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Leonberg/Enzkreis „Die Zahl der Einbrüche bei uns erhöht sich wieder“

Peter Meuer, 21.11.2012 10:00 Uhr
Leonberg/Enzkreis – Wenn die Tage kürzer werden, wittern Einbrecher ihre Chance. Sie bevorzugen den Schutz der Dunkelheit – das allein ist nicht ungewöhnlich. Doch im Herbst 2012 dringen mehr Diebe in Wohnhäuser, öffentliche Gebäude und Firmen ein als in den Jahren zuvor. Im Interview spricht Ralf Single (51), der Leiter der Böblinger Kriminalprävention Böblingen, über diesen Trend.
Herr Single, wer in den vergangenen Wochen aufmerksam Zeitung gelesen hat, bekam den Eindruck, dass die Polizei rund um Leonberg und Böblingen extrem viele Einbrüche verzeichnet.
Es stimmt, es gibt mehr Delikte. Das liegt daran, dass im Herbst und Winter traditionell häufiger in Wohnungen und Häuser eingebrochen wird. Aber auch insgesamt registriert die Polizei eine Steigerung, man kann sagen: wieder. Bis Mitte der 90er Jahre gab es im Landkreis bis zu 900 Einbrüche pro Jahr, danach ging die Zahl deutlich zurück. Bis vor zwei Jahren waren es unter 200, aber nun werden es wieder mehr.

Woran liegt das?
Das ist nicht immer einfach zu erklären. Wir beobachten, dass es „Wellen“ gibt, dass die Täter also bestimmte Gebiete abgrasen und danach dann die Schwerpunkte ihrer Aktivitäten verlagern.

Die gesteigerten Einbruchszahlen hängen nicht mit dem Wohlstand in der Region zusammen?
Nein, da können wir keinen Zusammenhang feststellen. Zumal der Wohlstand in Deutschland ja relativ gleichmäßig verteilt ist. Einbrecher in Wohnhäusern haben es oft auf Bargeld, Schmuck und Wertsachen abgesehen, und die gibt es in den meisten Haushalten.

Gibt es eine bestimmte Täterbande, denen Sie die Einbrüche in der Region zurzeit zuordnen können?
Da laufen die Ermittlungen zurzeit noch, wir können aber im Moment keine neue Entwicklung in diese Richtung feststellen. Sprich: es gibt unseres Wissens nach keine besondere neue Tätergruppierung.

Also keine Banden?
Klar ist, dass professionelle Einbrecher, auch rund um Leonberg, oft in kleinen Gruppen unterwegs sind. Da werden zunächst passende Objekte ausgespäht und geprüft, ob jemand zu Hause ist. Dann dringen ein oder zwei Täter schnell ein. Ein weiterer steht häufig mit dem Mobiltelefon Schmiere vor dem Gebäude und warnt seine Komplizen. Diese Gruppen grasen Wohngebiete ab, suchen dort nach geeigneten Objekten für einen Einbruch. Manche kommen von der Autobahn und sind dann auch recht schnell wieder verschwunden.

Was sind aus Tätersicht geeignete Objekte?
Zunächst einmal Gebäude, deren Türen und Fenster schlecht einsehbar sind – weil beispielsweise eine Hecke oder Bäume die Sicht versperren. Dann wollen die Einbrecher natürlich nicht, dass jemand zuhause ist, auch das überprüfen sie zunächst.

Es gab nicht nur Einbrüche in Firmen und Wohnhäuser, sondern etwa in Leonberg und Rutesheim auch in Kindergärten – was ERhoffen sich die Einbrecher dort zu finden?
Da haben wir dann das andere Ende der Skala erreicht, was die Fähigkeiten der Täter angeht: Einbrecher in Gebäude wie Kindergärten sind eher Kleinkriminelle, die wenig professionell vorgehen. Sie wollen vielleicht nur die Kaffeekasse plündern. Solche Einbrecher leben nach unserer Erfahrung auch häufiger in der Gegend, in der sie zuschlagen.

Spielt dabei auch Beschaffungskriminalität eine Rolle?
Ja, das ist möglich.

Wie können sich Privatpersonen, und auch Gewerbetreibende, schützen?
Es gibt technische Möglichkeiten: zum Beispiel eine sogenannte Anwesenheitssimulation, bei der computergesteuert oder per Zeitschaltung das Licht angeschaltet wird oder der Rollladen auf und zu geht. Das schreckt ab, weil die Einbrecher glauben, dass jemand daheim ist. Auch Gespräche mit den Nachbarn helfen. Man sollte sich zusammenschließen, um aufeinander zu achten und verdächtige Wahrnehmungen zu melden. Von der Polizei gibt es zudem kostenlose Beratungen, um die eigenen vier Wände sicherer zu machen.

Und wenn man mitbekommt, dass Einbrecher zwei Räume weiter zugange sind?
Das kommt wie gesagt nicht so oft vor. Falls doch, raten wir dazu, nicht den Helden zu spielen. Sich laut bemerkbar machen, das Licht anschalten, das hilft – dann geben viele Einbrecher Fersengeld. Außerdem: im Zweifelsfall immer die 110 anrufen.