Genusswelt
Wein
 

Lesestoff-Kolumne Der Berg

Kathrin Haasis, 25.02.2013 09:00 Uhr

Stuttgart - Württemberger dürfen sich nichts vormachen: Selbst in der Fußball-Bundesliga ist Freiburg an Stuttgart vorbeigezogen. Landschaftlich ist die Gegend unserer sowieso weit überlegen. Ich weiß, wovon ich rede, ich habe in Freiburg studiert und vermisse zuweilen die Vorzüge des Dreiländerecks: hohe Berge, weites Tal, breiter Fluss, interessante Nachbarn und immer scheint die Sonne. Wein und Essen schmecken auch!

Bei den letzten beiden Punkten muss sich Württemberg ja längst nicht mehr verstecken. Und ganz kurz sah es so aus, als hätten wir wenigstens in einem Punkt die Nase voraus. Denn Helmut Dolde aus Linsenhofen vermutete den höchsten Weinberg der Republik am ­Hohenneuffen. Weil der Wengerter eigentlich Lehrer ist, wollte er es genau wissen. Das Messergebnis: in Baden kommen die Reben rund 30 Meter höher hinauf – auf 560 Meter am Hohentwiel. Elisabethenberg heißt der höchste Weinberg Deutschlands, Olgaberg der zweite.

Die Württemberger können sich aber damit trösten, dass der Vulkan bis 1810 in ihrem Besitz war und die Weinberge die Namen ihrer Königinnen tragen. Und dass der Olgaberg dem Staatsweingut Meersburg gehört und somit allen Baden-Württembergern. Deren Weißburgunder ist schön schlank und filigran, weil die Trauben in der Höhe reifen. Die Bergluft sorgt auch für einen feinen Duft nach reifer Birne und Melone. Den Wein kann man gut bei uns eingemeinden.

Das Urteil der StZ-Weinrunde:

Holger Gayer
Was für eine Schwärmerei! Aber gut: die Kollegin mag Baden halt, und wenn ich diesen Weißburgunder probiere, dann kann ich das sogar nachvollziehen. Der Wein ist fein strukturiert, hat viel Schmelz und eine tolle Frucht.

Harald Beck Bei dem Tropfen werden wir uns hüten landesinterne Ressentiments zu schüren. Er hat einen netten Duft, fast exotische Fruchttöne und hält – vielleicht Dank der Ex-Württemberger-Höhenlage – trotzdem eine gewisse Frische.

Weißburgunder, Hohentwieler Olgaberg 20118,60 Euro, Staatsweingut, 0 75 32/44 67 44, www.staatsweingut-meersburg.de

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