Late-Night-Talkerin Samantha Bee Erfolg mit weiblichem Witz

Von Sebastian Moll 

Unverfroren, frech, anspielungsreich: Bei der Premiere ihrer „Samantha Bee Show“macht sich die erste Late-Night-Talkerin der USA über die Präsidentschaftskandidaten lustig. Sie hat Talent – aber spät abends auch viel männliche Konkurrenz.

Samantha Bees Comedy kommt erfrischend rüber. Foto:  
Samantha Bees Comedy kommt erfrischend rüber.Foto:  

New York - Im Werbeclip zu ihrer Late-Night-Show, die an diesem Montag im US Fernsehen Premiere gefeiert hat, steht Samantha Bee vor einer Galerie mit den Konterfeis der derzeitigen Late-Talker des US-Fernsehens, von John Oliver über Jimmy Fallon bis hin zum kürzlich in den Ruhestand getretenen David Letterman. „Ich mag ja jedes einzelne Werk hier“, sagt sie im Ton einer Vernissage-Besucherin. „Aber irgendwie fehlt etwas im Gesamtbild.“

Was im Gesamtbild fehlt ist klar – eine Frau nämlich – und angesichts der heftigen Diskussionen um Vielfalt in Hollywood und anderswo im Entertainment-Geschäft ist es eigentlich ein Wunder, dass dieses Fehlen bislang noch nicht weiter aufgefallen ist. Doch Samantha Bee stellt nun sicher, dass nicht nur endlich über den Old-Boys-Club des Late-Night-Talks gesprochen wird, sondern dass ein kleiner Schritt in Richtung Parität gegangen wird.

„I am female as fuck“ endet sie den Clip und verspricht damit, dass ihr Programm nicht bloß eine weibliche Moderatorin hat, sondern auch im Ton von den klassischen männlichen Late-Night-Sendungen abhebt. Die „Samantha Bee Show“ soll nicht nur eine Show von einer Frau sein, sondern eine mit einem spezifisch weiblichen Timbre.

Ist dieser Humor weiblich?

Darüber wie „weiblich“ die Show war und was das eigentlich bedeutet, lässt sich freilich trefflich streiten. Bee besitzt eine Unverfrorenheit und Frechheit, die ihre gesamte Generation von Comediennes von Tina Fey über Sarah Silvermann und Amy Schumer bis hin zu Amy Poehler auszeichnet. Das ist erfrischend und scheint sagen zu wollen, dass diese Frauen sich nicht dafür entschuldigen, ihren Platz am Tisch zu beanspruchen. Ob der Humor speziell weiblich ist, ist indes eine andere Frage.

Witze und Anspielungen, die möglicherweise in einer männlichen Late-Night-Comedy Show nicht stattgefunden hatte, gab es immerhin. So mockierte sich Bee über eine absurde Bemerkung des konservativen Präsidentschaftskandidaten Ted Cruz zur Abtreibung und gratulierte ihm dazu, dass er gerade die gesamte weibliche Wählerschaft, sowie das Rennen um die Präsidentschaft verloren habe. Kurz danach zeichnete sie einen Senator aus Kansas mit dem „Papiergewicht des Monats“ aus, weil er den Frauen in seinem Stab einen speziellen Dresscode vorgab.

Ansonsten hatten die leider nur dreißig Minuten von Bees rasanter Show jedoch mehr ihrer vormaligen Arbeitsstätte zu verdanken als der Schwesterschaft der neuen Komödiantinnen. Bee hatte sich als langjährige „Korrespondentin“ von Jon Stewart einen Namen gemacht, ähnlich ihren jetzigen Kollegen Stephen Colbert und John Oliver und die Handschrift ist deutlich erkennbar.

In dreißig Minuten ist alles vorbei

Bee nahm in den dreißig Minuten ihrer Show die Zuschauer mit auf eine Blitzreise durch Clips der Präsidentschaftskandidaten, die sich in unterschiedlichen Graden beim Buhlen um Wählerschaft lächerlich machten. Mit derselben scharfen Ironie wie ihr einstiger Boss mockierte sie sich über die pseudo-volksnahe Bescheidenheit von Hillary Clinton, nannte Donald Trump „eine Ansammlung psychotischer Diagnosen mit einer eigenartigen Oberflächenfarbe“ und deutete an, dass schon die Stimme von Marco Rubio sie dazu bringe, aus dem Fenster springen zu wollen. Schließlich spielte sie einen düsteren, melancholischen Kurzfilm über das traurige Ende von Jeb Bush ein.

Das wirkte alles sehr frisch und kurzweilig und Samantha Bees Schnodderigkeit verschaffte der Show einen Ton, der sich deutlich von dem ihrer Kollegen abhebt. So war auch die Kritik angetan, die „LA Times“ etwa bedauerte, dass die Show auf eine halbe Stunde begrenzt sei. Frau oder nicht, Bee hat zweifellos das Talent und das Potenzial sich im Reigen der Late Shows fest zu setzen. Problematisch könnte dabei jedoch eher noch als ihr Geschlecht sein, dass es dort schon ziemlich voll ist. Rund zwanzig Talker streiten derzeit in den USA zwischen 23 und 1 Uhr um die Zuschauergunst. Sich in diesem Markt einen festen Platz zu erobern wird auch für eine Frau mit der Frechheit und der Energie von Samantha Bee ein hartes Stück Arbeit.

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