Krimikolumne

Les Edgerton: „Der Vergewaltiger“ Wahre Kälte

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Truman Ferris Pinter ist ein Monster, der eine junge Frau vergewaltigt hat. Aber hat er sein Opfer auch ermordet? Und ob der Autor Les Edgerton in seinem „Vergewaltiger“ die Antwort verrät?

Das von dem Künstler 4000 gestaltete Cover lässt erahnen, dass „Der Vergewaltiger“ keine leichte Lektüre ist. Foto: Hans Jörg Wangner
Das von dem Künstler 4000 gestaltete Cover lässt erahnen, dass „Der Vergewaltiger“ keine leichte Lektüre ist.Foto: Hans Jörg Wangner

Stuttgart - Frank Nowatzkis Pulp Master ist bekanntermaßen ein Fachverlag für Verstörendes. Seamus Smyth’ „Spielarten der Rache“ und Gerald Kershs „Die Toten schauen zu“ sind Bücher, die in ihrer künstlerischen und auch historischen Wahrhaftigkeit nur schwer zu ertragen sind. In diese Reihe passt auch Les Edgerton, dessen Roman „Der Vergewaltiger“ seit seinem Erscheinen für einiges Aufsehen sorgt – allerdings steht bei ihm kein geschichtliches Ereignis im Hintergrund, sondern nur die Schuld eines Einzelnen (das mit der Sühne ist in diesem Fall so eine Sache).

Keinen Helden hat sich der Autor ausgedacht, sondern einen Menschenfeind, der, intelligent und formal hochgebildet, seiner Umgebung nur mit Hass und Verachtung gegenübersteht. Dieser Truman Ferris Pinter geht seiner Wege, er ist finanziell unabhängig und muss nicht als Lehrer arbeiten, ohnehin findet er Schüler widerlich.

Eines Nachts beobachtet Pinter auf dem Nachhauseweg im Wald drei Männer und eine Frau beim Sex, tags drauf taucht das Mädchen bei ihm auf, als er beim Angeln sitzt, und beginnt ihn zu verhöhnen. Es kommt zum Streit, Pinter rastet aus und vergewaltigt sein Opfer. Anschließend, so sagt er vor Gericht, so sagt er im Gefängnis, so sagt er dem Leser, sei das Mädchen gestolpert, mit dem Kopf gegen einen Stein geschlagen und im Fluss ertrunken.

Pinter wird wegen Mordes zum Tode verurteilt, im Gefängnis lässt er die Vergangenheit Revue passieren, er analysiert seine Gegenwart, malt sich seine Zukunft aus und erwähnt wie zufällig Autoren wie Albert Camus und Fjodor Dostojevskij. Als „unzuverlässiger Erzähler“ lässt er den Leser im Unklaren, was von alledem zu halten sei. Echt an Truman Ferris Pinter ist nur seine Kälte – und das Schicksal, auf das zusteuert. Oder am Ende etwa nicht? Wie gut, dass das erhellende Nachwort von Ekkehard Knörer dieses außergewöhnliche Stück Literatur einordnet.

Les Edgerton: Der Vergewaltiger. Deutsch von Ango Laina und Angelika Müller, mit einem Nachwort von Ekkehard Knörer, Pulp Master, 160 Seiten, 12,80 Euro, auch als E-Book