Leonberg Der Artistenlohn sind leuchtende Kinderaugen

Von Arnold Einholz 

Die gemeinsame Zirkus-Gala für Flüchtlingskinder und Bürger aus Leonberg ist ein großer Erfolg. Rund 500 Menschen kommen ins Zelt und lachen gemeinsam – trotz aller Widrigkeiten.

Lachende Kinder, die mit großer Begeisterung mit den Artisten in der Manege mitfiebern – die Veranstalter der Zirkus-Gala haben ihr Ziel erreicht. Foto: factum/Weise
Lachende Kinder, die mit großer Begeisterung mit den Artisten in der Manege mitfiebern – die Veranstalter der Zirkus-Gala haben ihr Ziel erreicht.Foto: factum/Weise

Leonberg - Eynkiva bidhan metzackum“ oder „Sima xer amey“ – wer nicht weiß, was dies bedeutet, hat nicht am Sonntagnachmittag der Zirkus-Gala beim Leonberger Krankenhaus beigewohnt. Es bedeutet auf Eritreisch sowie auf Kurdisch „Herzlich willkommen“. In mehr als zehn Sprachen hat Marcus Witzke, der Vorsitzende der Leonberger Hoffnungsträger- Stiftung, die vielen Gäste begrüßt – fast 500 saßen eng gedrängt im Zirkuszelt. Die meisten davon Kinder, denn es war eine Vorstellung der besonderen Art, nicht nur weil sie kostenlos war.

Eingeladen waren nämlich die mehr als 70 Flüchtlingskinder aus den Unterkünften in der Rutesheimer Straße und der Sporthalle des Berufsschulzentrums. Und auch alle Leonberger Kinder, die gemeinsam mit ihnen einen Nachmittag bei einer kurzweiligen Zirkusvorstellung verbringen wollten.

Warum sie gekommen sind und einen 50-Euro-Schein in die Spendenbox vor dem Zirkuseingang gesteckt haben, erklärte eine Leonbergerin mit einem Kleinkind auf dem Arm: „Wenn man sieht, wie viel Leid diese Menschen erfahren haben, dann wird man demütig und bescheiden in einem so reichen Land.“ Während ihr Sohn im Grundschulalter und – wie sich herausstellte – ein kurdischer Junge gemeinsam ein ausgelegtes Bilderbuch über den Regenwald ansahen, wurde aus einem Gespräch mit dessen Mutter leider nicht viel. Sie konnte nur „Ja“ und „Danke“ sagen, und so lächelten sich die beiden Frauen einfach nur an – ein erster Schritt war getan.

„Trotz aller Widrigkeiten gemeinsam lachen“

Solch hundertfache Zustimmung zu einer Rede hat der Landrat Roland Bernhard schon lange nicht mehr erfahren, wie auch bei seiner Frage an die Kinder, ob ihnen die Vorstellung gefalle. „Wir brauchen solche Ideen und Menschen, die sie umsetzen, Menschen, die trotz aller Widrigkeiten gemeinsam lachen, damit so die wachsenden Ängste in der Bürgerschaft abgebaut werden“, betonte der Landrat. Denn die klare Botschaft laute: „Wenn wir wollen, können wir die Herausforderung stemmen.“

Viele haben dazu beigetragen, dass die Gala Wirklichkeit geworden ist. Veranstaltet und finanziell getragen wurde sie von der Stiftung Hoffnungsträger und der Firma Geze. Als Unterstützer sind die Stadt Leonberg, der Landkreis Böblingen, Möbel Hofmeister, der Bund der Selbstständigen Leonberg, die Acher und Acher Unternehmensbetreuung, der Schauspieler Walter Sittler und die Werbeagentur Voxel Air aufgetreten. Koordiniert wurde sie von Peter Herrle, dem persönlichen Referenten des Leonberger Oberbürgermeisters.

Wenn alle helfen, funktioniert es

Die Idee, traumatisierten Flüchtlingskindern einige Augenblicke der Freude zu schenken und sie gleichzeitig mit anderen Kindern und Menschen aus Leonberg zusammenzubringen, hatte der Leonberger Mathias Acher. Den Ausschlag gab der Mitmach-Zirkus Piccolo, der auf der Engelbergwiese im Sommerferien-Programm der Stadt zwei Workshops angeboten hatte. Der Zirkusdirektor Alexander Riedesel sagte zu, die Gala zu geben. Die Geze-Chefin Brigitte Vöster-Alber finanzierte die Vorstellung. Das Böblinger Landratsamt stellte die Wiese, die Parkplätze und den elektrischen Strom für die Veranstaltung zur Verfügung.

Belohnt mit reichlich Beifall, großem Staunen und glänzenden Kinderaugen sind in dem 90-minütigen Programm Trapezkünstler und Jongleure, ein Zauberer, eine Schlangenfrau, Drahtseiltanz-Artisten und Künstler mit Hula-Hoop-Reifen und natürlich auch Clowns aufgetreten.

Von den eingegangenen Spenden – denn die Vorstellung war bereits im Vorfeld finanziert – wird die Stiftung nun in Absprache mit der Koordinatorin der Gemeinschaftsunterkunft, Christina Elffeld, ein dringend notwendiges Spielzimmer für die Flüchtlingskinder einrichten. „Wir investieren nicht in etwas, was dann schell wieder abgebaut wird. Spielen ist ja auch eine gute Möglichkeit für die Kinder, sich abzulenken“, so Stiftungsvorsitzender Witzke.