Lesung mit Dessous-Expertin Zeitreise durch die Welt der Miederwaren

Von Ina Schäfer 

Heide Meyer hat im Haus der Geschichte aus ihrem Buch „Mutter Corsage – Enthüllungen einer Dessous-Verkäuferin“ gelesen und ihre Zuhörer dabei mit auf eine amüsante Zeitreise genommen.

Heide Meyer, Dessous-Expertin Foto: Lg/ Ecker
Heide Meyer, Dessous-ExpertinFoto: Lg/ Ecker

Stuttgart - Du bist so schön mollig, du gehörst in die Miederwarenabteilung.“ Was heute wie eine Beleidigung klingt, hat Heide Meyer in den fünfziger Jahren ungewollt in eine Richtung geschubst, in der sie ihre Erfüllung finden sollte: das Geschäft mit Dessous. Heide Meyer war damals gerade einmal 15 Jahre alt und Auszubildende zur Verkäuferin bei Horten in Berlin, als ihr damaliger Vorgesetzter den folgenschweren Satz zu ihr sagte.

„Das war für mich erst einmal ein Schock. In dieser Abteilung zu arbeiten konnte ich mir nicht vorstellen“, erzählt sie bei einer Lesung im Haus der Geschichte vor wenigen Tagen. „Das war so nah, es gab noch kein Deo, und geduscht wurde auch nicht so häufig wie heute“, sagt sie. Ihre Meinung sollte sich allerdings bald ändern: Die kleine Unterredung mit ihrem Vorgesetzten war der Beginn einer Karriere, die letztlich zum eigenen erfolgreichen Unternehmen führen sollte.

Lebensgeschichte ist auch Geschichte der Emanzipation

Ihren Lebensweg hat Heide Meyer in dem Buch „Mutter Corsage – Enthüllungen einer Dessous-Verkäuferin“ festgehalten, aus dem sie im Begleitprogramm der Ausstellung „Auf nackter Haut. Leib. Wäsche. Träume“ nun vorgelesen hat. Ihre aufgeschriebene Lebensgeschichte ist auch eine Zeitreise durch die Welt der Unterwäsche, von Miederwaren bis zu Dessous und nicht zuletzt eine Geschichte der Emanzipation.

Dass sie einmal Verkäuferin werden und Karriere machen will, war Heide Meyer schon als Kind klar. „Heiraten wollte ich nie. Kochen, Knöpfe annähen – das mache ich nicht“, erzählt sie. Am Ende hat sie beides bekommen, die Karriere und die Hochzeit. „Das hat meinen Mann wahrscheinlich gereizt“, sagt sie und lacht.

Die jüngste Einkäuferin im KaDeWe

Nach ihrer Ausbildung landete Heide Meyer in einem noblen, inhabergeführten Geschäft in Berlin. „Unsere Kundinnen waren selbstbewusst, weiblich und legten Wert auf ihr Äußeres. Das war genau mein Ding“, sagt sie. Nach dieser Erfahrung in einer neuen Welt landete Heide Meyer allerdings wo ganz anders – als Einkäuferin bei Hertie in Esslingen.Mit 21 Jahren stand sie am Bahnsteig, vergeblich auf der Suche nach einem Gepäckträger. „In Berlin waren die überall!“, erinnert sie sich. Der Umzug vom Nabel der Welt in die schwäbische Stadt fiel der jungen Verkäuferin schwer. Vom Glanz Berlins war wenig zu spüren. „Das war die ganz alte Schule: Brüste hochgehoben, wiegen, zugeschnürt, fertig“, erzählt sie. Von Beratung keine Spur. Einfach musste es sein in Esslingen und praktisch. Nach gerade mal drei Monaten packte Heide Meyer ihre Koffer, zog weiter und landete nach einer Station in Frankfurt schließlich beim Kaufhaus KaDeWe in Berlin. Sie war damals 25 Jahre alt und damit dort die jüngste Einkäuferin.

Fünf Jahre später folgte die Selbstständigkeit. „Irgendwann wollte ich alleine entscheiden und einen Ort haben, an dem sich Frauen sicher und Zuhause fühlen“, sagt sie. In ihrem „Lady M.“ empfing sie illustre Kundschaft. Nicht nur Damen, auch Transvestiten kleideten sich bei ihr ein. Männer, auf der Suche nach einem Geschenk für die Liebste, gehörten ebenfalls zur Stammkundschaft. Wichtigste Erkenntnis aus dieser Zeit: „An Weihnachten tragen alle wieder Größe 38“, sagt Heide Meyer. „Entweder behaupten das die Frauen oder die Männer haben ihre Frau zuletzt in der Hochzeitsnacht nackt gesehen.“

Die meisten Frauen tragen die falsche BH-Größe

Doch nicht nur Männer täuschen sich in der Wahl der Größe. „65 Prozent der Frauen tragen den falschen BH“, sagt die Expertin. Um das zumindest den überwiegend weiblichen Gästen an diesem Abend bewusst zu machen, zeigt Heide Meyer im Anschluss an ihre Lesung, auf welche Punkte sie beim Wäsche-Kauf achten müssten. „Wenn Sie den falschen BH tragen und es zwickt und kneift, können Sie an nichts anderes mehr denken. Wenn der Träger rutscht, können Sie Ihren Job vergessen“, sagt sie. Damit das nicht passiert, bot sich den Damen im Raum eine einmalige Chance: eine persönliche Beratung durch die Expertin Heide Meyer.