Lokaltermin Noch ist im neuen Domizil manches eine Nummer zu groß

Matthias Ring, 14.12.2012 16:33 Uhr

Stuttgart - Due Stanze e Cucina heißt: zwei Zimmer und Küche. Nach dem Umzug vom Westen auf den Killesberg müsste es nun eigentlich heißen: zwei Etagen mit Küche und Kamin, mit Galerie und Raucher-Lounge, mit Terrasse und . . . aus den 34 Sitzplätzen sind gut und gerne 80 geworden. Die Geschäftsführerin Anastasia Maser spricht von einer neuen Herausforderung, die man gesucht habe – und das schicke Publikum nimmt sie gerne an, wie es scheint. Alte Stammgäste seien gefolgt, neue Nachbarn interessiert, denn im früheren Holzwurm, der zwei Jahre brach lag, befinden wir uns in einem Bonatz-Bau, Jahrgang 1930. Doch bei allem Respekt vor Umbau und Einrichtung ist uns aufgefallen: unten ist es ganz schön laut, oben wird es im Laufe des Abends ganz schön warm.

Und so ein Abend kann lang sein. Das fängt schon mit dem Bestellungsritual an, das man mit herübergenommen hat und das in einem vollen Haus zu Verzögerungen führt. Es gibt keine Karte, stattdessen erzählt die Bedienung bei einem Glas Prosecco, was es gerade gibt. Für den vornehmen Gast bedeutet dies auch einen Blindflug, was die Höhe der Rechnung angeht. Wir landeten bei 130 Euro, ohne eine Flasche Wein bestellt zu haben. Dafür gibt es eine Karte, aber auch die Offenen sind gut und fair kalkuliert: der Rosato und der Falanghina kosten je 3,70 Euro für 0,1 l, der Nero d’Avola 6,20 Euro für 0,2 l. Ansonsten gelten Menüpreise: an unserem Abend 49,50 für drei und 61,50 Euro für vier Gänge.

Zweigeteilter Eindruck bei den Vorspeisen

Aber gut, der neue Küchenchef Maik Venus (früher im Ambiente im Osten) arbeitet mit hochwertigen Produkten wie Steinbutt in einer Mandel-Orangen-Kruste, dazu gab es Blattspinat, arg knackigen schwarzen Reis und eine feine Aprikosen-Senf-Sauce. Das Zweierlei vom Lamm war etwas zäh und streng, aber deftiger Rahmwirsing, Serviettenknödel und Balsamico-Jus konnten gut mithalten.

Auch die Vorspeisen hinterließen einen zweigeteilten Eindruck: Der Fenchel-Orangen-Salat zum karamellisierten Ziegenkäse war zu lasch, die Passionsfruchtvinaigrette hingegen verlieh dem Carpaccio vom Pulpo eine schöne Säurenote. Am besten gefallen hat uns die hausgemachte Pasta: Ravioli mit Ricotta und Spinat gefüllt, zu denen die Flusskrebssauce gut harmonierte. Bei den Desserts wird die Erinnerung überlagert von einer heißen Wartephase auf der Galerie – wir haken die Schokokreation und das Quarkgelee mit Joghurt-Eis und Ananasragout mal als gut ab.

Unser Besuch liegt schon etwas zurück, war aber nicht in den turbulenten Eröffnungswochen. Deswegen sagen wir heute angesichts der Preise: Das Potenzial zum vierten Stern für die Küche ist da, konnte aber nicht ganz abgerufen werden, schon gar nicht im Service. Wir kommen im Sommer wieder – auch um zu erleben, wie die sensiblen Killesberganwohner die lau(t)en Abende auf der Terrasse goutieren.