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LKW-Maut Esslingen Zeit mehr wert als Geld
Thomas Schorradt, 21.02.2012 12:08 Uhr
Auf der B 313 bei Plochingen werden LKW-Fahrer künftig zur Kasse gebeten Foto: Horst Rudel
Auf der B 313 bei Plochingen werden LKW-Fahrer künftig zur Kasse gebeten Foto: Horst Rudel
"Wir werden ganz sicher keine Umwege fahren, um die Maut zu sparen"
Gerhard Diehl, Spedition Diehl

Esslingen - Die einen sehen die Wohngebiete, die die künftigen Mautstrecken säumen, schon in den Abgaswolken schwerer Lastwagen verschwinden. Die anderen reden von viel Rauch um nichts. Die Lastwagenmaut, die von August an auf der B 313 zwischen Plochingen und Nürtingen (Kreis Esslingen), auf der B 27 zwischen Tübingen und Stuttgart und auf einem kleinen Teilstück der B 10 zwischen Stuttgart-Zuffenhausen und der A 81 erhoben werden soll, bewegt die Gemüter.

Geht es nach Gerhard Diehl, dem Chef der gleichnamigen Esslinger Spedition, verträgt das ganze Thema das Schnaufen nicht. „Wir werden ganz sicher keine Umwege fahren, um die Maut zu sparen“, sagt der Geschäftsführer des Fuhrunternehmens, das mit 350 Mitarbeitern rund 70 Millionen Euro im Jahr umsetzt. Die täglich rund 70 großen Lastwagen, die sich von Esslingen aus in alle Welt aufmachen, fahren Diehls Worten zufolge grundsätzlich den schnellsten Weg. „Der Zeitverlust, den wir über Nebenstrecken einfahren, schadet mehr, als dass er uns etwas bringen würde“, sagt Diehl.

„Wir werden unsere Preise erhöhen“

Die 17 Cent, die künftig pro Kilometer auf den Bundesstraßen fällig werden, sind in einem Gewerbe, in dem mit der Währung Zeit gerechnet wird, kaum der Rede wert. Natürlich, so Diehl, koste die Maut auch Geld – aber bestimmt nicht das der ohnehin knapp kalkulierenden Branche. „Wir werden unsere Preise erhöhen“, kündigt Gerhard Diehl für sein Unternehmen, das 1,5 Millionen Sendungen pro Jahr auf der Straße transportiert, schon jetzt an.

In den Gemeinden, auf die entlang der Bundesstraße 313 theoretisch mehr Schwerverkehr zukommen könnte, teilen die Verantwortlichen Diehls Gelassenheit. „Die schweren Lastwagen dürfen gar nicht auf die Dörfe neben der Bundesstraße ausweichen. Wir liegen schon seit zwei Jahren in der Stuttgarter Lastwagen-Durchfahrverbotszone“, sagt Gerald Stoll, der Hauptamtsleiter der Neckartalgemeinde Köngen. Als die Verbotsschilder vor rund einem Jahr aufgestellt worden seien, habe man die Entlastung auf der Ortsdurchfahrt deutlich wahrgenommen. Verkehrszählungen, die diese subjektiven Eindruck bestätigen könnten, gibt es laut Stoll allerdings nicht.

Keine Entlastung auf den Fildern

Von Entlastung kann auf den Fildern so oder so keine Rede sein. Während Ostfildern, wie alle der Landeshauptstadt zugewandten Bereiche nördlich der Autobahn, in der Verbotszone liegt, sind Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt außen vor. Beide Kommunen wollen das Thema, das ihnen auf den Nägeln brennt, möglichst bald auf die Tagesordnung im Kommunalen Arbeitskreis Filder rücken.

Der Arbeitskreis, der sich als Sprachrohr der Filderkommunen versteht, würde sich dann sicherlich mit dem möglichen Schleichverkehr von der Bundesstraße 27 zur Autobahn 8 durch den Filderstädter Teilort Sielmingen befassen. Im unmittelbar benachbarten Leinfelden-Echterdingen geht die Furcht um, die schweren Lastwagen könnten sich vermehrt durch die Teilorte Stetten und Echterdingen quälen, und der vom Luftfrachtzentrum am Flughafen ausgehende Verkehr könnte sich den kostengünstigeren Weg zur Autobahn durch Echterdingen bahnen.

Im Regierungspräsidium in Stuttgart rechnet man nicht mit Ausweichverkehr, zumal es sich rein rechnerisch nicht lohne. Ein Lastwagenfahrer, der die Mautpflicht auf der Bundesstraße 27 sinnvoll zu umgehen sucht, spart rund drei Euro, sein Kollege, der einen Bogen um die Bundesstraße 313 macht, sogar nur zwei Euro.

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