Landtagswahl Weiterhin grüner Vormarsch in der schwarzen Region?

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38 der 138 Landtagsabgeordneten kommen aus der Region Stuttgart. Außerhalb Stuttgarts hat die CDU 2011 alle Direktmandate gewonnen. Und 2016? Eine regionale Vorschau auf den Wahltag am 13. März.

Peter Hofelich (rechts) hat gut lachen: Er holte  2011 das beste SPD-Ergebnis in der Region Stuttgart. Und wie ergeht es dem Staatssekretär am 13. März? Foto: Rudel/Regenscheit
Peter Hofelich (rechts) hat gut lachen: Er holte 2011 das beste SPD-Ergebnis in der Region Stuttgart. Und wie ergeht es dem Staatssekretär am 13. März?Foto: Rudel/Regenscheit

Stuttgart - Auch wenn die Wähler vor fünf Jahren die CDU aus der Villa Reitzenstein vertrieben, in der Region rund um Stuttgart blieb auf den ersten Blick alles beim alten: Die CDU holte trotz Verlusten alle 13 Direktmandate in den Kreisen Böblingen, Esslingen, Ludwigsburg, Göppingen und Rems-Murr mit deutlichem Abstand vor der Konkurrenz. Nur in Stuttgart gelang es den grünen Wahlsiegern im Sog der erbitterten S-21-Debatte drei der vier Direktmandate zu erobern. Und 2016?

Auf Grundlage der Umfragen haben die Grünen in Stuttgart wieder gute Chancen. Aber auch in der Region gibt es interessante Konstellation – zumal wenn sich CDU und Grüne in der Wählergunst weiter annähern sollten. Im Wahlkreis Nürtingen tritt der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann an, dem alle Umfragen hohe persönliche Sympathiewerte bis hinein ins CDU-Lager attestieren. Deshalb ist es spannend, ob der unbekannte CDU-Landtagsabgeordnete Thaddäus Kunzmann, der 2011 noch 14 Prozentpunkte oder mehr als 12 000 Stimmen vor Kretschmann lag, erneut das Direktmandat holt.

Auch in den anderen Wahlkreisen der Region lag die CDU zumeist mit deutlich mehr als zehn Prozentpunkten vor den Grünen, so dass die CDU dort wieder auf die meisten Stimmen hofft – am geringsten war der schwarz-grüne Abstand in den beiden Wahlkreisen Ludwigsburg (8,2 Prozentpunkte) und Esslingen (9,8). Doch mit Blick auf die Direktmandate heißt es mittlerweile: Nichts ist unmöglich.

Grün wird zweite Kraft in der Region

Bereits vor fünf Jahren setzten die Grünen in der schwarzen Region einen deutlichen Farbtupfer. Die CDU eroberte zwar 14 Direktmandate (13 in den Kreisen, eines im Wahlkreis Stuttgart III), aber auch die Grünen schickten 14 Abgeordnete aus der Region in den Landtag: drei Direktgewählte und einen über das Zweitmandat in Stuttgart, zehn über das Zweitmandat aus den Kreisen. Die SPD holte noch acht Zweitmandate in den Kreisen, für die FDP reüssierten die auch dieses Mal wieder antretenden Ulrich Goll und Jochen Haußmann mit Zweitmandaten im Rems-Murr-Kreis.

Der Vormarsch der Grünen spiegelt sich auch im regionalen Wahlergebnis von 2011 wider, das die StZ auf der Grundlage der einzelnen Wahlkreise errechnete. Vor fünf Jahren gelang es den Grünen erstmals in der Region Stuttgart mit 26,1 Prozent (2006: 12,4 Prozent) hinter der CDU, die von 41,4 auf 37,2 Prozent verlor, den zweiten Platz zu erobern. Dahinter folgte die SPD, die von 25,9 auf 22,9 Prozent abnahm. Die FDP war von 11,7 im Jahr 2006 auf 5,8 Prozent abgestürzt. Die Linke landete unverändert unter drei Prozent.

Personelle Wechsel bei der CDU

Trotz der Umfragen lässt sich über die Sitzverteilung nach dem 13. März 2016 nur spekulieren. Einige personelle Veränderungen stehen aber bereits fest. So wird der langjährige CDU-Abgeordnete Manfred Hollenbach im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen nicht mehr antreten, dort kandidiert nun Fabian Gramling. Der frühere Kultur-Staatssekretär Dietrich Birk (CDU) aus Göppingen hat nach seinem Wechsel zum Verband der Maschinen- und Anlagenbauer sein Landtagsmandat aufgegeben, seine Nachrückerin Jutta Schiller unterlag bei der Nominierung Simon Weißenfels. Auch Matthias Pröfrock (Wahlkreis Waiblingen) zog bei der CDU-internen Bewerberwahl den Kürzeren gegen Siegfried Lorek. Prominentester CDU-Kandidat in der Region ist nun der Landtagspräsident Wilfried Klenk in Backnang.

Bei den Grünen gab es in den Kreisen der Region nur einen Wechsel: In Göppingen tritt Alexander Maier an, der sich erst im Losentscheid gegen den Abgeordneten Jörg Fritz durchsetzte. Neben Kretschmann gehören die Minister Winfried Hermann und Franz Untersteller, die sich in Stuttgart bewerben, und der Kulturstaatssekretär Jürgen Walter (Ludwigsburg) zu den prominenten Bewerbern. Die Landesvorsitzende Thekla Walker tritt im Wahlkreis Böblingen an.

Für SPD-Abgeordnete kann es knapp werden

Sollten sich die Umfragen bewahrheiten müssen manche verdienten SPD-Abgeordneten um ihr Mandat fürchten. Peter Hofelich, dem Staatssekretär im Wirtschafts- und Finanzministerium, werden im Wahlkreis Göppingen die besten Chancen eingeräumt, in der Region ein Zweitmandat zu holen. Anderen Prominenten wie der Sozialministerin Karin Altpeter (Waiblingen), dem Landtagsvizepräsidenten Wolfgang Drexler (Esslingen) und vor allem Fraktionschef Claus Schmiedel (Ludwigsburg) könnte aber eine Zitterpartie drohen.

Für die AfD tritt der in Karlsruhe lebende Spitzenkandidat Jörg Meuthen im Wahlkreis Backnang an – und, das Wahlrecht macht’s möglich, auch in Bretten. Von sich reden mit unsäglichen Aussagen über Flüchtlinge machten aber vor allem der Stuttgarter Heinrich Fiechtner, der sich im Wahlkreis Göppingen bewirbt, und der Kirchheimer Kandidat Günter Lenhardt, der daraufhin von der Bundeswehr aus der Flüchtlingshilfe abgezogen wurde.

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2 KommentareKommentar schreiben

Bei der SWR-"Elefantenrunde": hat sich Ministerpräsident Kretschmann (wieder einmal) überlegt und gut geschlagen, der oft unterschätzte Herr Schmid von der SPD ebenfalls. Während der Professor von der AfD die Schießbefehl-Rhetorik seiner Parteifreund(inn)en weder leugnen noch entkräften konnte. - Danke an alle Mitbürger, die bei den Wahlen weiterhin auf Kopf und nicht auf Bauchgrummeln setzen!

Was kommt danach..: Bei aller Euphorie um Herrn Kretschmann, hat sich schon mal jemand überlegt was passiert, wenn Herr Kretschmann nach einem Wahlsieg sein Amt, aus welchen Gründen auch immer aufgibt? Wer rückt nach und wird Ministerpräsident? Herr Hermann? Die Grünen in Baden-Württemberg bestehen nicht nur aus einer Person. Das sollten die Wähler bedenken.

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