Antifa-Camp im Schwarzwald Staatsschutz ermittelt nach Zeltlager

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Aktivisten der süddeutschen Antifa haben sich am Wochenende zu einem Zeltlager im Schwarzwald versammelt – sehr idyllisch, aber nicht ganz friedlich. Trotzdem ließ die Polizei die Teilnehmer zunächst unbehelligt wieder abreisen.

Wenn Antifa und Pegida aufeinandertreffen wie hier in Fellbach, geht es meist hoch her. Foto: 7aktuell.de/Gerlach
Wenn Antifa und Pegida aufeinandertreffen wie hier in Fellbach, geht es meist hoch her. Foto: 7aktuell.de/Gerlach

Furtwangen - Ein antifaschistisches Fußballturnier, Lagerfeuerromantik, dazwischen Workshops zur Faschismustheorie und zu Aktionsideen gegen Rechts: Offiziell ist es bei dem „antifaschistischen Camp“, zu dem am Wochenende 150 Linksautonome aus dem ganzen süddeutschen Raum auf einen Zeltplatz bei Furtwangen (Schwarzwald-Baar-Kreis) gekommen sind, um die Vernetzung und die gemeinsame antifaschistische Arbeit gegangen. Doch etliche haben sich mit der Theorie offenbar nicht begnügen wollen. Nach zwei Übergriffen auf mutmaßliche Angehörige der rechten Szene ermittelt die Polizei nun wegen Landfriedensbruch und Raub.

Aufbruch zu unangemeldeter Demo

Der erste Vorfall ereignete sich am Samstag im Nachbarort Sankt Georgen. Gegen 14.30 Uhr zog eine Gruppe von 30 teils vermummten Personen durch die Straßen. Die Antifa selbst sprach von einer „unangemeldeten Demo mit mehr als 60 Teilnehmern“. Ziel des Zuges war das Wohnhaus eines Angehörigen der rechten Szene, der mit Flugblättern und in Redebeiträgen geoutet werden sollte. Allerdings dürfte der 28-Jährige den meisten Mitbürgern gut bekannt sein. Bei den Kreistagswahlen kandidierte er erfolglos für eine rechtsradikale Kleinstpartei. Als mutmaßlicher Administrator der verbotenen rechtsradikalen Internetplattform Altermedia Deutschland muss er sich von Donnerstag an vor dem Oberlandesgericht in Stuttgart wegen der Gründung einer kriminellen Vereinigung verantworten.

Als der Mann gemeinsam mit einer Begleiterin vor sein Haus trat, sei ein Stein auf ihn geflogen, heißt es im Bericht der Polizei. Er sei leicht verletzt worden. Die Frau erlitt einen Schlag mit einer Fahnenstange. Eine Flasche traf ein Auto. Kurze Zeit später sei es beim Zeltlager zu einem ähnlichen Vorfall gekommen. „Wachposten“ des Camps entdeckten einen jungen Mann und erkannten ihn als Aktivisten der Villingen-Schwenninger Pegida. Als der 27-Jährige versuchte, mit seinem Auto zu flüchten, seien vom Camp weitere Linksautonome gerannt gekommen, die per Funkgerät alarmiert worden waren. Mit Stöcken und Schaufeln schlugen sie die Scheiben des Autos ein. Der Mann wurde leicht verletzt. Zudem musste er sein Handy und seine Schuhe abliefern. Warum er sich im Bereich des Camps aufhielt, ist unklar. Gegenüber der Polizei gab er an, zum Joggen dort gewesen zu sein.

Polizei meidet die Eskalation

Die Polizei verzichtete zunächst auf Ermittlungen vor Ort. „Das hätte nur zu einer Eskalation geführt“, sagte ein Polizeisprecher. Ein Zeugenaufruf im Nachhinein sei sinnvoller. So konnten die Teilnehmer des Antifacamps am Sonntag unbehelligt den Zeltplatz verlassen – letzter Programmpunkt war übrigens eine „Diskussionsrunde über Bullenstrategien“ .