allem die in vielen politischen Auseinandersetzung gestählte Durchsetzungskraft von Marion Caspers-Merk als ausschlaggebend für seine Entscheidung hervor. „Sie verfügt über Führungserfahrung, Verhandlungsgeschick und wirtschaftliche Kompetenz“, pries der Minister am Dienstag seine Kandidatin für die Geschäftsführung des landeseigenen Unternehmens. Zuletzt hatte der Landesrechnungshof Kritik an der Toto-Lotto-Gesellschaft geübt. So seien unter anderem die Gehälter zu hoch. Wie zu hören war, soll bei der neuen Chefin an dieser Stelle bereits angesetzt werden. Die Tantiemen, die zusätzlich zum Grundgehalt gezahlt werden, sinken demnach deutlich.

Schmid sagte zudem, Caspers-Merk verfüge als ehemalige Drogenbeauftragte über die nötige Sensibilität für die Suchtgefahren des Glücksspiels. Die Bekämpfung der Spielsucht gehöre zum Auftrag von Toto-Lotto. Er vergaß auch nicht hinzuzufügen, dass mit Caspers-Merk erstmals eine Frau an die Spitze einer wichtigen Landesbeteiligung trete. Schmids hohe Schlagzahl an Argumenten für die Auswahl seiner Parteifreundin hat freilich Gründe. Die Berufung Repniks zum Toto-Lotto-Boss im Jahr 2004 hatte einen Proteststurm ausgelöst. Von Politikerversorgung war die Rede.

Repnik machte 2004 Platz im Kabinett für Tanja Gönner

Der Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) benötigte damals Spielraum für eine Kabinettsverjüngung. Dem Sozialminister Repnik bot er deshalb die Führung der Toto-Lotto-Gesellschaft an, die neue Ressortchefin wurde die junge Tanja Gönner (CDU). Der amtsmüde Innenminister Thomas Schäuble (CDU) wechselte auf den gut dotierten Führungsposten bei der ebenfalls landeseigenen Rothaus-Brauerei im Schwarzwald. Ihm folgte Heribert Rech (CDU). Umwelt- und Verkehrsminister Ulrich Müller (CDU) ging ins Staatsministerium und wurde durch Stefan Mappus (CDU) ersetzt. Unmittelbarer Auslöser der Kabinettsumbildung war der Rücktritt von FDP-Wirtschaftsminister Walter Döring, dem Ernst Pfister (FDP) folgte.

Birgit Homburger (FDP) wittert Parteibuchwirtschaft

Bei Toto-Lotto hatte schon von 1989 bis 1994 der CDU-Landtagsabgeordnete Peter Wetter die Geschäfte geführt. Finanzminister Schmid verwies darauf, dass anders als in der Causa Repnik seine Kandidatin Caspers-Merk aus der aktiven Politik bereits ausgeschieden sei, die beiden Fälle also nicht vergleichbar seien. Dennoch stößt die Berufung auf Kritik. Die FDP-Landesvorsitzende Birgit Homburger sagte: „Als SPD und Grüne noch in der Opposition waren, haben sie Stellenbesetzungen kritisiert, jetzt betreiben sie in noch stärkerem Maße Parteibuchwirtschaft.“

Caspers-Merk hatte übrigens ihren Abschied aus der Politik im Vorfeld der Bundestagswahl 2009 damit begründet, dass ihr Privatleben zu kurz komme. „Kein Wochenende ohne Termine, kein Tag ohne schwierige Entscheidungen und eine enorme Arbeitsbelastung“ – auch deshalb wolle sie „einen neuen beruflichen Start wagen“, sagte sie damals.

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2 KommentareKommentar schreiben

Das ist ein elementarer Grund....: ......weshalb solche vermeintlich im Interesse der Allgemeinheit sich Selbstberufene in die Politik gehen. Unter dem Vorwand etwas für die Bürgerinnen und Bürger tun zu können, Selbstüberschätzung und zum Teil maßlose Überheblichkeit in begriffen, beginnt der politische Aufstieg in den Brutstätten der Demokratie. Andersweitig organisierte politische Interessensgemeinschaften werden mit Argus-Augen von den selbstherrlichen, politischen Parteien und deren Führungs-Eliten beäugt. Die mehrheitlich zu vergebenen Posten und Pöstchen in diesem Umfeld sind von solchen Partei-Alpha-Personen besetzt. Das ist kein Zufall und schon gar nicht eine Best- off- Klassifizierung für diese Stellenbesetzungen. Das Maß der Auswahlkriterien ist das Partei-Buch. Remember, Remember....

Es findet sich doch immer wieder ein Pöstchen: Hier mal wieder ein weiterer Beweis dafür wie die SPD Posten an Ihre eigenen Freunde vermitteln. Wasser predigen und Wein trinken! Mehr kann man dazu einfach nicht sagen!

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