Ludwigsburg Willkommen auf dem Laufsteg Kongoussi

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Die Mädchen vom Atelier Zic-Zac sind stolz auf ihre erste eigene Modekollektion. Anke Wiest hat das Schneiderei-Projekt in der Ludwigsburger Partnerstadt in Burkina Faso aufgebaut. Jüngst war sie wieder in Afrika.

In nur vier Tagen haben die Frauen und Mädchen von Zic-Zac  ihre Kleider entworfen und genäht. Für die Choreografie zur Modenschau haben sie dann zwei Tage geübt. Foto: Wiest
In nur vier Tagen haben die Frauen und Mädchen von Zic-Zac ihre Kleider entworfen und genäht. Für die Choreografie zur Modenschau haben sie dann zwei Tage geübt. Foto: Wiest
Ludwigsburg – - Vor wenigen Tagen war Anke Wiest noch in Kongoussi, wo sie das Atelier Zic-Zac aufgebaut hat. Zehn junge Frauen im Alter zwischen 17 und 23 Jahren lernen dort, Kleidung nach europä­ischen Qualitätsstandards zu nähen. Das Projekt an der Berufsschule in Burkina Faso geht jetzt ins zweite Jahr. Anke Wiest ist zurück mit Erfolgsmeldungen und Erinnerungen an eine beeindruckende afrikanische Modenschau.
Willkommen zurück, Frau Wiest. Sind Sie schon angekommen?
Afrika ist noch immer in meinem Kopf. Und in meinem Herzen sowieso.
Schon wieder haben Sie einen Jahresurlaub in Burkina Faso verbracht. Warum?
Ich habe mit Zic-Zac letztes Jahr etwas angefangen und wollte zeigen, dass ich das Atelier weiter begleite. Ludwigsburg unterstützt in Kongoussi eine Berufsschule. Ich finde es ungerecht, dass ausgerechnet in den ärmsten Ländern Kinder Schulgeld bezahlen – so auch in Burkina Faso. Ich wusste, was ich kann – nämlich nähen, mit Mädchen arbeiten und sie motivieren.
Ist Schneiderin denn ein zukunftsfähiger Beruf in Burkina Faso?
Ja. Damit kann man eine Familie ernähren. Schneider sind dort meistens Männer. Damit ist das Atelier auch gezielt ein Projekt für Frauen. Die vorhandenen Schneider sind überlastet. Man muss lange auf seine Bestellung warten. Außerdem ist den Mädchen moderne Kleidung wichtig. Zudem arbeiten sie bei Zic-Zac auf einem höheren Qualitätslevel. Und sie machen aus den Stoffresten, die die Schneider wegwerfen, Schlüsselanhänger, Schulmäppchen und anderes. Die verkaufen sie entweder vor Ort oder ich in Europa. Der Erlös finanziert ihr Schulgeld, ihren Ausbilder und die Stoffe, die sie sich dann kaufen können, um etwas für sich selbst zu nähen.
Die Frauen haben eine Modenschau ver­anstaltet. Wie darf man sich das vorstellen?
Eine Plastikfolie war der Laufsteg. Über Nacht stand da ein Zelt mit vielen Stühlen, eisgekühlte Getränke gab es auch. Die Musikanlage hat der Bruder des Schuldirektors aus Ouagadougou herbeigeschafft. Geplant war das Ganze für morgens um 9 Uhr, weil da nur 30 Grad sind. Angefangen haben wir dann um 9.30 Uhr bei 40 Grad.
Sonst hat alles geklappt?
Ja, und alle waren sehr stolz danach. Das Publikum hat gejohlt. Die Menschen aus der Gegend wollen jetzt ihre Stoffe zum Nähen zu den Mädchen bringen. Die Schülerinnen konnten nicht nur zeigen, dass sie das Handwerk beherrschen, sondern auch ihren Stil. Sie haben ihre erste eigene Kollektion entworfen. Das fand ich beeindruckend. Innerhalb von vier Tagen haben sie das geschafft. Zwei Tage haben wir gebraucht, um die Choreografie der Modenschau einzuüben.