Landtagswahl: Die Kandidaten in der Region stehen Frauen in der zweiten Reihe

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Es ist viel passiert im Vorfeld der Landtagswahl am 13. März: Verdiente Platzhirsche wurden verstoßen, andere Abgeordnete bangen um ihre Zukunft im Parlament.

In der Region Stuttgart müssen auch  langjährige Politiker um ihr Mandat zittern. Foto:  
In der Region Stuttgart müssen auch langjährige Politiker um ihr Mandat zittern.Foto:  

Stuttgart - Vielleicht muss Jürgen Walter seinen Platz räumen. Bei der Landtagswahl vor fünf Jahren erzielte der Ludwigsburger Grünen-Abgeordnete noch das beste Ergebnis unter seinen Parteigenossen in den Stuttgarter Nachbarkreisen Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und Rems-Murr. Womöglich könnte ihm am 13. März aber der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann in seinem Wahlkreis Nürtingen den Rang ablaufen: Umfragen zufolge erfreut sich der Regierungschef anhaltender Beliebtheit. Für ein Direktmandat hat es im Jahr 2011 bei Weitem nicht gereicht. Und ob der Regierungschef-Bonus ihm dieses Mal zum Erstmandat verhilft, ist fraglich.

Zwar haben die Christdemokraten vor fünf Jahren die Landtagswahl verloren, aber in den 13 Wahlkreisen um Stuttgart herum blieben die Direktmandate weiter fest in schwarzen Händen. Das dürfte sich in diesem Jahr kaum ändern – außer die Wähler sanktionieren Querelen im Zuge der Kandidatennominierung, wie es sie etwa in Göppingen gegeben hat.

Jutta Schiller hat das Nachsehen

Dort ist die amtierende Abgeordnete Jutta Schiller, die vor zwei Jahren für den ehemaligen Kulturstaatssekretär Dietrich Birk nachgerückt ist, bei der Nominierung von Simon Weißenfels ausgebootet worden. Im Rems-Murr-Kreis hat der Abgeordnete Matthias Pröfrock von seinen Parteifreunden die Papiere überreicht bekommen. Der Vorsitzende der CDU Region Stuttgart, der einst Günther Oettinger als persönlicher Referent diente, hatte 2011 mit einer Plagiatsaffäre Schlagzeilen gemacht und hat bei der Nominierungsversammlung gegen den Winnender Siegfried Lorek den Kürzeren gezogen.

Im Kreis Ludwigsburg hingegen hört der CDU-Platzhirsch Manfred Hollenbach von sich aus auf. Gleich mehrere bewarben sich um die Nachfolge im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen. Dabei setzte sich mit Fabian Gramling (siehe unten stehenden Artikel) ein junger Kandidat durch, den im Vorfeld wohl die wenigsten auf dem Zettel hatten. Immerhin verwies der Besigheimer Betriebswirt schon im ersten Wahlgang den Vizelandrat Utz Remlinger und Isabel Kling, die Veranstaltungsmanagerin der CDU-Landtagsfraktion, auf die Plätze.

Den Grünen im Wahlkreis Göppingen wiederum haben ihre Nominierungsversammlungen anscheinend so gut gefallen, dass sie mehrere abgehalten haben. Der Abgeordnete Jörg Fritz war vor fünf Jahren noch gefeiert worden, weil mit ihm erstmals ein Grüner für Göppingen den Sprung ins Parlament geschafft hatte. Dieses Mal hatte sich eine Allianz gegen den einstigen Mitarbeiter der ehemaligen Bundestagsabgeordneten Uschi Eid gebildet. Die Gegner von Fritz erreichten ihr Ziel, aber nur mit einigem Hauen und Stechen und nur denkbar knapp. Am Ende entschied das Los, dass der Journalist Alexander Maier statt Fritz in der Hohenstaufenstadt auf Stimmenfang gehen darf.

Sozialdemokraten unter Druck

Bei der schwer schwächelnden SPD müssen sogar einige teils langjährige Landespolitiker aus der Region um ihren Wiedereinzug ins Parlament per Zweitmandat bangen: Der Böblinger Florian Wahl ist 2011 mit 23,5 Prozent der Stimmen noch ganz knapp in den Landtag gerutscht. Auch für den Fraktionschef Claus Schmiedel (Ludwigsburg), der 2011 lediglich 24 Prozent der Stimmen für sich verbuchen konnte, könnte es knapp werden. Bangen müssen wohl auch Sascha Binder (Geislingen) und die Sozialministerin Katrin Altpeter (Waiblingen). Für Wolfgang Drexler (Esslingen) ist der Wiedereinzug in den Landtag ebenfalls nicht selbstverständlich.

Für Frauen gilt das schon bei der Nominierung. In den 17 Wahlkreisen in Stuttgart und der Region konkurrieren bei den vier im Landtag vertretenen Parteien CDU, Grüne, SPD und FDP 17 Frauen mit 51 Männern um die Mandate. Damit ist der Frauenanteil in der Region mit 25 Prozent sogar noch um 3,2 Prozentpunkte niedriger als im Landesschnitt. Alleine in der Landeshauptstadt gibt es acht Bewerberinnen. In den Nachbarkreisen gehen die Altparteien in 13 Wahlkreisen also nur mit neun Frauen ins Rennen (17,3 Prozent). In immerhin fünf dieser 13 Bezirke (Kirchheim, Nürtingen, Göppingen, Vaihingen/Enz und Bietigheim-Bissingen) bieten die im Landtag vertretenen Parteien keine einzige Frau auf. Allerdings findet man sie in der zweiten Reihe. Die Liste der Ersatzbewerberinnen ist ungleich länger.

Jenseits der etablierten Parteien sieht das kaum anders aus. Die Linken zum Beispiel entsenden in den 17 Wahlkreisen in der Region vier Frauen. Die Alternative für Deutschland (AfD) hat in der Region nur in Vaihingen eine Kandidatin nominiert.

Junge Männer machen das Rennen

Der Landesfrauenrat klagt denn auch, die Parteien stellten zu wenig weibliche Bewerber auf. Der überparteiliche Verband, dem zwei Millionen Frauen angehören, fordert für die nächste Legislaturperiode die Einführung des Listen- und Zwei-Stimmen-Wahlrechts im Land. Dies soll Frauen den Weg in die Politik erleichtern.

Womöglich können sie von aufstrebenden Jungpolitikern das Netzwerken lernen. Die Christdemokraten Simon Weißenfels und Fabian Gramling etwa sind beide Jahrgang 1987, also noch nicht mal 30 Jahre alt. Sie haben es im Vorfeld der Nominierungsversammlungen offenbar besser als ihre Konkurrenten verstanden, ihre Anhänger zu mobilisieren. Das gilt auch für Alexander Maier, der 1991 geboren ist und damit zu den zehn jüngsten Kandidaten aller Parteien in der Region zählt. Auch der Göppinger Grüne hatte seine Unterstützer am Start – und am Ende bei der Auslosung auch noch Glück.