Landtagsumbau Die Weichen sind gestellt

Von Reiner Ruf 

Fünf Entwürfe für die Umgestaltung des Plenarsaals im Stuttgarter Landtag liegen vor. Am Sonntag werden sie begutachtet, am Dienstag folgt die Entscheidung.

Das Gebäude des baden-württembergischen Landtags  ist sanierungsbedürftig. Foto: dpa
Das Gebäude des baden-württembergischen Landtags ist sanierungsbedürftig.Foto: dpa

Stuttgart - Mehr Licht! Goethes letzter Wunsch, auf dem Totenbett gehaucht, ist auch das gemeinsame Anliegen der Abgeordneten des baden-württembergischen Landtags. Mehr Licht sollen sie bekommen. Im Frühjahr hatte sich das Parlamentspräsidium darauf geeinigt, im Zuge einer umfassenden und, was das Technische angeht, durchaus überfälligen Sanierung des Landtagsgebäudes auch für eine „Versorgung des Plenarsaals mit Tageslicht“ Sorge zu tragen. Bisher nämlich tagen die Abgeordneten ausschließlich im trägen Kunstlicht, das manch matte Gedankenführung und manch dünnen Redefluss möglicherweise befördert, wenn nicht gar verschuldet.

Provisorium im Kunstbau

Am Sonntag nun wollen das Landtagspräsidium sowie Bauexperten die fünf Entwürfe für den Umbau begutachten. Neben dem Präsidium sind weitere Abgeordnete aus jeder Fraktion dabei, die Architekten sowie Abgesandte der Stadt Stuttgart und der staatlichen Hochbauverwaltung. Sie müssen darüber befinden, auf welchen Wegen das ersehnte Tageslicht in den Plenarsaal dringen wird. Es geht um Lichtschächte an der Decke sowie um eine Glaswand hin zur bereits jetzt sonnenstrahlendurchfluteten Lobby des Parlaments. Nächste Woche wird dann im Präsidium entschieden, welcher Entwurf zum Zuge kommt.

In der Ausschreibung wurden die Kosten für die Sanierung des 1961 fertiggestellten Gebäudes auf 25 Millionen Euro taxiert – zuzüglich des Aufwands für den „Tageslichtbezug“. Dafür hatte das Landtagspräsidium ursprünglich sechs bis 14 Millionen Euro vorgesehen. Ob sich der Betrag halten lässt, werden die Entwürfe zeigen.

Während der Bauarbeiten tagt das Parlament im Kuppelsaal des am Schlossplatz gelegenen Kunstbaus. Zunächst hatte man den Weißen Saal des Neuen Schlosses als provisorischen Plenarsaal ins Auge gefasst, doch der Plan wurde wieder verworfen. Im Landtag heißt es, der Weiße Saal sei auf Jahre hinaus für andere Veranstaltungen gebucht. Die Parlamentsbestuhlung hätte immer wieder aufs Neue auf- und abgebaut werden müssen. Im Kunstbau hingegen will sich der Landtag bis Abschluss der Arbeiten störungsfrei einrichten. Bis zum Herbst 2016 soll dann alles fertig sein.

Einfache Stühle, keine Tische

Für die Dauer des Landtagsumbaus ist der Kunstbau damit belegt. Der Stuttgarter Architekt und SPD-Politiker Peter Conradi hält dies für überflüssig. Conradi verweist auf das Alte Wasserwerk in Bonn, das in den Jahren von 1986 bis 1992 dem Bundestag als Heimstatt diente. Damals wurde in der Hauptstadt der alten Bundesrepublik ein neuer Plenarsaal erstellt – die Abgeordneten mussten auf Jahre hinaus ins Alte Wasserwerk am Rhein ausweichen. Ein neugotischer Bau, welcher der Stadt einst zur Wasserversorgung diente. Dort saßen die Bundestagsabgeordneten auf einfachen Stühlen mit Lederbezug. Tische gab es keine. „Wenn alle Abgeordneten da waren“, erinnert sich der langjährige Bundestagsabgeordnete Conradi, „fanden gar nicht alle Platz“. So häufig wird das wohl nicht vorgekommen sein, dass alle da waren, aber wenn doch, dann standen viele Abgeordnete „an den Wänden herum“. Der Atmosphäre sei das jedoch „eher förderlich gewesen“, erzählt der 79-jährige Conradi. Er zieht den Schluss: „Der Weiße Saal täte es auch.“ Die Bestuhlung könnte bei anderen Veranstaltungen rasch abgebaut werden. Doch die Entscheidung ist gefallen. Freilich müssen im Kunstgebäude vorübergehend Notausgänge ins Gemäuer geschlagen werden. Dem Ministerpräsidenten und dem Landtagspräsidenten werden je ein Arbeitsraum zur Verfügung gestellt.

Zwischen dem Landtagsgebäude und der Konrad-Adenauer-Straße soll außerdem ein Bürger- und Medienzentrum entstehen. Es dient der Betreuung von Besuchergruppen oder auch für öffentliche Ausschusssitzungen. Um die zehn Millionen Euro soll es kosten.

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5 KommentareKommentar schreiben

Überfällig: Ich würde jedem raten eine Plenarsitzung im Landtag zu besuchen - der Saal ist eine echte Zumutzung. Die Sanierung des Gebäudes wird wohl bei genauerem Hinsehen niemand in Abrede stellen wollen. Im Berliner Reichstagsgebäude ist die nachträglich eingebaute Kuppel das Highlight. Warum soll unserer Landtag nicht attraktiver werden können durch einen Umbau?

Stuttgarter geht auf die Straße: Das darf doch wohl nicht war sein! Jetzt wollen die auch noch den Landtag umbauen. Schon wieder wird ein Kulturgut Stuttgarts in seiner Struktur verändert und die 'Seele' herausgerissen. In 51 Jahren hat der Landtag Stuttgart geprägt und jetzt kommt da eine Glaskuppel drauf? Nein das geht nicht! Zudem werden wir direkt belogen! Das Ganze kostet nach meiner Expertenrechnung nicht 25 Millionen sondern 2,5 Milliarden Euro! Ich verlange, dass man diesen Landtag in seiner ganzen Schönheit genauso erhält wie er ist. Geht mit mir zusammen auf die Straße. Wir müssen alle davon überzeugen den Umbau nicht zu gestatten und die Zerstörung eines weiteren Kulturgutes verhindern! (Ironie aus)

mehr licht für den landtag: wie wäre es mit mehr DURCHBLICK für die, die darin sitzen ??? zumindest bei schwarz , rot , gelb erhebt sich der dringende verdacht , das die eine ganz neue GENERATION von SPARLAMPEN in sich tragen . deren helligkeit kann man nicht mit lux messen, die wird wohl eher in kerzeneinheiten angegeben !

Ich bin für L21: Ab nach unten mit dem Gebäude und oben Platz schaffen als Ersatz für die Zerstörungswut in Stuttgart. Ich sehe keine Partei die es verdient hätte oben zu bleiben. Und durch mehr Licht wird dort leider kein Licht aufgehen.

Geldverschwender: Mit fremden Geld kann man halt klotzen. Von einer grün-roten Regierung hätte ich mehr Bescheidenheit erwartet. Aber bei Superminister Schmid sieht man ja, wie es läuft. 1,5 Milliarden verschenkt für den VW-Deal. Aber dann mit der Schweiz verhandeln... Die sind schlimmer als Mappus.

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