Laura Dahlmeier, Claudia Pechstein und Co. Wie viel Geld wäre für den Anti-Doping-Kampf nötig?

Von Dirk Preiß, und Jochen Klingovsky 

Laura Dahlmeier: Allein die 30 Millionen Euro sind für mich eine unvorstellbar hohe Summe. Was wirklich notwendig wäre, kann ich überhaupt nicht einschätzen. Wichtig wäre es, dass die Gelder tatsächlich effektiv verwendet werden und nicht in bürokratischen Maßnahmen verpuffen.

Nadine Hildebrand: Das weiß ich nicht. Allerdings wäre es mehr als gerecht, wenn jeder Sponsor und jede Regierung, deren Sportler an Wettkämpfen teilnimmt, einen Prozentsatz der bereitgestellten Gelder für den Anti-Doping-Kampf zur Verfügung stellen müsste.

Claudia Pechstein: Beträge, die ausreichend sind, um die Top-Ten-Platzierten der jüngsten Continental-Meisterschaft eines jeden Verbandes mindestens dreimal im Monat einer unangemeldeten Trainingskontrolle zu unterziehen. Um dieses Kontrollsystem finanzieren zu können, muss jeder Verband 15 Prozent seiner Sponsoreneinnahmen an einen neu einzurichtenden Anti-Doping-Fonds der Wada abführen. Hinzu kommen 25 Prozent aller Gewinne, die bei internationalen Sportereignissen erzielt werden – auch bei einer WM und Olympischen Spielen.

Frank Stäbler: Das ist für mich schwer zu beurteilen. Ich kenne die Verteilung des Budgets nicht. Für eine weltweite Organisation klingt das natürlich sehr wenig. Die internationalen Fachverbände sollten anhand ihrer Größe einen Pauschalbetrag an die Wada bezahlen. Außerdem müssten für Dopingsünder auch Strafgelder auferlegt werden, die von nationalen Verbänden getragen werden ­müssen.

Silke Kassner: Das Budget ergibt sich durch die Aufgaben, welche die Wada, die nationalen Anti-Doping-Agenturen, die Forschung und die Kontrolllabore zu erfüllen haben. Eine fixe Zahl zu nennen, ist nicht möglich, da diese Gesamtinvestition bisher nicht erhoben wurde. Als Athleten sind wir nach wie vor der Meinung, dass sich alle Anspruchsgruppen im Sport am Anti-Doping-Kampf beteiligen müssen. Dazu zählen neben den Sportverbänden, den Regierungen, den nationalen Anti-Doping-Agenturen auch die Unternehmen, die als Partner und Sponsoren des Sports enorme Vermarktungsmehrwerte generieren. Bisher werden in Lizenz- und Vermarktungsverträgen keine Anteile an das Anti-Doping-Management geleistet. Als Wirtschaftspartner im Sport muss man sich für den sauberen Sport entscheiden. Wenn nicht jetzt, wann dann?