| Zeitungsgruppe Stuttgart |Donnerstag, 23. Februar 2012
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Landwirtschaft in Stuttgart Flächenfraß bedroht Bauernhöfe

Wolfgang Schulz-Braunschmidt, vom 27.01.2012 21:13 Uhr
Landwirte sammeln in der Innenstadt Unterschriften gegen den Flächenfraß in der Region, von dem sie sich in ihrer Existenz gefährdet sehen. Foto: Steffen Honzera
Landwirte sammeln in der Innenstadt Unterschriften gegen den Flächenfraß in der Region, von dem sie sich in ihrer Existenz gefährdet sehen. Foto: Steffen Honzera

Stuttgart - Countdown im Saal der Weingärtnergenossenschaft Bad Cannstatt: Die unübersehbaren roten Ziffern auf der großen Leuchttafel rückten am Donnerstagnachmittag im Sekundentakt weiter: „Jede Sekunde wird in Baden-Württemberg ein Quadratmeter landwirtschaftliche Anbaufläche vernichtet“, sagte Klaus Brodbeck, der Kreisvorsitzende des Stuttgarter Bauernverbandes. Der Flächenfraß bedrohe die bäuerliche Existenzen nicht nur in Stuttgart. „Wir wollen ein Gesetz, das unsere Äcker schützt“, forderte Brodbeck.

Genau aus diesem Grund hat der Landesbauernverband am Donnerstag auf dem Schlossplatz Unterschriften für eine Petition an den Bundestag gesammelt. „Stoppt den Flächenfraß“ war auf den an Traktoren hängenden Plakaten zu lesen. Und die Passanten wurden darüber informiert, dass im Land täglich 66 000 Quadratmeter überbaut oder asphaltiert werden – das sind neun Fußballfelder.

In 20 Jahren 1400 Hektar Ackerfläche eingebüßt

Bis es einen gesetzlichen Schutz gebe, sei es noch ein langer Weg, betonte Brodbeck am Donnerstag auf der Mitgliederversammlung. Der überbordende Siedlungs- und Straßenbau bedrohe auch die Bauern in der Wirtschaftsregion Stuttgart. Von der knapp 21 000 Hektar großen Gemarkung der Landeshauptstadt sei inzwischen mehr als die Hälfte bebaut und versiegelt. „Von 1980 bis 2002 sind in Stuttgart 1400 Hektar Ackerböden verloren gegangen“, bilanzierte der Kreisvorsitzende. Dadurch sei rund 100 Bauernfamilien die Existenzgrundlage entzogen worden.

Durchgehalten haben bis heute in der Landeshauptstadt noch knapp 200 Landwirte. Jeder Hof sei im Schnitt lediglich knapp 13 Hektar groß. Deshalb bedrohe jeder weitere Quadratmeter, der verloren gehe, die Existenz der Bauern.

In den vergangenen Jahren habe sich der Trend immerhin abgeschwächt, sagte Brodbeck. Auch die Stadt bevorzuge die Innenentwicklung statt mehr Beton auf der grünen Wiese. „Aber der Hunger nach freien Flächen ist nach wie vor viel zu groß“, klagte der Kreisvorsitzende. Die Stuttgarter Bauern hätten bereits durch die neue Messe beim Flughafen viel Boden verloren; durch Stuttgart 21 drohten auf den Fildern weitere Einbußen.

Strenge Vorgaben aus Brüssel

Auch auf Brüssel sind viele Landwirte gar nicht gut zu sprechen, weil ihre Betriebe mehrere sogenannte „Greening“-Kriterien erfüllen müssen. Danach dürfen nicht mehr als fünf Prozent Grünland in Äcker verwandelt werden. Außerdem müssen sieben Prozent der Landwirtschaftsflächen brachliegen.

Einschnitte haben die Landwirte in der Landeshauptstadt bei der Ernte im vergangenen Jahr hinnehmen müssen. Vor allem beim Getreide und Raps habe es große Einbrüche gegeben. „Im Vergleich zu normalen Jahren war der Ertrag beim Getreide um 20 Prozent geringer“, sagt Brodbeck. Beim Raps hätten die Verluste sogar zwischen 20 und 30 Prozent gelegen. Glücklicherweise sei das Ergebnis bei den landwirtschaftlichen Produkten, die erst im Herbst geerntet würden, besser gewesen.

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Kommentare (4)
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JAN
29
11:12 Uhr, geschrieben von Sven Steinreich
Messe Stuttgart
Natürlich hat die Messe Ackerland verbraucht. Nur wer will hier bei uns wissentlich die Feldfrüchte essen, die zwischen Flughafen, B27 und A8 angebaut werden? Ich ganz sicher nicht. Der Platz fuer die neue Messe ist schon sehr gut gewaehlt so.
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JAN
29
06:24 Uhr, geschrieben von canis lupus
Greening
War ja klar das nun alle in das Horn des deutschen Bauernverbandes blasen, der da behauptet, jeder Quadratmeter Boden in Deutschland müsse intensiv genützt werden. Das Greening dient der Artenvielfalt und somit letztlich unseren Kindern, damit die vielleicht in 30 Jahren noch wissen, was ein Schmetterling ist. Wem die knapp 50 prozent Lebensmittel dienen, die von der Erzeugung bis zum Endverbraucher auf der Müllkippe landen, würde ich den Bauernverband schon gerne mal fragen. Wenn die Lebensmittel wenigstens dort ankommen würden, wo sie benötigt werden, könnte man die Rufe nach jedem Quadratmeter Nutzung wenigstens noch verstehen, so eher nicht. Warum werden die Schlepper eigentlich fast jährlich dicker und noch grösser? Von wegen "Arme Bauern"..wer einen kennt, werfe den ersten Stein.
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JAN
28
13:03 Uhr, geschrieben von Bauerfeind
Krokodilstränen
Und die armen, armen Bauern verdienen nichts, wenn Acker- zu Bauland wird?
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