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Baden-Württemberg
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Landtag Opposition attackiert Mappus

Reiner Ruf, vom 08.02.2010 08:47 Uhr
... und Peter Straub undemokratisches Verhalten vor. Foto: dpa
... und Peter Straub undemokratisches Verhalten vor. Foto: dpa
Stuttgart - In der Landtags-CDU herrscht zwei Tage vor der Ministerpräsidentenwahl erhebliche Unruhe. Das wäre normal, handelte es sich um freudige Erregung oder die verständliche Nervosität im Vorfeld eines solch wichtigen Amtswechsels. Doch nichts ist normal in diesen Tagen. Ein CDU-Abgeordneter bezichtigt den designierten Regierungschef Stefan Mappus einer "undemokratischen Grundhaltung", die sich jetzt nach einer Phase der harmoniebetonten Vorbereitung auf das neue Amt erneut offenbare. Starker Tobak.

Was war geschehen? Die SPD-Fraktion hatte am Freitag in die Debatte über den Landeshaushalt 2010/2011 einen Antrag eingespeist, der darauf abzielte, das Land solle Kanzlerin Angela Merkel darin unterstützen, die aus Nordrhein-Westfalen bekannte Steuersünder-CD zu verwerten. Schließlich werde auch Baden-Württemberg sein Scherflein zum Kauf der Daten beitragen müssen. Dass dem Stuttgarter Finanzministerium ein ähnliches Angebot vorliegt, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt. Den Regierungsfraktionen CDU und FDP kam das Ansinnen der Opposition gar nicht zupass. Schließlich herrscht innerhalb der Koalition keine Eintracht in der Frage, ob der Staat solche Hehlerware kaufen dürfen. Auch in der CDU gibt es unterschiedliche Meinungen.

So sagt FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke, er gehöre "eher zu den prinzipiellen Gegnern" eines solchen Handels. Der Staat müsse die Gesetze, die er den Bürgern auferlege, auch selbst beachten. "Der Zweck darf nicht die Mittel heiligen." Deshalb traf er sich am Freitag zusammen mit seinem CDU-Pendant Stefan Mappus vor der Debatte mit Landtagspräsident Peter Straub (CDU). Nach Angaben Rülkes kam man überein, den SPD-Antrag als gegenstandslos zu verwerfen. Erstens ergebe sich für den Landtag kein Handlungsbedarf, zweitens sei im Landesetat auch kein Haushaltstitel zu erkennen, auf dem sich ein solcher Antrag beziehen könne. So einigten sich die drei Politiker darauf, die Abgeordneten sollten über die Zulässigkeit des SPD-Antrags abstimmen, nicht über seinen Inhalt. Damit wäre er vom Tisch gewesen.

Rülke ist "prinzipieller Gegner"


Doch Landtagspräsident Straub informierte offenkundig weder seine Verwaltung noch seinen Vize Wolfgang Drexler (SPD) von der Absprache, weshalb dieser den SPD-Antrag in der Sache zur Abstimmung freigab - und damit Konfusion in den Koalitionsreihen auslöste. Viele CDU-Abgeordneten enthielten sich. Am Ende obsiegte die Opposition.

Das Problem liegt allerdings darin, dass Mappus, Rülke und Straub nicht im Alleingang über die Zulässigkeit eines Antrags befinden können. SPD und Grüne forderten am Wochenende in einem Brief an Straub eine Sondersitzung des Landtagspräsidiums. Nach Auffassung der SPD darf auch die Parlamentsmehrheit nicht darüber entscheiden. Das sei eine Rechtsfrage, keine Mehrheitsfrage. Der SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel argumentiert, dass Straub Bedenken gegen die Zulässigkeit des Antrags ausschließlich mit dem Antragsteller, also der SPD, hätte klären müssen. Außerdem habe die Landtagsverwaltung die Rechtmäßigkeit des Antrags bestätigt.

Schmiedel spricht von einem "eklatanten Verstoß gegen die parlamentarischen Spielregeln". Grünen-Fraktionschef Winfried Kretschmann findet noch schärfere Worte: Der Versuch von Mappus, einen Antrag als unzulässig zu erklären, zeige "nicht nur die unerträgliche Arroganz der Macht, sondern auch die mangelnde Souveränität und das fehlende Fingerspitzengefühl, das man von einem künftigem Ministerpräsidenten erwarten darf".

