Künstler deckt mit Facebook auf Auf der Jagd nach Pädophilen

Von Markus Brinkmann 

Der Österreicher Markus Schulz will darauf aufmerksam machen, wie einfach sich Männer im Internet mit kleinen Mädchen verabreden können. Per Video auf Facebook deckt er Pädophile auf.

Jagen im Netz Pädophile: Nadine Hochgatterer und Markus Schulz. Foto: Privat
Jagen im Netz Pädophile: Nadine Hochgatterer und Markus Schulz. Foto: Privat

Linz/Karlsruhe - Noch einmal Räuspern. Ein knappes Lächeln in die Webcam, eine winkende Handbewegung. „Leute, schreibt in den Kommentaren, was ich fragen soll“, sagt Markus Schulz. Da ertönt auch schon das Freizeichen seines Smartphones. Der Lautsprecher ist an. Jeder, der das Live-Video auf seiner Facebook-Seite BadBroTV verfolgt, kann mithören, was gleich gesprochen wird. Es klackt kurz: „Ja?“, ein Mann meldet sich am anderen Ende. Mit leicht verstellter Stimme flötet Schulz ins Telefon: „Hallo? Hörst du mich gut?“

Zusammen mit seiner Freundin Nadine Hochgatterer (20) jagt Markus Schulz (24) im Internet Pädophile, sammelt Beweise und übergibt sie der Polizei – immer dabei seine Zuschauer auf Facebook. Sie kommentieren seine Videos und schicken während Schulz telefoniert Fragen. Schulz und Hochgatterer kommen aus Linz in Österreich. Nachdem in seinem Bekanntenkreis vor fünf Jahren ein Mädchen missbraucht wurde, machte sich Schulz auf die Suche nach Pädophilen. „Ich fand, dass das Thema viel zu wenig beachtet wird“, sagt der Künstler und Entertainer. „Deshalb habe ich mir vorgenommen, Pädophile aufzudecken.“ Dafür zeigt er, wie einfach es ­Pädophile im Internet haben. Sein Geld verdient er mit anderen Projekten, die auch über BadBroTV laufen.

„Worauf stehst Du beim Sex?“

Auf verschiedenen Chatplattformen, auf denen es eigentlich nicht um Sex oder Dating geht, haben sich Schulz und Hochgatterer mit dem Profil eines 13-jährigen Mädchens angemeldet. „Es ist unglaublich, wie schnell man von Männern mit sehr eindeutigen Angeboten angeschrieben wird“, sagt Schulz. Kaum sind die beiden im Chat online, werden sie von Anfragen überhäuft – und das obwohl ihr Profil kein Bild hat. „Die meisten Männer sind allerdings sehr vorsichtig“, sagt Schulz. Wichtig ist ihm, dass er die Männer nicht zu etwas drängt. „Alles muss von ihnen ausgehen, sie müssen auf uns zukommen.“ Würde der Künstler durch sein Handeln jemanden zu einer Straftat verleiten, wäre das Anstiftung und somit auch strafbar.

Der Mann, mit dem Schulz an diesem Abend telefoniert, ist 47 Jahre alt, wohnt in Karlsruhe – und kommt ziemlich schnell zur Sache. „Nimmst du denn schon die Pille“, fragt er im Glauben, mit einem 13-jährigen Mädchen zu telefonieren. Schulz drückt auf die Stummtaste seines Telefons, räuspert sich kurz und sagt: „Leute, schickt Fragen!“ Im Hintergrund spricht der Mann weiter und meint, dass er sich mit der Pille nicht so gut auskenne. Schließlich fragt er ziemlich unvermittelt: „Worauf stehst du denn so beim Sex?“ Wieder drückt Schulz die Stummtaste. „Der kommt direkt zur Sache, da muss ich ja gar nicht mehr groß nachfragen“, sagt Schulz völlig verdutzt.

Ein Prozent der Bevölkerung ist Pädophil

Pädophile sind Menschen, die sich von Kindern mit einem vorpubertären Körper sexuell angezogen fühlen. Im Allgemeinen sind die Kinder nicht älter als elf Jahre. Sind sie in einem Alter, in dem sie erste Pubertätsmerkmale aufweisen, spricht man von Hebephilie. Von den Betroffenen können Jungen- und Mädchenkörper als sexuell erregend empfunden werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Pädophilie mittlerweile als Krankheit anerkannt – zumindest dann, wenn sie mit erhöhtem Leidensdruck und der Gefährdung von Menschen einhergeht. Ansonsten spricht man von der Präferenz für den kindlichen Körper. Pädophilie führt aber nicht zwangsläufig auch zu sexuellen Übergriffen auf Kinder.

Wissenschaftler schätzen den Pädophilen-Anteil auf etwa ein Prozent der Bevölkerung; bis zu vier Prozent der Männer haben pädophile Interessen. Durchschnittlich befindet sich unter hundert Pädophilen eine Frau. „Allerdings werden nur 40 Prozent der Missbrauchsfälle an Kindern von Tätern begangen, die eine pädophile Neigung haben“, sagt Klaus Beier, Leiter des Instituts für ­Sexualwissenschaft an der Charité in Berlin und Sprecher des Präventionsnetzwerks „Kein Täter werden“.

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