Lebensmittelskandal Wie kommt Pferdefleisch in die Lasagne?

Axel Veiel, 12.02.2013 10:44 Uhr

Paris - Die britische Lebensmittelaufsicht zeigt mit dem Finger auf Frankreich. Wenn europäische Konsumenten zu Tausenden Lasagne mit Pferdefleisch verzehrt hätten, das als „pur boeuf“ deklariert war, als reines Rind, seien dort die Schuldigen zu suchen, versichern die Kontrolleure. Und so verworren die Wege auch waren, auf denen Pferdefleisch aus rumänischen Schlachthöfen als „reines Rind“ in tiefgekühlte Fertiggerichte gelangt ist: Die entscheidenden Weichen wurden in der Tat in Frankreich gestellt.

Als Importeur wie Hersteller der von Findus auf den Markt gebrachten pferdefleischhaltigen Tiefkühlgerichte zeichnen französische Firmen verantwortlich. Da ist zunächst der Importeur Spanghero. Das Unternehmen aus dem südfranzösischen Castelnaudary hatte das am vergangenen Donnerstag von britischen Kontrolleuren zwischen Lasagneteigplatten entdeckte Pferdefleisch von einem zypriotischen Zwischenhändler erworben, eingeführt und weiterverkauft. Abnehmer war der in Metz ansässige Tiefkühlkosthersteller Comigel, der wiederum seine Luxemburger Filiale beauftragte, das Fleisch zur Herstellung von Lasagne und anderen Fertiggerichten zu verwenden, die Comigel anschließend an Findus veräußerte.

Konsistenz und Farbe unterscheiden sich

Während weitgehend geklärt ist, wie das Pferdefleisch zum ahnungslosen Verbraucher gelangen konnte, ist die Schuldfrage noch offen. Sowohl Spanghero als auch Comigel versichern, das Pferdefleisch in aller Arglosigkeit für Rindfleisch gehalten und als solches weitergereicht zu haben. „Wir sind die Opfer gewesen, das Problem liegt weder bei Comigel noch bei Findus“, sagt der Comigel-Chef Erick Lehagre.

Experten halten dies indes für wenig wahrscheinlich. Sowohl die faserige, sehnige Konsistenz als auch die Farbe unterschieden Pferde- von Rindfleisch, versichern Fachleute. Gleichwohl haben beide Unternehmen gestern Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. Frankreichs für den Verbraucherschutz zuständiger Minister Benoît Hamon hat einen Krisenstab einberufen, der Licht ins Dunkel bringen soll.

Die Lebensmittelüberwachung ist lückenhaft

Währenddessen haben die großen Supermarktketten des Landes ihre Tiefkühlfächer gründlich geleert. Ob Lasagne, Cannelloni, Spaghetti Bolognese, Moussaka, Hackfleisch – was aus dem Hause Findus/Comigel stammt, wurde diskret entfernt. Für die französische Regierung geht es nicht zuletzt darum zu verhindern, dass sich wiederholt, was die schwedische Lebensmittelaufsicht „ein Verbrechen“ genannt hat. „Die französische Lebensmittelkontrolle hat nicht funktioniert. Es sind schließlich die Briten gewesen, die Alarm geschlagen haben“, das hatte Olivier Andrault vom Verbraucherverband UFC – Que choisir bereits am Wochenende ernüchtert festgestellt.

Die Überwachung ist in der Tat lückenhaft. Während Tierärzte alles inspizieren, was Frankreichs Schlachthöfe verlässt, und Importware am Bestimmungsort untersuchen, wird verarbeitetes Fleisch allenfalls stichprobenartig kontrolliert. „Der Staat kann nicht hinter jedes Hacksteak einen Aufpasser stellen“, sagt Déborah Infante vom Verband der tierärztlichen Lebensmittelkontrolleure. Dass verarbeitete Ware anders als Frischfleisch keinen Hinweis auf das Herkunftsland auszuweisen habe, mache die Aufsicht nicht einfacher. Fest steht, dass Lebensmittelhersteller relativ viel Freiraum genießen. Wer etwa „Entenleberpastete aus dem Périgord“ verzehrt, mag sich unwissentlich die im Périgord verarbeitete Leber einer rumänischen Ente einverleiben, ohne dass er hierfür irgendjemanden zur Rechenschaft ziehen könnte. Wer freilich wissentlich Pferde- als Rindfleisch deklariert, muss mit Sanktionen rechnen. Das hat der Verbraucherminister Hamon am Montag klar gesagt.