Ludwigsburg Barockstadt wird zur Rockcity
Verena Mayer, Fotos: Deiner, 06.09.2010 07:26 Uhr
Ein Mann und sein Flügel: Udo Jürgens Foto: Deiner
Ein Mann und sein Flügel: Udo Jürgens Foto: Deiner
Ludwigsburg - Am Morgen danach purzeln aus den Bussen im Schlosshof wieder Touristen, keine Künstler. Die Besucher am Morgen danach interessieren sich für die Geschichten im Ludwigsburger Schloss, während im Schlosshof eine ganz andere Geschichte zu Ende geht. Mobile Biertheken stehen dort, Plastikstühle stapeln sich auf Paletten und verschwitzte Männer hantieren mit einem Haufen Metallstangen. Die Bühne, die sich am Abend zuvor noch vor dem Corps de Logis türmte, ist abgebaut. Zurück bleibt ein neues Kapitel in der Geschichte des Schlosses.

Insgesamt 15.700 Menschen sind an drei Abenden in den Hof geströmt, um Jan Delay, Vanessa-Mae und Udo Jürgens zu erleben - und ein Schloss, das gar nicht barock wirkte. "Ludwigsburg ist Rockcity" ruft Jan Delay seinen 7700 Fans am Donnerstag zu – und es passiert, was auch an den folgenden Abenden passiert: Man weiß nicht, wem der Auftritt besser gefällt. Den Zuschauern–oder den Künstlern.

"Das ist ziemlich cool", ruft der näselnde Hamburger zwischen "Oh Johnny" und "Freeze" in sein Publikum. "Wir gehen erst, wenn dieses schöne alte Gebäude eingefallen ist", hatte schon seine Vorgruppe Culcha Candela angekündigt und einen "monster"- und "hamma"-mäßigen Auftritt hingelegt – das Schloss fiel trotzdem nicht. Immerhin war die meistgestellte Frage an dessen Verwalter, ob noch alle Vasen auf ihren Sockeln sind. Sind sie, versicherte Ulrich Krüger der selbst ganz begeistert ist von seiner Openair-Arena. Dort sind im Lauf der Jahre schon Patricia Kaas aufgetreten oder Konstantin Wecker, Eros Ramazotti oder die Drei Tenöre – aber drei Konzerte am Stück gab’s noch nie. "Das ist super", sagt der Schlossherr.

Bühne muss mit Heizstrahlern ausgestattet werden


"It’s wonderful to be part of this fantastic Musicfestival" spricht Vanessa-Mae zu ihren 3000 Zuschauern am Freitag. Die britische Geigerin trägt ein Kleidchen, das so rot ist, dass sich die Kreissparkasse als Hauptsponsor der "Music Open" wahrscheinlich ganz besonders freut. Dafür muss die Bühne zwar mit den in Ludwigsburg eigentlich verboteten Heizstrahlern ausgestattet werden – aber so kann die Künstlerin dann auch ganz heiß ihren "Storm" von den Saiten reißen und "Hocus Pocus". Wie Zauberei mag es manchem auch vorkommen, dass ein weitgehend unbekannter Ludwigsburger geschafft hat, was der Stadt mit ihrer Arena erst noch gelingen muss: Stars zu holen. "Wir wollen die Music Open fest in den Jahresplanungen von bekannten Künstlern etablieren", kündigt Michael Scholz an, der mit seinen Mitstreitern Helmut Klass und Edgar Braune jetzt ziemlich bekannt ist.

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