Ludwigsburg Das Schiller soll Schule machen

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Das Ludwigsburger Schillergymnasium ist „Kulturschule“. Mit diesem Prädikat ist eine finanzielle Förderung, aber auch die Forderung nach echter Kulturarbeit verbunden.

Schiller-Gymnasiasten  spielen auch beim Bürgertheater  mit. Foto: factum/Bach
Schiller-Gymnasiasten spielen auch beim Bürgertheater mit. Foto: factum/Bach

Ludwigsburg - Ab sofort darf sich das Ludwigsburger Schiller-Gymnasium Kulturschule nennen – als eine von zehn Bildungseinrichtungen in Baden-Württemberg. Das ist zunächst einmal eine Ehre, zu der auch der Regierungspräsident Johannes Schmalzl im Namen des Kultusministeriums gratulierte, aber auch eine Aufgabe. Das Gymnasium darf das Prädikat vorerst für fünf Jahre tragen. „Damit beginnt ein anspruchsvoller Prozess“, sagte Frank Henssler von der Karl-Schlecht-Stiftung, die das Projekt Kulturschulen fördert. Das Ziel ist es, die schulische Arbeit im Bereich Kunst und Kultur auszubauen und außerschulische Lernorte zu finden.

„Einseitige Bildung ist keine Bildung“

Seit dem Wochenende prangt eine Hinweistafel am Haupteingang des Innenstadtgymnasiums. Während der Schulleiter Klaus Arnold im Rahmen einer Feierstunde an den Namensgeber Friedrich Schiller erinnerte und ein Ensemble dessen „Freude schöner Götterfunke“ spielte, zitierte der Stuttgarter Regierungspräsident lieber den anderen großen Klassiker Johann Wolfgang von Goethe. Dieser hatte im Jahr 1807 in einem Brief geschrieben: „Einseitige Bildung ist keine Bildung. Man muss zwar von einem Punkte aus-, aber nach mehreren Seiten hingehen.“ Damit sei auch die Zielsetzung der Kulturschule beschrieben, meinte Johannes Schmalzl.

„Die Kulturschulen zeigen, wie ästhetisches Lernen zu einem noch selbstverständlicheren Teil der Unterrichtsfächer werden kann“, hatte der Kultusminister Andreas Stoch anlässlich der Auftaktveranstaltung gesagt. Künstlerische und kreative Methoden müssten auch in nicht-künstlerischen Fächern wie den Naturwissenschaften und der Mathematik angewendet werden. Dazu müssten, wie der Regierungspräsident ergänzte, die außerschulischen Lernorte sowie die Kooperationen mit Kulturinstitutionen im Umland einbezogen werden. In dieser Hinsicht habe das Schillergymnasium schon viele Pluspunkte gesammelt, indem es in der nächsten Nachbarschaft angeklopft habe.

Schon jetzt bestehen Kooperationen der Schule mit der Film- und der Schauspielakademie, der Kunstschule Labyrinth sowie dem Marbacher Literaturarchiv. Geplant ist außerdem eine Zusammenarbeit mit der Popakademie Mannheim sowie der Architektenkammer Stuttgart. Einer, der dafür die Fäden spinnt, ist Rainer Fanta, der Kulturbeauftragte der Schule. Ohne dessen Engagement und Hartnäckigkeit wäre das Gymnasium wohl nicht so weit gekommen, meinte Schmalzl.

Persönlichkeits- und Charakterbildung

„Wo, wenn nicht in Ludwigsburg?“, meinte der Erste Bürgermeister Konrad Seigfried. „Eines der vier Gymnasien der Stadt musste Kulturschule werden.“ Die Verwaltung verstehe sich als „Ermöglicher“ weiterer Initiativen. Auch wenn nicht jede Anfrage sofort umgesetzt werden könne: „Manchmal gehört es einfach dazu, hartnäckig zu sein.“

Mit dem Prädikat „Kulturschule“ sei das Gymnasium Vorbild für andere, meinte Henssler. „Was hier geschieht, soll Schule machen“, sagte der Vertreter der Schlecht-Stiftung. Die Geldgeber könnten nur mit Impulsen aushelfen. Sie hofften allerdings darauf, dass die Leistung von jährlich 10 000 Euro vor allem der Persönlichkeits- und Charakterbildung der Schüler zugute komme. Um den Stiftern und den Politikern einen ersten Eindruck von der Kulturarbeit des Schillergymnasiums zu verschaffen, wurden sie im Anschluss an die Feierstunde zu einem Rundgang in die Filmakademie und zu einer Aufführung des Bürgertheaters in die Karlskaserne eingeladen. Im Stück „Akte Oppenheimer“ treten Ganztagsschüler des Schiller-Gymnasiums unter anderem als Lateinschüler auf.