Électricité de France EnBW-Ausstieg sorgt für Wirbel

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Auch der Energieversorger EdF hatte keine Beraterbank. Der Bruder von EdF-Chef Proglio steht in Frankreich Morgan Stanley vor.

Henri Proglio, der Mann an der Spitze der EdF, gibt Rätsel auf. Foto: dpa
Henri Proglio, der Mann an der Spitze der EdF, gibt Rätsel auf.Foto: dpa
Paris - Landtagsabgeordnete in Stuttgart hatten schon vergangene Woche gefragt, warum die Investmentbank Morgan Stanley – und nicht zum Beispiel regionale Banken – beim Kauf der EnBW-Anteile durch das Bundesland beratend beteiligt gewesen sei. Am Wochenende sind nun erstmals auch in Paris kritische Fragen zu dem 4,7 Milliarden Euro schweren Geschäft aufgetaucht. Wie die Zeitung "Libération" schreibt, "staunen einige Franzosen", dass die Électricité de France (EdF) beim Verkauf ihres 45-prozentigen Anteils keine offizielle Beraterbank einsetzte.Immerhin ging es für den größten Stromkonzern Europas um eine wegweisende strategische Entscheidung.

Eine anonym bleiben wollende Stelle innerhalb der EdF erwiderte auf Anfrage von "Libération", sie habe keine institutionelle Vermittlung in Anspruch genommen, da die Dinge "zu schnell" vonstattengegangen seien; der Rückkauf der Anteile sei in "weniger als zehn Tagen" vonstattengegangen. "Sie (die Stuttgarter Landesregierung, Anm. der Red.) habe mit ihrem Vorschlag an unsere Tür geklopft, und es gab gar keine Notwendigkeit für eine Bankberatung", gibt die anonyme EdF-Stelle zur Auskunft. "Wir verfügten über alle Entscheidungsgrundlagen."

Die EdF hatte schon früher bestätigt, dass der Impuls für den Verkauf aus Stuttgart gekommen sei. Gegenüber "Libération"kommt aus dem französischen Stromkonzern der Hinweis, er habe gegenüber der Landesregierung in Stuttgart darauf gedrungen, dass der Verkauf keinem Parlamentsvorbehalt unterliegt. Aus diesen Angaben geht hervor, dass auch die EdF offenbar eine öffentliche Debatte vermeiden wollte.

Nach wie vor fragt man sich in Paris, warum sich EdF-Chef Henri Proglio überhaupt aus dem deutschen Energiemarkt zurückzieht. Schließlich betont Europas größter Stromkonzern regelmäßig – zuletzt sogar noch beim Verkauf der EnBW-Anteile – , er wolle seine internationale und europäische Präsenz verstärken.

Grüne lehnen Wiedereinstieg bei EnBW ab


Die "Libération" erwähnt einen weiteren Punkt, der in Paris zwar kein Geheimnis ist, beim EnBW-Verkauf aber auch nicht an die große Glocke gehängt wurde: Proglios Zwillingsbruder René ist seit 2009 Chef von Morgan Stanley Frankreich. Zufall oder nicht – der Chef von Morgan Stanley Deutschland, Dirk Notheis, pflegt seinerseits geschäftliche – und als Taufpate auch private – Beziehungen zum deutschen Protagonisten der Milliardentransaktion, Ministerpräsident Stefan Mappus. Dies erklärt möglicherweise zusätzlich die Frage der Zeitung "Libération", warum Proglio keine Vermittlerbank eingesetzt habe. Aber vielleicht wollte der EdF-Chef seinem Unternehmen auch ganz einfach die Beraterhonorare ersparen.

Wie die Nachrichtenagentur dapd berichtet, haben die Grünen in Baden-Württemberg eine Protestmailaktion gegen den Wiedereinstieg des Landes bei der EnBW gestartet. Über die Online-Aktionsplattform "Meine Kampagne" könnten Internetnutzer in einer Protestmail an Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) erklären, dass sie den Wiedereinstieg ablehnen, teilten die Grünen mit.

"Das Geschäft, für das das Land eine Bürgschaft von 5,9 Milliarden Euro aufnehmen musste, missachtet die Rechte des Parlaments, ist wirtschaftlich zweifelhaft und riecht nach Vetterleswirtschaft", heißt es in der E-Mail. Der baden-württembergische Landtag hatte am Mittwoch gegen die Stimmen der Opposition dem Aktienkauf zugestimmt.
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11 KommentareKommentar schreiben

ENBW Kauf: ...es war einmal ein Land in dem die Bauern zu Mistgabeln und Fackeln griffen und die Aristokratie hinwegfegten! Dabei fielen dann Begriffe wie: Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit! Wo sind die geblieben? Einige wie das Bürschchen aus Pforzheim sind gleicher als das ihn wählende Volk, Freiheit gibts eigentlich nur wenn man ruhig alles hinnimmt als Beamter oder Arbeiter im Job genauso wie als Demonstrant gegen oder für S21! Brüderlichkeit gibts schon lange nicht mehr ausser bei Personen die anderen das Fell über die Ohren ziehen wollen! Deshalb - weils keine Bauern mehr gibt - Volk besorg die Mistgabeln und Fackeln und vertreibt die Aristokratie aus ihren Ämtern am besten geeignet dafür ist der Stimmzettel bei Wahlen CDU unter 5% das wäre es doch auch für mich als ehemaligem CDU Stammwähler. Diesmal wähle ich Links soweit links wies geht!

