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Lebensgefährtin gegen Familie Streit um Stieg Larssons Vermächtnis

Hannes Gamillscheg, vom 22.01.2010 13:22 Uhr
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Der Bestseller-Autor Stieg Larsson starb 2004 an einem Herzinfarkt. Foto: dpa
Der Bestseller-Autor Stieg Larsson starb 2004 an einem Herzinfarkt. Foto: dpa
Stuttgart - Wäre sie Lisbeth Salander, die Heldin aus Stieg Larssons Krimitrilogie, hätte sie längst die Konten von dessen Vater und Bruder gehackt und sich die Millionen geholt, die ihr zustehen. Den angeblichen Freunden ihres verstorbenen Liebsten, die jetzt seinen Nachruf bekleckern, hätte sie ihre Verachtung auf die Brust tätowiert. Aber Eva Gabrielsson ist nicht Larssons Fantasieprodukt, sondern die Frau, die mehr als 30 Jahre lang an seiner Seite lebte, und daher muss die 56-jährige Architektin zivilere Ausdrucksformen für ihren Zorn finden: Klagen, Anwälte, eine im Entstehen begriffene Selbstbiografie über "die Jahre nach Stieg". Und ein Theaterprojekt, in dem erstmals sie Einfluss bekommt auf das Werk ihres Mannes.

Ende dieses Jahres soll im Kopenhagener Nørrebro-Theater die Premiere von "Männer, die Frauen hassen" stattfinden. Das ist der Originaltitel des ersten Bandes der Millennium-Trilogie, der in der deutschen Fassung zu "Verblendung" wurde. Und während sie bei der Verfilmung des Bestsellers ausgeklammert blieb, haben die Dänen sie für die Theaterfassung als Beraterin angeworben. "In einen Film kann man viel hineinpacken, im Theater muss man sich auf das Wesentliche konzentrieren", sagt sie und will dafür sorgen, dass der Frauenaspekt nicht von Thrillereffekten überlagert wird.

Denn Stieg Larsson bekannte sich als Feminist, schon als sich die beiden bei einem Treffen der Vietnambewegung trafen. Da waren sie 18. Seither waren sie zusammen, von kurzen Unterbrechungen abgesehen, wenn Eva auszog, weil Stieg zu viel arbeitete. "Aber nach ein paar Wochen bin ich stets zurückgekehrt", sagt sie. Bis der Arbeitsjunkie und Kettenraucher 2004 einen Herzinfarkt erlitt und starb, noch bevor Eva ins Krankenhaus kam.

Trilogie war noch nicht erschienen


Das raubte ihr nicht nur den Mann ihres Lebens, sondern auch alles, wovon sie gemeinsam geträumt hatten. Die Trilogie war noch nicht erschienen, aber vom Verlag angenommen, und auf der Frankfurter Buchmesse hatte auch das Ausland großes Interesse für die Krimis bekundet. "Wir wussten, dass sie um nichts schlechter waren als die Bestseller", sagt Gabrielsson. Dank dem Geld dafür wollten sie es ruhiger angehen lassen: halbtags arbeiten, eine "Schreiberhütte" in den Schären bauen. Die Skizzen hatte Eva fertig, mit der Baufirma schon verhandelt. Wenn etwas übrig blieb, wollten sie Projekte finanzieren, die ihnen wichtig waren.

Doch dann war alles vorbei, und auf Gabrielsson wartete ein Kampf, "von dem ich nicht glaubte, dass er möglich war", wie sie in einem Interview sagte. Nichts bekam sie von den mehr als zehn Millionen Euro, die Larssons Bücher und deren Verfilmung bisher eingebracht haben. Selbst um die gemeinsame 53-qm-Wohnung musste sie kämpfen. Offiziell gehörte sie ihm. Offiziell waren beide kein Paar. Er wollte sie schützen, weil er durch seine Arbeit für das von ihm gegründete antirassistische Magazin "Expo" auf der Todesliste von Rechtsextremisten stand. Ehe Neonazis 1999 den Gewerkschafter Björn Söderberg erschossen, hatten sie sich dessen Passfoto und Adresse bei der Polizei beschafft; auch Stieg Larssons Daten hatten sie erfragt.

So hatten Stieg und seine Partnerin nie geheiratet, und als er starb, ohne ein Testament zu hinterlassen, ging das Erbe an Vater und Bruder, mit denen er kaum noch Kontakt hatte: die Tantiemen, das Urheberrecht, die Wohnung, die ihr die Larssons dann gnädig überließen. Nach fünfjährigem Erbstreit boten sie Gabrielsson eine einmalige Abfindung über zwei Millionen Euro an. Sie lehnte ab. Sie will ihren "gerechten Anteil" an einem ständig wachsenden Vermögen. Rein rechtlich hat sie nichts zu holen.

Dabei geht es ihr nicht nur um Geld, sondern auch darum, was andere aus dem Nachlass machen. "Stiegs und mein Leben ist großes Business geworden", sagt sie, doch sie selbst steht außen vor. "Ich will nicht mit Leuten zusammenarbeiten, die mit seinem Namen Geld verdienen möchten." Nicht bitter sei sie, sagt sie, "aber zornig", und das hat zuletzt der Autor Kurdo Baksi zu spüren bekommen, dessen Buch "Mein Freund Stieg Larsson" sie "Verleumdung" nennt, weil es ihn als mittelmäßigen Journalisten und überempfindlichen Gernegroß darstellt, der parteiisch schrieb. Eva Gabrielsson sieht sich als Hüterin des Rufs ihres Geliebten und will nicht zulassen, dass er ausgebeutet wird. Darum will sie auch vermeiden, dass ein anderer den vierten Band der Krimiserie fertig schreibt, der weitere Millionen einbringen würde. 200 Seiten liegen in einem Computer, von dem nur sie weiß, wo er ist.
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