Die Renaissance der "Schwarzwaldbahn" von Weil der Stadt nach Calw bekommt Konturen. Vor einigen Tagen haben sich die Landräte aus Böblingen und Calw, Roland Bernhard und Helmut Riegger, mit der Stuttgarter Regionaldirektorin Jeannette Wopperer getroffen. Thema des Gesprächs war die Frage, welche Aufgabenverteilung bei der Wiederbelebung der Bahnlinie in Form einer verlängerten S-Bahn denkbar wäre. "Beide Seiten haben ihr Interesse bekundet, das Projekt voranzubringen", fasst Roland Bernhard zusammen. Es zeichne sich ab, dass auch der Regionalverband die Planung, den Bau und den Betrieb der Bahnlinie nicht mehr als Ganzes sieht, sondern sich eine Aufgabenteilung vorstellen könnte. Ein Partner könnte den eigentlichen Schienenstrang bauen, der andere dann später den Bahnbetrieb darauf übernehmen.
Vor allem die beiden Landkreise drücken in dieser Sache aufs Tempo. Denn klar ist, dass die 69-Millionen-Euro-Investition nur Aussicht auf Verwirklichung hat, wenn nicht nur aus Fördertöpfen des Landes, sondern auch nach dem Gemeindeverkehrs-Finanzierungsgesetz (GVFG) des Bundes Zuschüsse fließen. Dieses Programm, das bis zu 60 Prozent der Baukosten übernimmt, soll aber 2019 auslaufen. Zieht man da die bisher bekannten Antrags- und Bearbeitungsfristen ab, dann müsste wohl noch in diesem Jahr ein entsprechender Antrag gestellt werden, um einigermaßen sicher in den Genuss der Förderung zu kommen.
Die beiden Landräte verfolgen deshalb das Ziel, den Bau der Eisenbahn-Infrastruktur selbst in die Hand zu nehmen. "Es ist der Region nicht so wichtig, Schienen zu legen. Sie will den Betrieb der S-Bahn in ihrer Verantwortung haben", fasst der Böblinger Landrat zusammen. Nachdem sich Jeannette Wopperer im vergangenen Dezember in einem Brief noch eher kritisch gezeigt hatte, sei man nun "doch wieder ein gutes Stück vorangekommen".
Ob die Baustelle aber bereits 2013 begonnen werden kann, wie die Calwer Erste Landesbeamtin Claudia Stöckle unlängst bei einer Wahlkampfveranstaltung der Grünen in Weil der Stadt optimistisch bemerkt hat, ist eher offen. Denn auch Roland Bernhard und Helmut Riegger wissen, dass sie noch so manche Verhandlung führen müssen. Unklar ist beispielsweise die Frage, in welcher Rechtsform sich die Landkreise dem Bauprojekt nähern wollen - sollen sie einen Zweckverband gründen, eine GmbH, oder soll der Kreis Calw allein antreten? Und wer würde dann wie viel bezahlen? Unter welchen Bedingungen, mit welchen genauen Zahlungsmodalitäten?
Noch vor der Sommerpause wollen beide Landräte darum die Details mit ihren Kreistagen durchsprechen. Wird man sich einig, könnte im Herbst ein GVFG-Antrag gestellt werden - falls bis dahin auch das Verkehrsministerium des Landes und die Regionalversammlung einer Verlängerung der S-Bahn über die Grenzen der Region Stuttgart hinaus zustimmt.
Roland Bernhard ist optimistisch, dass zwischen Weil der Stadt und Calw in nicht allzu ferner Zukunft S-Bahnen fahren werden. Zurückhaltender ist da Wolfgang Faißt, der Kreisvorsitzende der Freien Wähler. "Diese Verbindung ist ein Projekt des Kreises Calw", betont der Renninger Bürgermeister. Seine Fraktion, immerhin die größte im Böblinger Kreistag, könne sich höchstens eine Beteiligung an den Baukosten für die Strecke vorstellen. An den späteren Betriebskosten solle sich der Landkreis aber "keinesfalls beteiligen", macht Faißt die Haltung seiner Fraktion deutlich. Zumal er die Aufteilung von 20 Prozent (Kreis Böblingen) und 80 Prozent (Kreis Calw), die im Vorfeld in den Raum gestellt wurde, für unrealistisch hält: "Dem haben wir nur bei den Planungskosten zugestimmt", merkt er an. Zwar liegen 20 Prozent der etwa 20 Kilometer langen Strecke auf Böblinger Kreisgebiet. Aber eben kein einziger Bahnhof, weshalb "die Vorteile dieses Vorhabens eindeutig bei den Calwern liegen", wie Wolfgang Faißt betont.
Genau verfolgt wird die Diskussion um die Reaktivierung der Schwarzwaldbahn auch im Rathaus von Weil der Stadt. Denn die Stadt hat sich einst beim Bau ihrer Südumfahrung dazu verpflichtet, den durch die Straße unterbrochenen Schienenstrang mittels einer Brücke wieder zu verbinden, sollte dies einmal nötig werden. "Diese Kröte mussten wir damals schlucken, sonst hätte es die Südumfahrung nicht gegeben", erklärt der Hauptamtsleiter Jürgen Brändle. Immerhin: auch für die Bahnbrücke kann die Stadt GVFG-Mittel beantragen. Man sei deshalb in "engem Kontakt" mit dem Landratsamt. "Wenn die ihren Antrag abschicken, machen wir unseren auch fertig", kündigt Brändle an.


23 Mal Stuttgart – wir stellen Ihnen alle 23 Stadtbezirke vor >>