Zwillingsdeal: Seit Ihrem versteckten Artikel im Wirtschaftsteil habe ich zu dieser skandalösen Sachlage nichts mehr von Ihnen gelesen. Ich denke, Sie warten, ob sich in Frankreich noch jemand darüber aufregt. Wenn nicht (was ziemlich wahrscheinlich ist), können Sie ja beruhigt die Sache wieder in der Schublade verschwinden lassen. Mappus wird es erfreuen.

EnBW-Deal: liebe stuttgarter zeitungs journalisten, schon mal geschaut wie die finanzierung aussah...? wer welche papiere zu absicherung des geschäfts wo über nimmt? an welche investoren weitergibt? schon mal geschaut wie positionen von derivaten zu enbw/edf gestanden haben? nicht nur die an den börsenplätzen sondern auch otc? is doch was für gewiefte wirtschaftsjournalisten... oder? ein bischen arbeit... aber vielleicht doch.. ähnliche konstruktion wie bei wiedeking/härter vw??? wer partizipiert und geht das vielleicht auch schief? fragen über fragen... gibt es eine antwort? bleibt fast zu wünschen das die leute von wikileaks sich die richtige europäische großbank vornehmen... freu mich schon jetzt...

Eure Hoheit Mappus (....und nicht mal gewählt): Bei jedem Manager aus der Wirtschaft würde der Staatsanwalt vorstellig werden. Von der InnenRevision und ComplianceAbteilung ganz zu schweigen. Arme BWer, was seid Ihr nur für Schafe?

EdF - EnBW - Zwillingsdoppel und mehr: Erfreulich, dass die StZ jetzt auch über das Match des Zwillingsdopppels Proglio/Proglio vs. Mappus/Notheis berichtet, wenn auch erst über den Umweg 'La Libération'. Diese Information war schon am 15. 12. in den Leserbriefen an die StZ zu finden (oder hätte einfach mittels 'Proglio EnBw' über Google oder Wikipédia France erhalten werden können): http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/2746623/sz_article_kommentare?nocache=&order=desc&skip=20 In den französischen Finanzblättern ist dieser Deal übrigens mit 'juteuse' beschrieben ( = sehr einträglich, saftig) beschrieben - für die EdF!!! s. z. B.: http://www.lexpansion.com/entreprise/pourquoi-edf-peut-se-consoler-de-quitter-l-allemagne_244579.html Dabei rechnet man für die EDF 500 Mill. Euro als Gewinn beim Aktienverkauf und 924 Mill. Gewinn durch Dividenden seit 2001. Von französischer Seite wird Weiteres angeführt. H. Proglio: ' 'Die Perspektiven für die Entwicklung von EDF in Deutschland durch diese Beteiligung haben sich als ziemlich wenig ertragreich abgezeichnet', sagte er während einer Telefonkonferenz.' Und weiter: ' 'Bezüglich des negativen Kontexts von Regulierung und Gesetzgebung werden zusätzliche Belastungen für die EnBW von rund 500.000.000 € (pro Jahr) für den Zeitraum 2011-2016 bestehen', erklärte er ... Der CEO von EDF sagte auch, dass der deutsche Markt in einer Situation von Überkapazitäten sei, was mittelfristig einen negativen Druck auf die Strompreise ausüben würde.' (Übersetzt nach Google) http://www.challenges.fr/depeches/entreprises/20101206.REU0859/edf_sort_dallemagne_en_vendant_ses_45_dans_enbw.html Die von MP Mappus genannten Zahlen - zur Dividende ('rund 3,5 %' in den letzten 5 Jahren, tatsächlich 3,2 %, aber seit 2000 im Mittel 2,3 %, siehe http://tool.boerse.de/dividenden.php?WKN=522000&zeitraum=12&typ=1), - zum 'günstigen' Aktienkurs bei Einberechnung der Inflation seit 2000 (Die Inflation 2000-2010 betrug 17.6 %, siehe • Inflationsrate Deutschland | Zeitreihe bei: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/1046/umfrage/inflationsrate-%28veraenderung-des-verbraucherpreisindexes-zum-vorjahr%29/ ) - sowie zu der 'üblichen' Marge des Aufschlags von 18,6 % auf den Aktienpreis sollten ebenfalls überprüft werden - die investigativen Redakteure der StZ oder Leser seien hiermit dazu aufgerufen. Rätselhaft ist in diesem Zusammenhang ein Artkel in 'Le Blog Bourse'; darin heißt es (wieder mit Hilfe von Google-Übersetz.): 'Es wird auch zu einer deutlichen Verringerung der Finanzverbindlichkeiten des Konzerns führen, was vom Markt besonders genau beobachtet wird. Schließlich sind recht gute Bedingungen für die französische Seite realisiert worden, da nach dem Vertrag der Aktionäre im Jahr 2000 mit der EnBW und EOW ( = OEW) festgelegt ist, dass die EnBW-Aktien zu einem Einheitspreis von 37,14 € zurückgekauft werden sollten, während sie letztlich zu 41,5 Euro zurückgekauft wurden.' http://blog.bforbank.com/bourse/tag/enbw/ Auch hier ist baldige Aufklärung dringend erforderlich! NB: Bezüglich Transparenz wäre es sicher auch von Interesse, zu erfahren, dass von Seite der Morgan Stanley nie Parteispenden erfolgt oder beabsichtigt sind. Siehe auch neueste Leserzuschriften Grauer Alter Mann http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/2751838/sz_article_kommentare?nocache=&order=desc

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