Landschaftspflege am Bissinger See Expansionskurs der Pappeln wird gestoppt

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Weil ihr wild wucherndes Wurzelwerk die Wege und angrenzenden Gebäude am Bissinger See beschädigt, müssen 14 Pappeln am Südufer gefällt werden. Als Ersatz will die Gemeinde neun säulenförmige Ulmen pflanzen lassen.

Die Pappeln am Bissinger See  erleben ihren letzten Herbst,   im Lauf der  nächsten Monate werden sie  wohl gefällt. Foto: Horst Rudel
Die Pappeln am Bissinger See erleben ihren letzten Herbst, im Lauf der nächsten Monate werden sie wohl gefällt. Foto: Horst Rudel

Bissingen - Pappeln in der Toskana finden wir alle wunderschön“, sagt Marcel Musolf, der Bürgermeister der Gemeinde Bissingen. Diese Einschätzung gelte zwar auch für die 14 Prachtexemplare dieser Spezies, welche das Südufer des Bissinger Sees säumen, sagt er. Aber im Gegensatz zu den meisten ihrer italienischen Pappelkollegen verursachen die Bissinger Gewächse wegen ihres wild wuchernden Wurzelwerks Schäden an Wegen und Häusern. Deshalb sollen die Bäume im Laufe des nächsten halben Jahres – ungeachtet ihrer Ästhetik – der Kettensäge zum Opfer fallen und durch die Neupflanzung von neun Ulmen ersetzt werden.

Gemeinde sieht sich zum Handeln gezwungen

Die Fällung, die der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung am Dienstag, 24. Oktober, endgültig besiegeln soll, ist aus Sicht von Musolf unumgänglich. Ein Gutachten bescheinige den schlanken, rund 20 Meter hohen Bäumen ein durchaus zerstörerisches Potenzial. Denn bis zu 40 Meter weit breiten sich die Pappelwurzeln vom Stamm her in die Peripherie aus. Am Bissinger See hat das Schäden am Uferweg und am Gemäuer sowie in Gärten angrenzender Wohnhäuser zur Folge. Die Problematik sei nicht neu, berichtet Marcel Musolf, obwohl sich die Pappeln mit rund 15 Jahren erst „im Teenager-Alter“ befänden. Schon vor drei Jahren sei bemerkt worden, dass „da was passiert“, dass sich die 14 Halbwüchsigen sozusagen ungebührlich gebärden. Im Juli vergangenen Jahres habe die Gemeinde dann eine Expertise eingeholt, die empfiehlt, die Bäume zu beseitigen, um größere Schäden künftig abzuwenden. „Wir können da nicht ewig zuschauen“, findet der Rathauschef, weshalb die Gemeinde nun zur Tat schreiten wolle. Bei einer Informationsveranstaltung für ihre Bürger sei die geplante Maßnahme auf Verständnis gestoßen, so Musolf.

Kahl soll die Ufer-Südseite des Bissinger Gewässers aber keinesfalls bleiben. Denn die Gemeinde sei sich der „ortsprägenden Ansicht“ des Badesees durchaus bewusst. Deshalb sei klar gewesen, direkt nach der Fällung für adäquaten Ersatz zu sorgen. Einfach ist die Entscheidung für eine verträgliche Baumart an dieser sensiblen Stelle freilich nicht, weshalb die Kommune ein Landschaftsplanungsbüro als Ratgeber hinzugezogen hat. Erneut Pappeln zu pflanzen, davon raten die Experten entschieden ab. Eine langsam wachsende Art sei – zumindest in Europa – nicht auf dem Markt. Man müsse sich dann in zehn bis 15 Jahren auf die gleichen Probleme wie heute gefasst machen. Bäume mit normaler Krone empfehlen die Fachleute ebenfalls nicht, da sie die Silhouette des Seeufers komplett veränderten und dieses nicht von der Begrünung im Hintergrund abgrenzten.

Säuleneichen kommen nicht infrage

Aber auch bei den sogenannten säulenartigen Bäumen – die in ihrem Erscheinungsbild den Pappeln zumindest ähnelten – eignet sich laut Musolf nicht jede Art. Säuleneichen beispielsweise wären „optisch ideal“, sagt er. Wegen der Gefährdung der Badegäste und Spaziergänger durch den Eichenprozessionsspinner kämen sie indes nicht infrage. Deshalb empfehlen die Baumfachleute die Pflanzung von neun säulenförmigen Ulmen. Diese würden zwar mit ihrer schlanken Form und einer Höhe von rund sieben Metern bei der Pflanzung zunächst nicht sonderlich viel Schatten spenden. Doch obwohl die Ulme mit dem Wachstumstempo der Pappel nicht mithalten könne, „sieht man nach fünf bis zehn Jahren schon recht viel“, ist Marcel Musolf überzeugt. Zumal diese Bäume eine Höhe von bis zu 20 Metern erreichten. Zudem sei die Säulenulme resistent gegen Schädlingsbefall und Umwelteinflüsse.

Die Kosten für die Fällung und die Neupflanzung belaufen sich laut dem Bürgermeister auf rund 118 000 Euro. Noch im nächsten halben Jahr – in der vegetationsfreien Zeit – sollen die Kettensägen am See aufheulen. Und schon im Frühjahr sollen die neun Ulmen dessen Südufer säumen.

Schnelles Wachstum

Pappel
Die Pappel ist eine Pflanzengattung, die zur Familie der Weidengewächse zählt und über stark ausgeprägte horizontale Wurzeln verfügt. Sie gehört zu den am schnellsten wachsenden Gehölzen und wird deshalb häufig zur Gewinnung von Holz, Papier und Energie angebaut. Sie ist zudem sehr widerstandsfähig: Selbst wenn durch ein Feuer der gesamte oberirdische Baumbestand zerstört wird, überlebt das Wurzelnetz. So kann eine Kolonie Tausende von Jahren überdauern.

Säulenulme
Gemeinhin gelten Ulmen als anfällig für Pilze, die das sogenannte Ulmensterben verursachen. Die Säulenulme gilt als sehr widerstandsfähig gegen diesen Befall. Sie fühlt sich in frischen, durchlässigen, feuchten bis mäßig trockenen Böden in voller Sonne, aber auch im Halbschatten am wohlsten.