Stuttgart - Am Wochenende fliegt OB Wolfgang Schuster mit einer Delegation nach Cannes, um auf Europas bedeutenster Immobilienmesse Mipim für die Standortqualitäten der Landeshauptstadt zu werben. Im Reisegepäck fehlen werden dann wohl die Unterlagen über das gemeinsam mit der Nachbarkommune Leinfelden-Echterdingen geplante interkommunale Gewerbegebiet am Flughafen. Die Messestadt hat Schuster am Freitag aus Verärgerung über das Stuttgarter Vorgehen in Sachen Fernomnibusbahnhof (FOB) am Flughafen die Partnerschaft aufgekündigt.
Fehlende Vertrauensgrundlage
Im Schulterschluss mit den fünf Fraktionschefs seines Gemeinderats hat Leinfelden-Echterdingens OB Roland Klenk den Stuttgartern vor der Presse die Leviten gelesen. Nachdem man aus der Zeitung erfahren habe, dass Stuttgart auf Initiative von Verwaltungsbürgermeister Klaus-Peter Murawski (Grüne) und mit Rückendeckung von OB Schuster prüfen lasse, ob der Omnibusterminal am Flughafen und damit auf Echterdinger Markung untergebracht werden könne, gebe es aus seiner Sicht "keine Vertrauensgrundlage mehr für eine faire Partnerschaft auf Augenhöhe".
Bis zum heutigen Tag habe niemand aus der Stuttgarter Verwaltungsspitze es für nötig erachtet , die Standortgemeinde über die FOB-Pläne in Kenntnis zu setzen. Offenbar sei der Wille zur Kooperation in Stuttgart "nicht in der Tiefe ausgeprägt, um eine solch schwierige Aufgabe wie das interkommunale Gewerbegebiet in Angriff zu nehmen". Angesichtes der Vorgeschichte im Verhältnis der beiden Städte hätte er mehr erwartet.
Kein Gespräch von OB zu OB
In der Tat gab es in der Vergangenheit eine ganze Reihe von Konflikten zwischen den Nachbarn: Die Verlängerung der Flughafenstartbahn in den 1970er Jahren führte zu ersten Spannungen, der Bau der Landesmesse 2005 zu einer regelrechten Eskalation im nachbarschaftlichen Verhältnis. Beide Male fühlte sich Leinfelden-Echterdingen von Stuttgart durch die Planungen auf seiner Markung bevormundet.