Lehrerbildung in Baden-Württemberg Experten empfehlen Gemeinschaftslehrer

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Die von der baden-württembergischen Landesregierung beauftragte Kommission rät, die Spezialbildung für das Gymnasium abzuschaffen.

Experten sprechen sich Foto: dpa
Experten sprechen sich Foto: dpa

Stuttgart - Der Gymnasiallehrer klassischer Provenienz ist ein Auslaufmodell, wenn es nach den Experten geht, die im Auftrag der Landesregierung Konzepte für die Lehrerbildung der Zukunft erarbeitet haben. Die Fachleute werden heute im Beisein von Kultusminister Andreas Stoch (SPD) und Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) vorschlagen, für die allgemeinbildenden Schulen nur noch zwei Lehrämter anzubieten: eines für die Grundschule und eines für die weiterführenden Schulen. Das erfuhr die Stuttgarter Zeitung aus dem Umfeld der Kommission.

In dem zweiten Lehramt würden die bisherigen Lehrämter für die Haupt- und die Realschule sowie für die Gymnasien aufgehen. Mit dieser Empfehlung folgen die Experten dem Beispiel einer Kommission, die im vergangenen Jahr Ratschläge für die Reform der Lehrerbildung in Berlin gegeben hat. Das Lehramt soll die Befähigung für den Unterricht in der Mittel- und in der Oberstufe einschließen. In Berlin wie in Baden-Württemberg strebt die Landesregierung ein Zweisäulen-Modell im Schulsystem an. In Baden-Württemberg sprechen Grüne und SPD vom Gymnasium als einer Säule, in der anderen sollen Haupt-, Werkreal- und Realschulen und die Gemeinschaftsschule zusammengefasst sein.

Lehrer müssten mit Heterogenität der Schüler umgehen können

„Mit der Einführung des Zweisäulen-Modells gibt es keine guten Gründe, die eine Niveauabstufung unterschiedlicher Lehrämter rechtfertigen“, begründeten die Experten ihren Rat für Berlin, der auf Baden-Württemberg übertragbar ist. Für die zwei gleichberechtigten Säulen würden Lehrkräfte benötigt, die die Schüler in beiden Säulen gleich gut auf das Abitur vorbereiten und die mit der Heterogenität der Schüler kompetent umgehen können. Das Profil passt exakt auf die neue Gemeinschaftsschule im Südwesten, in der Schüler aller Leistungsniveaus unterrichtet werden sollen. Es ist vorgesehen, von Anfang an auch gymnasiale Standards anzubieten.

Bisher werden die Lehrer für Grund-, Haupt- und Realschulen an den sechs Pädagogischen Hochschulen des Landes ausgebildet; Gymnasiallehrer studieren an den Universitäten. Von der Kommission werden auch Ideen erwartet, wie Pädagogische Hochschulen und Unis in Zukunft zusammen arbeiten sollen und wie sich die Inklusion von behinderten Schülern auf die Lehrausbildung auswirkt. Welcher der Vorschläge tatsächlich und in welcher Form umgesetzt werden, entscheidet die Politik.

Opposition befürchtet „Einheitslehrer“

Die Opposition befürchtet schon seit längerem, die grün-rote Landesregierung wolle einen „Einheitslehrer“ schaffen und den Gymnasien und den Realschulen das Wasser abgraben, um die Gemeinschaftsschule voranzubringen. Zu den zehn Experten, die im Auftrag der Landesregierung vor einem Jahr zusammentraten, gehören die Bildungsforscher Jürgen Baumert und Wilfried Bos, der Reformpädagoge Peter Fratton und die Vorsitzende Sybille Volkholz, die für die Grünen die Bildungskommission der Böll-Stiftung koordinierte.