Leonberg Ex-Feuerwehr-Chefs und Stadträte wollen Profi

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Angesichts höherer Anforderungen solle ein Brandinspektor geholt werden. Vonderheid lobt Wehr-Führung.

Die Feuerwehr präsentiert ihre Leistungsstärke. Doch intern gibt es Diskussionen. Foto: FACTUM-WEISE
Die Feuerwehr präsentiert ihre Leistungsstärke. Doch intern gibt es Diskussionen. Foto: FACTUM-WEISE

Leonberg - Ein buchstäblicher Brandbrief der früheren Feuerwehrführung sorgt für Aufregung: Die ehemaligen Gesamtkommandanten Werner Jüngling, Walter Weidle, Jürgen Raisch und Günter Widmaier appellieren in einem Schreiben an Oberbürgermeister Bernhard Schuler, „dringend, einen zertifizierten, hauptamtlichen Berufsfeuerwehrmann mit Befähigung zum gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst“ einzustellen. Dieser müsste den Abschluss eines Brandinspektors mit Zusatzbefähigung als Brandschutzsachverständiger haben.

In eine ähnliche Richtung stößt ein interfraktioneller Antrag, der aus den Reihen des Gemeinderats nahezu zeitgleich gestellt wurde. Darin wird gefordert, die Stelle eines Brandinspektors extern auszuschreiben. Der soll nicht nur die „übergeordnete Leitung der Feuerwache“ übernehmen, sondern zudem auch bautechnische Gutachten abgeben. Letztere sind beispielsweise für die Betriebsgenehmigung von Altstadtkellern während des Pferdemarktes relevant.

„Nicht an allen Stellen reibungslos“

Der Antrag, der von der Hälfte der 32 Ratsmitglieder unterzeichnet wurde, wie auch das Schreiben der früheren Feuerwehrchefs liegen unserer Zeitung vor.

Jüngling, Weidle, Raisch und Widmaier argumentieren, dass die Anforderungen an eine Feuerwehrleitung stark gestiegen seien. Sie selbst hätten aufgrund ihrer eigenen Ausbildung und Berufserfahrung, kombiniert mit Zusatzlehrgängen, die Führungsaufgaben noch wahrnehmen können. Heute sei das sehr viel schwieriger.

Aufgrund ihres weiterhin guten persönlichen Kontaktes in die Feuerwehr hinein habe man erfahren, „dass es nicht an allen Stellen zwischen Führung und Mannschaft reibungslos verläuft“. Dies würde zu Frustrationen bei der ehrenamtlichen Mannschaft führen. „Gelingt es uns nicht mehr, die Freiwilligen ordentlich und überzeugt zu halten, werfen immer mehr ehrenamtliche Kräfte das Handtuch, was ja schon im Gang ist“, schreiben die vier Kritiker.

Teure Berufsfeuerwehr

Diese Entwicklung würde zwangsläufig weitere hauptamtliche Kräfte erfordern. Am Ende, so befürchten sie, liefe es auf eine ungleich teure Berufsfeuerwehr hinaus.

Dies ist der einzige Punkt, in dem der für den Brandschutz zuständige Erste Bürgermeister Ulrich Vonderheid den Kritikern Recht gibt. „Wir müssten dann mit 30 Vollzeitstellen plus X und jährlichen Kosten von rund zwei Millionen Euro rechnen“, erklärt er auf Nachfrage unserer Zeitung.

„Führung ist gut aufgestellt“

Führungsdefizite oder sonstige Mängel sieht der Bürgermeister nicht, im Gegenteil: „Die Feuerwehrführung ist sehr gut aufgestellt, und darüber sind wir sehr glücklich.“ Dies sei auch die Auffassung des Kreisbrandmeisters Guido Plischek und des Bezirksbrandmeisters Frieder Lieb.

„Wir sind froh, dass wir eine Feuerwehr haben, die so super funktioniert.“ Zwar habe der Gesamtkommandant Wolfgang Zimmermann eine handwerkliche Ausbildung, aber: „Alle Führungskräfte werden durch regelmäßige Lehrgänge geschult.“ Der stellvertretende Kommandant Stefan Rometsch sei als Vize-Chef der Porsche-Werksfeuerwehr in Weissach ohnehin hauptberuflicher Feuerwehr-Profi.

„Kein guter Umgangsstil“

Vonderheid bezweifelt, ob der Einblick der Kritiker ausreicht: „Ich weiß nicht, ob die Alt-Kommandanten tatsächlich auf dem neuesten Stand sind.“ Der Bürgermeister kritisiert, dass sich die früheren Feuerwehr-Chefs per Brief beschwert hätten: „Das ist kein guter Umgangsstil.“

Wie mit dem interfraktionellen Antrag verfahren wird, das werde im Rathaus in den nächsten Tagen geklärt.

Der Gesamtkommandant Wolfgang Zimmermann hat kein Verständnis für das Vorgehen seiner Vorgänger: „Genau das bringt nur neue Unruhe und schadet dem ehrenamtlichen Gedanken massiv.“