ExklusivLandtagswahl in Baden-Württemberg Wahlergebnis 2011 ist fehlerhaft

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Das amtliche Endergebnis der Landtagswahl 2011 ist fehlerhaft. Das ergibt der BW-Atlas der Stuttgarter Zeitung. Die Landeswahlleiterin kann den Fehler erklären – zumindest ein bisschen.

Das amtliche Endergebnis des Landtagswahl 2011 ist nicht korrekt – zumindest für die Gemeinde Hagnau. Die falschen Zahlen finden sich aktuell etwa auf der Website des  Statistische Landesamts (Screenshot) Foto: Statistisches Landesamt (Screenshot StZ) 4 Bilder
Das amtliche Endergebnis des Landtagswahl 2011 ist nicht korrekt – zumindest für die Gemeinde Hagnau. Die falschen Zahlen finden sich aktuell etwa auf der Website des Statistische Landesamts (Screenshot)Foto: Statistisches Landesamt (Screenshot StZ)

Stuttgart - Der auf dem amtlichen Endergebnis basierende BW-Atlas der Stuttgarter Zeitung identifiziert in Sachen Wahlbeteiligung bei der Landtagswahl 2011 einen einsamen Spitzenreiter im Land: Hagnau am Bodensee. 2011 haben dort – zumindest ausweislich des amtlichen Endergebnisses – 93,3 Prozent aller Wahlbeteiligten ihr Wahlrecht ausgeübt. Das Statistische Landesamt meldet diese Zahl als amtliches Endergebnis auf seiner Website, ebenso zumindest bis Ende vergangener Woche der Bodenseekreis. Laut amtlich festgestelltem Endergebnis hat überdies die FDP in dem Winzerort am Bodensee sensationelle 24,4 Prozent der Stimmen geholt, die Grünen entgegen dem Landestrend hingegen nur 13,6 Prozent. Hagnau war demnach bei der Landtagswahl 2011 das exotischste Dorf im ganzen Land: fast alle waren wählen und jeder Vierte hat sein Kreuz bei der FDP gemacht.

Nach StZ-Recherchen ist das amtlich festgestellte und auf der Website des Statistischen Landesamts veröffentlichte Endergebnis für Hagnau fehlerhaft. Tatsächlich sind die Stimmanteile von FDP und Grünen im amtlichen Endergebnis vertauscht; eigentlich haben die Grünen 24,4 Prozent geholt. Außerdem ist für Hagnau eine zu geringe Anzahl von Wahlberechtigten festgestellt. Statt der angegebenen 924 waren bei der letzten Landtagswahl 1085 Hagnauer wahlberechtigt; aus den 862 abgegebenen Stimmen errechnet sich eine Wahlbeteiligung von 79,5 Prozent anstelle der offiziell wiedergegebenen 93,3 Prozent.

Korrekt gemeldet – falsch festgestellt

Die korrekten Zahlen sind auf der Website der Gemeinde selbst veröffentlicht und sie wurden am Wahlabend 2011 auch so per Fax an das Landratsamt Bodensee übermittelt. Das Landratsamt Bodenseekreis hat dieses Fax der StZ zur Verfügung gestellt und auch ein Mitarbeiter der Gemeinde Hagnau bestätigt diese Zahlen.

Wie konnten die falschen Zahlen dann ihren Weg ins amtliche Endergebnis finden?

Der Sprecher des Landratsamts Bodensee, Robert Schwarz, erklärt, die von Hagnau übermittelten Daten seien am Wahlabend korrekt mit der Software PC-Wahl nach Stuttgart übermittelt worden. Die falschen Zahlen hätten sich bei der Niederschrift der Wahlergebnisse durch das Landratsamt am 1. April 2011 eingeschlichen. Am 5. April sei die Landeswahlleitung über diesen Fehler informiert worden.

Wahlleiterin vermutet Missverständnis

Die Landeswahlleiterin Christiane Friedrich berichtet unter Verweis auf das Protokoll der Sitzung des Landeswahlausschusses vom 8. April, dass dort Fehler in den Niederschriften von sieben Wahlkreisen besprochen worden seien – darunter auch eine Unstimmigkeit bei der Zahl der Wahlberechtigten im Bodenseekreis. Dieser Fehler sei korrigiert worden. Zu dem Zahlendreher bei Grünen und FDP in Hagnau schweige sich das Protokoll aus. Der Hinweis des Landratsamts seit ausweislich der Akten telefonisch ergangen. Dabei, so Friedrich, müsse es zu einem Missverständnis gekommen sein. „Es ist ausgeschlossen, dass wir so einem Hinweis nicht nachgehen würden“, so Friedrich zur StZ. Friedrich sowie der zuständige Experte im Statistischen Landesamt verweisen zudem auf Plausibilitätsprüfungen. „Ob auf Kreis- oder Gemeindeebene intern ein Fehler passiert ist, kann ich allerdings nicht beurteilen“, sagt der Experte vom Landesamt.

