Stuttgart - Lange galten Biertrinken und Brauereibesuche nicht gerade als urbaner Schick. Als provinziell: nur was für Leute mit Doppelkennzeichen! Aber die Zeiten, in denen sich eine blank polierte Bar auf der Theo Heuss an die andere reihte, sind vorbei. Es darf wieder gemütlich und gesellig sein. Wer es darüber hinaus noch zünftig mag, der könnte sich im neuen Brauhaus Schönbuch wohlfühlen.
Zwischen Kinos und Cafés steht es dort, wo früher der Tanzschuppen Move war. Das Brauhaus hat durchaus Anteil daran, dass Fußgänger zu dem Areal in zweiter Reihe der Königstraße finden, auf dem es außer einer riesigen Baustelle (für ein Einkaufszentrum) sonst noch kaum was gibt. Hinter dem verglasten Eingang, der auf den ersten Blick fast an eine Saunalandschaft erinnert, verbirgt sich die rustikale Stube, deren Holzbänke mit 300 Plätzen vor allem abends oft gut belegt sind. Im Sommer kommen 200 Plätze auf der Terrasse dazu.
Mildmalziges Lager
Lange waren die Macher auf der Suche nach einem Objekt, um das Konzept zu kopieren, das auf dem Firmensitz in Böblingen seit zehn Jahren erfolgreich läuft. „Wir wollen die Manufaktur bekannter machen“, erklärt Nunzio Chiumenti, der zuständig ist für die Gastronomie. Jetzt hat also auch die City ihr Brauhaus, wobei das Bier irrigerweise nicht braufrisch aus dem Hahn läuft, sondern angeliefert wird. Ungeachtet dessen kann sich der Gast durch eine üppige Getränkekarte probieren, vom süffigen Ur-Edel (2,70 Euro für 0,3 Liter) bis zum Horst Hell (2,80 Euro), das beinahe in Sommelier-Chargon als mildmalziges Lager mit leichter Hopfenblume beworben wird. Wer lustig ist, kann aus Zehnliterfässern auch selbst am Tisch zapfen.
Das muss nicht auf nüchternem Magen geschehen. Auf der Karte findet sich neben einem wechselnden Mittagstisch allerlei Zünftiges wieder, vom Pro-Biererle Currywurst-Pralinen bis zum Braten vom Schwäbisch-Hällischen Landschwein mit Biersößle. Wir entscheiden uns für das Carpaccio vom Semmelknödel mit Salatbukett (7,80 Euro), der weniger inspiriert schmeckt als klingt: der bappige Knödel ist dick geschnitten und kommt ohne die versprochene Balsamicoglace. Viel besser schmeckt uns da die würzige Bauernbrotsuppe mit krosser Einlage (3,90 Euro).
Irgendwo zwischen Kantine und Bierarten
Beides steht auf der regulären Karte. Anders als die zwei Aktionsgerichte, die wir als Hauptgang wählen – und die beide ein bisschen zu schnell für die bestellfrische Zubereitung auf den Tisch kommen, was man besonders an den Beilagen schmeckt. Bei der nur lauwarmen Entenkeule an Rotkohl und Knödel (9,90 Euro) und dem Filderkrautwickel mit Kartoffelpüree (6,50 Euro) wird der Geschmack vor allem von einer guten Portion Fett getragen. Die Qualität der Speisen liegt irgendwo zwischen Kantine und Biergarten. Deswegen ist unser Urteil eindeutig – beim nächsten Besuch beschränken wir uns auf das, was eine Brauerei am besten kann: Flüssignahrung.
Brauhaus Schönbuch, Bolzstraße 10 in Stuttgart, der Eingang liegt an der Stephanstraße, Telefon 72 23 09 30, www.brauhaus-schoenbuch.de. Geöffnet täglich von 11 bis 24 Uhr, donnerstags und samstags bis 1 Uhr nachts.
Die Bewertung
Küche **
Service ***
Ambiente ***
***** = herausragend, **** = überdurchschnittlich, *** = gut, ** = Luft nach oben, * = viel zu verbessern
Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-/Leistungsverhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.


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langweilig
Gutes Bier, das wars. kahler Kantinenlook, lieblos zubereitetes Gericht. Eher wohl was für den Sommer um ein Bierchen zu trinken.
3 Sterne sind noch zu viel
Das Schönbuch-Bier ist ja durchaus lecker, deswegen finde ich es schade dass man hier nicht ein ein wirklich uriges Wirtshaus eröffnet hat, sondern auf Eventgastro mit Kantinencharme setzt. Dazu noch die grelle Beleuchtung, das sterile Interieur und lahmarschige Bedienungen. Und sobald jemand mit diesen elektronischen Bedienpanels ankommt ist für mich der jeweilige Laden eh schon gestorben.
Überteuert und Lauwarm
Mittagstisch war am Anfang echt toll, 5 EUR war natürlich ein super Preis. Leider stiegen die Preise rasant an, die Qualität blieb jedoch gleich schlecht. Lauwarmes Essen, oft sehr fett - schade. Das Bier ist super, der ProBierClub auch aber das Essen geht gar nicht. Eine Dame neben uns hatte die "Ente" zum Mittagessen; als sie kam war sie innen noch roh und wurde zurückgegeben. Die ältere Dame wartete dann ca. 25 min (wir waren schon lange mit dem Essen fertig) und hat dann kommentarlos das Essen hingestellt bekommen - keine Entschuldigung, nichts. Ich wäre ehrlich gesagt aufgestanden und hätte dort nicht gegesssen. Die Preise sind überteuert und entsprechen nicht der Qualität. Da zahl ich lieber 8,40 EUR und gehe ins BlockHouse mit leckerem Salat und guter Qualität, frisch zubereitet, heiß!