Landwirtschaft im Südwesten Bauern tragen rote Laterne
Ulrich Schreyer, 29.11.2011 19:14 Uhr
vorherige Bild 1 von 3 nächste
 Foto: dpa
Foto: dpa
Weitere Artikel
zum Thema

Stuttgart - Die Landwirte in Baden-Württemberg haben im vergangenen Wirtschaftsjahr deutlich mehr verdient. Die Südwest-Bauern bleiben aber wie schon seit Jahren weiter auf dem letzten Platz auf der bundesweiten Einkommensskala. Zu diesem Ergebnis kommt der Landesbauernverband in seinem Bericht über das vergangene Wirtschaftsjahr, das am 30. Juni zu Ende ging. Auf dem vorletzten Platz liegen die Landwirte aus Bayern. Den bundesweiten Spitzenplatz nehmen die Bauern aus Schleswig-Holstein mit einem Einkommen je Familienarbeitskraft von 49.500 Euro ein. Auf Rang zwei folgen dann die Bauern aus den ostdeutschen Bundesländern mit 41.500 Euro. Fast nur halb so hoch ist das Einkommen je Familienarbeitskraft im Südwesten mit 22.120 Euro. Die Einkommen liegen hier um 8000 Euro unter dem Bundesdurchschnitt.

Der Präsident des Bauernverbandes in Baden-Württemberg, Joachim Rukwied, führt die großen Unterschiede auch auf die verschiedenen Betriebsgrößen in den einzelnen Bundesländern zurück. So halten die Bauern im Norden und Osten der Republik weit mehr Tiere und bewirtschaften größere Flächen. Für Rukwied ist damit eines klar: auch in Baden-Württemberg müssen die Betriebe größer werden. Mindestens hundert Hektar, so der Bauernpräsident, müsse heute ein Betrieb bewirtschaften, um zukunftsfähig zu sein. Vor wenigen Jahre dagegen hat diese "Wachstumsschwelle" noch bei 75 Hektar gelegen.

Größere Betriebe wie im Norden und Osten Deutschlands haben nach Meinung von Rukwied auch bessere Chancen beim Verkauf ihrer Produkte, weil große Abnehmer etwa große Mengen gleichartiger Fleischqualitäten bei Schweinen haben wollen. "Da hilft es wenig, wenn drei Bauern aus Baden-Württemberg sich zusammentun und sagen, wir haben auch ein paar Hundert Schlachtschweine im Angebot", sagte Rukwied. Ein weiterer Vorteil größerer Betriebe sind geringere Kosten für die Aufzucht etwa eines Ferkels oder eines Schlachtschweines. Eine Staffelung der Förderung durch die Europäische Union nach Betriebsgrößen und oder gar eine Begrenzung der Förderung von einer bestimmten Größe an lehnt der Bauernverband in Baden-Württemberg allerdings ab.

Die Milchbauern können aufatmen

Obwohl sie weiter die rote Laterne tragen, können die Bauern im Südwesten auf ein im Durchschnitt erfreuliches Wirtschaftsjahr zurückblicken: Die Einkommen je Familienarbeitskraft - im Durchschnitt sind auf einem Hof 1,5 Arbeitskräfte tätig - stiegen um fast 30 Prozent. Dies ist aber immer noch weniger als im noch guten Wirtschaftsjahr 2007/2008. Dann aber ging es runter: In den beiden folgenden Wirtschaftsjahren 2009/10 sanken die Einkommen dann auf knapp 17.000 Euro je Familienarbeitskraft.

Zwischen den einzelnen landwirtschaftlichen Betriebsformen gibt es allerdings erhebliche Unterschiede. Am schlechtesten geht es dabei den 8300 Wengertern in Württemberg und Baden. Diese erzielten - auch wegen des Frostes im vergangenen Jahr - nur eine geringe Ernte und kamen auf ein Einkommen von nur noch 7400 Euro je Familienarbeitskraft.

Bei Ferkel- und Schweinemästern sank das Einkommen je Familienarbeitskraft um 22 Prozent auf nur noch 19.800 Euro. Immer mehr dieser Betriebe geben auf. Aufatmen können dagegen die Milchbauern: Ihre Einkommen stiegen um satte 64 Prozent auf 26.850 Euro, der aktuelle Milchpreis liegt bei 35 Cent pro Liter. Besser geht es auch den Ackerbaubetrieben. Bei diesen stieg wegen der höheren Getreidepreise das Einkommen je Familienarbeitskraft um 42 Prozent auf 25.430 Euro. In Baden-Württemberg gibt es rund 15.000 Haupterwerbslandwirte und 30.000 Nebenerwerbslandwirte. Die Zahl der Bauern im Südwesten geht pro Jahr um 3,5 Prozent zurück.

Kommentare (0)
Autor*
Betreff*
Ihr Kommentar*
Optionale Felder
Die Redaktion veröffentlicht ausgewählte Kommentare auch in der gedruckten Ausgabe der Stuttgarter Zeitung. Voraussetzung ist, dass der Beitrag mit Namen, Postanschrift und E-Mail (Adressen werden nicht veröffentlicht) vorliegt.
Email-Adresse (wird nicht veröffentlicht)
Anschrift