Auch die Wahlleiterin Friedrich kann sich den ins amtliche Endergebnis eingegangenen Zahlendreher bei den Stimmen für Grüne und FDP nicht vollständig erklären. „Das sind derartige Zahlenkolonnen, da passieren immer Fehler“, sagt Friedrich, „einige werden entdeckt, einige nicht. Insgesamt gleicht es sich immer aus.“

 


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9 KommentareKommentar schreiben

Ergänzung zum Datum: es is natürlich der 13. gemeint, - NICHT am Dienstag den 15. wählen gehen, - gell ?? ;-)

Klasse...: das ist Wasser auf die Mühlen der afd "Wahlbeobachter". Muß man so etwas kurz vor der Wahl publik machen ?

Nun ja: der "Fehler" ist ja anscheinend nicht bei der Auszählung passiert, sondern bei der Übermittlung durch elektronische Systeme, auf die wir seltsamer Weise immer mehr vertrauen. Da hilft auch kein Beaobachter bei der Stimmenauszählung. Selbiges nehme ich auch bei der Erfassung der Wahlberechtigten an. Ich finde es in Ordnung, dass das vor der Wahl publiziert wird. Vielleicht überprüft man das dann etwas expliziter. Man müsste dann vllt. etwas länger auf das Ergebnis warten, das wäre es aber wert. Schliesslich kommt es nicht auf Schnelligkeit sondern auf Korrektheit an. In unserer Zeit kommt es aber wohl eher auf ersteres an. Da sollte man dann doch manchmal weniger blind auf die lobgepriesene, aber gewiss nicht fehlerfreie, moderne Technik setzen und sollte sich auch mal in Geduld üben können.

Amtlich: geht nur auf Papier. Es gibt bislang noch kein Computerverfahren, das die korrekte Übermittlung der Wahlergebnisse garantieren kann. Also verlässt man sich auf FAX für die Meldung am bzw. auf die Niederschriften der Kreiswahlleiter. Es ist unklar, wie intensiv die vorläufigen Ergebnisse vom Sonntag mit den amtlichen Endergebnissen abgeglichen werden. Im Allgemeinen kann man doch davon ausgehen, dass in der Hektik des Wahlabends eher ein Fehler passiert als bei der Überprüfung der Meldungen in den Büros der Kreiswahlleiter. Warum sollte man sich dann noch mit einem Abgleich mit den Schnellmeldungen abgeben? Wenn Differenzen auftreten, gilt sowieso das amtliche Endergebnis.

Sorry: ist wohl doch nicht bei der übermittlung sondern bei der Niederschrift passiert. Ändert aber nichts an meiner Kritik an elektronischen Verfahren. Und bei der Niederschrift werden sicherlich auch kaum Wahlbeobachter zugegen sein

Der Technik vertrauen: den Zweiflern Glauben schenken. - - - NUR bis zur Wahl am 13. März diesen Monats haben wir " gebürtige SCHAWABEN DOCH GEDULD " , - oder ? Ich kenn das, - als begeistert lebender Schwabe warte ich immer ein PAAR Jahre ab, - WIE sich die Sache so entwickelt . . . . . ABER die Zeit haben WIR dießmal NICHT, DER 15. März diesen Monat regelt die Zukunft. - - - Besprecht Euch, es ist Zeit bis Sonntag. - - - DANKE fürs Verstädnis.

Nach: solchen "Zahlendrehern" und dem von etlichen Parteien begrüßten Wahlbetrug in Bremen, sollte bei dieser Wahl umso genauer hingeschaut werden. Jeder Bürger darf bei der Auszählung im Wahllokal dabei sein.

Hilft nicht: Die Zahlen in den Wahllokalen stehen hier nicht zur Debatte; es geht vielmehr um den Meldeweg vom Wahllokal über die Gemeinde zum Kreiswahlleiter und dann zur Landeswahlleiterin. Wer hier auf Nummer sicher gehen will, kommt um eine eigene Zusammenfassung nicht herum.

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