Hilflose Reaktion von Scheffold


Das sehen auch viele in der CDU so. Die Kritik richtet sich freilich auch gegen Landtagspräsident Straub. Wenn er sich tatsächlich auf solch einen Handel eingelassen haben, sagt ein CDU-Regierungsmitglied verärgert, "muss er eigentlich zurücktreten". Mappus, Straub: die Geschehnisse im Landtag ziehen eine ganze Kaskade von Gescholtenen nach sich. Dazu gehört auch Stefan Scheffold, der parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion. Als solcher ist er dafür da, einen reibungslosen Verlauf der Plenardebatten zu garantieren. Scheffold aber habe "völlig hilflos" reagiert, granteln CDU-Abgeordnete.

Inzwischen kursieren reichlich Intrigentheorien durch die Koalitionsreihen. Eine lautet, Straub habe die Abstimmung absichtlich chaotisiert, um Scheffold als Kandidaten für den CDU-Fraktionsvorsitz zu desavouieren. Ihm wird am ehesten zugetraut, die Wahl gegen den Favoriten Peter Hauk zu gewinnen. Der Agrarminister zählt zum alten Lager von Regierungschef Oettinger. Auch Parlamentspräsident Straub unterstützt Hauk. Manche Abgeordneten überlegen schon, ob womöglich Hauk-Gegner am Mittwoch bei der Ministerpräsidentenwahl gegen Mappus stimmen, um bei der anschließenden Wahl des Fraktionsvorsitzenden einen Rachefeldzug gegen Hauk auszulösen.
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Kommentare (6)
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FEB
09
16:43 Uhr, geschrieben von bekien
Ich will Mappus nicht
ja herrgottsackramentnomole, wird man hier überhaupt noch gefragt? Bananenrepoblik - geil! Isch des ebas, womit mr a Geld macha ko? Bis onsre a grienes Licht gäbed, sind net nur die Köffer verschwonda, sondern die Verbrecher glei mit. Do wird doch mutwillig zudeckelt, mr send doch net bled. Do kosch no druf warda, bis mol euner in der effentlichkeit windelweich gschlaga wird, aber der hat´s dann wahrscheinlich au verdient! Isch BW vielleicht ein Steuermienenfeld der flüchtenden Hinterziehern? Die grinsen sich womöglich schon in Monaco oder Genf eins über die zahlenden und blutenden Deppen in Deutschland und onsre Politiker decken alles zu. Auch der Finanzminister will wegen seiner 100.000 DM Spende nicht wirklich angesprochen werden. Herr Mappus, warum soll i jetzt ihne vertrauen und sie guat fenda?Sagat si mir des amole!
FEB
08
18:56 Uhr, geschrieben von steuersünder
opositionskritik
Was? Mappus will MP werden er solls doch gleich bleiben lassen, wer keine Ahnung hat und hinter dem Rücken der Opposition agiert hat dieses Amt nicht verdient. Wir brauchen keine Bananenrepublik sondern eine Funk- tionierende Demokratie. Steuersünder sind die Totengräber von heute denn sie Betrügen die Geselschaft und gehören vor Gericht. Die Geselschaft hat ein recht darauf das alle Steuern zahlen sonst können wir den Laden dicht machen.
FEB
08
17:58 Uhr, geschrieben von Ulrich Hofmann
@Der-die-Steuern-hier-zahlt: Sehr mutig!!
Hallo Mister Anonym, können Sie Ihre Verdächtigungen in irgend einer Form beweisen? Oder ist das nur Teil einer anonymen Verleumdungsstrategie? Ist ja toll, sich hinter einem Pseudonym zu verkriechen und aus dem Untergrund heraus Jauche zu verteilen. Dazu gehört kein Mut, das ist im Gegenteil ein Akt der Feigheit! Wenn Sie was zu sagen haben, dann tun Sie es offen! Aber dann müssen Sie sich an Ihren Aussagen auch messen lassen! Gehen Sie das Risiko ein? Übrigens, um das mal klar zu stellen, Sie sind nicht der Einzige, der HIER seine Steuen zahlt!
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