Lauffen Der Meteorit von Lauffen bleibt verschollen

Brigitte Fritz-Kador, 20.02.2013 10:29 Uhr

Lauffen - Als vor Kurzem über Sibirien ein Meteorit niederging, mögen sich manche Lauffener wieder an „ihren“ Meteoriten erinnert haben, den verschwundenen Stein, der noch bis Ende der 50er Jahren gut sichtbar im Innenhof der Pfalzgrafenburg, also des Rathauses, lag. Der Ausstellungsort war ein alter Steintisch, flankiert von vier Kalksteinkugeln und einer Steintafel, deren verwitterte Inschrift nicht mehr lesbar ist. Seit 1959 gab es Bauarbeiten, um die alte Burg in ein funktionierendes Rathaus umzubauen.

„Danach war der Meteorit weg“, sagt der Bürgermeister Klauspeter Waldenberger. Das sei leider ziemlich spät festgestellt worden. Nachforschungen des Rathauses, zuletzt 2008 im Amtsblatt, blieben ohne Erfolg. Dort wurde der Brocken beschrieben als „Stück mit der Form eines großen Besenbrotes, wohl über 100 Kilo schwer. Braunschwarz, pockennarbig: Ein Eisenmeteorit.“ Ein Förster soll ihn im 17. Jahrhundert in Etzlenswenden gefunden haben, heute ein Stadtteil von Beilstein.

Die Einschlagstelle ist noch nicht gefunden worden

Ein „historischer Arbeitskreis“ aus Lauffener Bürgern um den Geologen Wolfgang Happel ist immer wieder auf der Suche nach dem Meteoriten und seiner Einschlagstelle, bisher ohne Erfolg. Der Meteoritenforscher Martin Schmieder von der Uni Stuttgart sagt dazu: „Ich würde, je nach Meteoriten- und Bodenbeschaffenheit, eine maximal ein Meter tiefe, möglicherweise leicht tunnelartige Einschlagsgrube erwarten.“ Ein Einschlag dieser Art sei allerdings selten ein „echter Einzelfall“.

Hat man in Lauffen den wissenschaft­lichen Wert des Meteoriten früher richtig eingeschätzt? Denn er wäre eigentlich eine   „Weltsensation“. Das sagt Wolfgang Hansch, der Experimenta-Geschäftsführer, früher Leiter des Naturhistorischen Museums in Heilbronn.

Der Abstransport müsste eigentlich aufgefallen sein

Die Meteoritensucher fahnden noch immer nach Zeugen oder Hinweisen. „Leicht war der Abtransport nicht: Der oder die Diebe müssen Hilfsmittel gehabt haben“, sagt Happel. Einen solchen Brocken – er vermutet ein Gewicht zwischen 20 und 80 Kilo – „fährt man nicht in einem Schubkarren weg“, sagt Happel. Neben dem wissenschaftlichen Wert hat so ein Meteorit auch einen materiellen, Experten beziffern ihn auf eine sechsstellige Größe. Alle betonen, dass sie keinerlei materielle Interessen haben, der Stein soll nur untersucht und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Und keiner, auch nicht der Bürgermeister, hat ein Interesse, den „Meteoritenklau“ strafrechtlich zu verfolgen.

Gerüchten zufolge soll es ein damals in Lauffen in herausgehobener Positionen tätiger Mann gewesen sein, die anderen wollen wissen, dass er im Wohnzimmer einer Lauffener Familie liegt. Ein Meteorit dieser Größe lässt sich auch nicht einfach zu Geld machen. Auch Waldenberger vermutet den Meteoriten immer noch in Lauffen. Er könne nur auf den guten Willen der jetzigen Inhaber oder deren Nachkommen hoffen.