Leonberg „Der Umgang mit Flüchtlingen ist zu lax“

Von Bartek Langer 

Der Wirtschaftswissenschaftler Riyadh el Arif gibt Deutschkurse und legt ebenso Wert auf gutes Benehmen.

Riyadh el Arif  gibt auch  in anderen Kommunen Deutschunterricht für Flüchtlinge. Foto: factum/Bach
Riyadh el Arif gibt auch in anderen Kommunen Deutschunterricht für Flüchtlinge.Foto: factum/Bach
Leonberg – - Riyadh el Arif bietet seit gut einem Jahr in den Räumen der evangelischen Kirche Deutschunterricht für Flüchtlinge an und gibt ihnen auch Nachhilfe in Sachen Benimmregeln. Der Leonberger berichtet von seinen Erfahrungen, er spricht über Macho-Getue, Gleichberechtigung und fordert eine größere Bereitschaft von den Neuankömmlingen.

Herr el Arif, wie geht es Ihnen?

Mir geht es gut, danke. Diese Antwort erwarte ich übrigens auch von meinen Sprachschülern, wenn ich nach ihrem Wohlbefinden frage. Das gehört sich so. Ein schlichtes „Gut“ akzeptiere ich nicht.

Sie legen großen Wert auf Etikette!?

Ein guter Stil war für mich zeitlebens wichtig. Ich lief schon als Neunjähriger jeden Morgen im Anzug und selbst gebundener Fliege zum Königspalast in Bagdad. Deshalb möchte ich die Flüchtlinge auch mit den hiesigen Spielregeln vertraut machen. Pünktlichkeit ist ein Thema. Es geht auch um Disziplin, die man in arabischen Ländern etwas großzügig auslegt. Ohne Disziplin und Leistung kommt man in diesem Land nicht zurecht und bleibt Außenseiter.

In Ihrem Sprachkurs geht es neben gutem Stil vor allem um gutes Deutsch.

Deshalb ist mir auch die richtige Anwendung der Artikel so wichtig. Wer kein gutes Deutsch spricht, bekommt auch keinen anständigen Job. Ansonsten liegt das Augenmerk auf der Verständigung im Alltag – für den Einkauf oder den Arztbesuch.

Wie ist der Unterricht aufgebaut?

Donnerstags um 15 Uhr kommen die Anfänger, um 16.30 Uhr die Fortgeschrittenen. Für die Übungen habe ich Arbeitsblätter mit entsprechender Bebilderung erarbeitet. Das Gelernte frage ich dann regelmäßig in Kurztests ab. In meinem Kurs gibt es auch Analphabeten. Da nehmen wir erst einmal das Alphabet durch. Der Einstieg ist übrigens jederzeit möglich.

Sprechen alle Teilnehmer arabisch?

Die Gruppe zählt aktuell zwölf Flüchtlinge aus Syrien, aber auch Afghanistan und Eritrea, im Alter von 9 bis 50 Jahren. Auch wenn nicht alle Arabisch sprechen, funktioniert das Ganze sehr gut. Welchen rechtlichen Status sie haben, spielt dabei keine Rolle.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Die Menschen sind wirklich interessiert, und sie lernen mit einer großen Begeisterung – auch wenn ihnen vor allem der Umgang mit Artikeln zu schaffen macht. Im Englischen wie auch im Arabischen gibt es nur einen Artikel. Doch ich habe schnell gemerkt, dass es nicht nur bei den Sprachübungen und Benimmregeln bleiben darf.

Was meinen Sie damit?

Einem Teil der Flüchtlinge fällt es schwer, sich mit westeuropäischen Werten anzufreunden. Viele wollen nicht kapieren, dass bei uns das Grundgesetz wichtiger ist als die Scharia. Diese Gespräche sind leider üblich in meinem Unterricht und auch bei meinen Aktivitäten in der Flüchtlingshilfe.

Haben Sie Beispiele?

Viele glauben, dass sie ihre Gebete verrichten müssen, selbst wenn sie in der Arbeit sind. Das stimmt aber nicht. Die Gebetszeiten kann man nachholen. Es geht auch um Gleichberechtigung. Viele Asylbewerber sind unglaubliche Machos, die denken, dass Frauen nur halb so viel wert sind. Und was Homosexualität angeht, fehlt es ihnen an Toleranz. Ganz zu schweigen von ihrer Abneigung gegen Menschen mit jüdischem Glauben – dies hängt aber stark mit dem Israel-Palästina-Konflikt zusammen. Manche haben auch keinen Respekt vor der Polizei, weil sie denken, dass die Polizei wie auch in ihren Herkunftsländern ein Instrument der Regierung ist, um die Bevölkerung zu unterdrücken.

Die Menschen müssen sich erst einmal zurechtfinden. Sollten wir nicht mehr Verständnis aufbringen?

Denjenigen, die gebildet sind, werfe ich es ganz klar vor, dass sie daran festhalten. Doch viele von ihnen haben keine Bildung. Sie wissen es einfach nicht besser. Wir müssen ihnen klar machen, dass bei uns die Polizei Freund und Helfer ist, dass auch Frauen das Sagen haben, dass jeder bei uns seine Sexualität ausleben darf und dass man nicht zwangsläufig gegen alle Juden sein muss, nur weil man die israelische Politik missbilligt.

Stellen wir uns mal vor, Sie wären Integrationsbeauftragter. Was würde ganz oben auf Ihrer Agenda stehen?

Ich würde ein Kopftuchverbot erlassen. Vor 50 Jahren trug keine Frau ein Kopftuch. Deswegen waren sie aber noch lange keine Ungläubigen. Sie tragen doch nur eines, weil sie glauben, das hilft ihnen dabei, in den Himmel zu kommen. Aber in Wirklichkeit veräppeln viele auf diese Weise nur den Islam. Kopftuch und enge Hosen, wie passt das zusammen? Ein Kopftuch hat nichts mit Religion zu tun und bietet stattdessen Angriffsfläche.

Die Politik fordert, dass in den Moscheen nur noch in deutscher Sprache gepredigt werden sollte. Stünde dies auch in Ihrem Programm?

Auf jeden Fall. Ferner würde ich mich auch dafür einsetzen, dass die Flüchtlinge sofort mit dem Deutschunterricht beginnen müssen. Ich habe Leute, die nach zwei Jahren nicht wissen, wofür das „H“ an der Toilettentür steht. Die haben keine Chance, beruflich Fuß zu fassen und damit selbst für ihren Unterhalt zu sorgen. Das kostet den Steuerzahler ein Heidengeld.

„Wir schaffen das!“, lautet das Credo von Angela Merkel beim Thema Flüchtlinge. Hat die Kanzlerin recht?

Natürlich. Die Integration von Flüchtlingen ist aber kein Selbstläufer. Beide Seiten müssen ihren Teil beitragen. Es gibt einen zu laxen Umgang mit den Flüchtlingen. Es geht um Fördern, aber auch um Fordern. Wer die Sprache nicht lernen will oder keine Integrationskurse besucht, dem sollte man die Geldmittel kürzen. Die Menschen haben sich für Deutschland entschieden und die hiesigen Spielregeln zu akzeptieren.
Das Gespräch führte Bartek Langer.