Lenningen Der Kletterfelsen hat den Halt verloren

Von  

Rund ein Drittel des Wielandsteins, eines beliebten Ausflugsziels auf der Schwäbischen Alb, ist in der Nacht zum Mittwoch abgebrochen und ins Tal gerutscht. Bei dem spektakulären Felssturz ist niemand zu Schaden gekommen.

Der Wielandstein vor und nach dem Absturz Foto: Gisela Veigel, Landratsamt Esslingen
Der Wielandstein vor und nach dem AbsturzFoto: Gisela Veigel, Landratsamt Esslingen

An der Flanke des Wielandsteins klafft eine offene Wunde. Tonnen von Gestein haben sich von dem markant über Lenningen thronenden Aussichtsfelsen gelöst und sind ins Tal hinunter gerutscht. Menschen sind bei dem größten Felssturz der vergangenen Jahre in der Region nicht zu Schaden gekommen.

Es gibt keine Zeugen, aber es muss irgendwann in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch passiert sein: Der Wielandstein hat durch den gewaltigen Felssturz nicht nur sein Gipfelkreuz verloren, sondern auch seine komplette talseitige Flanke. Das durch Naturgewalt abgesprengte Gestein hat eine Schneise der Zerstörung in den darunter liegenden Buchenwald des Tobeltals gezogen. Die bis zu vier Meter langen und drei Meter mächtigen Felsstücke, die aus dem Kalkgestein der Schwäbischen Alb herausgebrochen sind, sind erst nach rund 200 Meter zum Liegen gekommen.

Obwohl die Wanderwege am Albtrauf nicht in Mitleidenschaft gezogen worden sind, hat die Gemeinde Lenningen den Zugang zu dem nicht nur bei Wochenendausflüglern, sondern auch bei Sportkletterern beliebten Felssporn hoch über der Lauter auf unbestimmte Zeit gesperrt.

Wanderwege gesperrt

„Rund ein Drittel des Felsen ist abgegangen“, sagt der Leiter des Lenninger Forstreviers, Alexander Klein, angesichts der klaffenden Wunde im Gestein. Die herabstürzenden Felsbrocken hätten einen halben Hektar des Hangwaldes regelrecht flachgelegt. „Die Steine sind da regelrecht heruntergehoppelt und haben im Abstand von drei Metern große Löcher in den Boden geschlagen“, sagt der sichtlich beeindruckte Revierleiter. Obwohl vor allem die talseitige Bergflanke abgegangen sei, habe der zuvor 671 Meter hohe Wielandstein wohl auch zwei Meter an Höhe eingebüßt. Immerhin, so Klein, habe er am Felsfuß das mit den Steinmassen in die Tiefe gestürzte Gipfelkreuz bergen können.

Keine Menschen zu Schaden gekommen

„Zum Glück sind keine Menschen zu Schaden gekommen“, sagt Klein unter Anspielung auf die Tatsache, dass sich der mächtige Felsstock vor allem in der Klettererszene hoher Beliebtheit erfreut. An den bis zum Schwierigkeitsgrad 8 reichenden Wielandsteintouren haben sowohl Anfänger, als auch Spitzenkletterer die sportliche Herausforderung gesucht.

Die im Windschatten des Massivs gelegenen Reste einer um das Jahr 1150 herum erbauten Höhenburg sind ein unter Ausflüglern beliebtes Wanderziel. „Die Burgruine selbst hat nichts abbekommen“, sagt Klein. Allerdings könne man nicht mit Bestimmtheit sagen, ob nicht auch die talabgewandte Seite absturzgefährdet sei. „Wir warten jetzt ein paar Tage ab, ob noch etwas runterkommt“, sagt auch der Lenninger Bürgermeister, Michael Schlecht. Dann würde in Abstimmung mit dem Esslinger Landratsamt die Frage, ob, wann und unter welchen Auflagen der Wielandstein wieder freigegeben werden könne, wohl von Fachleuten beantwortet werden müssen.

Der wirtschaftliche Schaden im ohnehin wegen des unwegsamen Geländes kaum genutzten Gemeindewald hält sich nach Einschätzung des Lenninger Schultes in Grenzen. Schwerer wiegt für ihn, dass Oberlenningen, einer von sieben Teilorten der 8000 Einwohner zählenden Gemeinde, einen wesentlichen Teil seines Wahrzeichens verloren hat.