Ludwigsburger Schul- und Vereinsbad geht in Betrieb Zwischen Baustaub und Chlorgeruch

Von Roland Böckeler 

Am 22. Februar werden die ersten Schüler und Mitglieder von Schwimmvereinen in die Becken des neuen Ludwigsburger Campusbads eintauchen. Sieben Millionen Euro hat es gekostet – soll aber langfristig günstiger sein als das Stadtbad, das gleichzeitig schließt.

Theoretisch ist das Baden schon möglich, in der Praxis dauert es noch bis zum 19. Februar. Foto: factum/Granville
Theoretisch ist das Baden schon möglich, in der Praxis dauert es noch bis zum 19. Februar.Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Staubwolken ziehen über den Schulcampus in der Karlstraße. Das neue Ludwigsburger Schul- und Vereinsbad bekommt im wahren Wortsinn seinen letzten Schliff. Für den Vorplatz werden Steinplatten lautstark zurechtgeschnitten und eingepasst. Staub und Schmutz bleiben auch die Begleiter bei einem Rundgang im Campusbad, doch die Geräuschkulisse ändert sich. Wasser plätschert über die Ränder der beiden Becken, typischer Neubaugeruch von Farbe und frisch verputzten Innenwänden mischt sich mit dem von Hallenbädern vertrauten Chlor.

„Ich bin sehr zufrieden“, sagt Karin Wächter, die Projektleiterin und Abteilungsleiterin Bäder der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim, die auch dieses Bad betreiben werden. Der Bauablauf mit den Handwerkern habe „weitgehend gut geklappt“, was als Lob zu verstehen ist. Die Verzögerungen halten sich in Grenzen, die beim Baggerbiss im Juni 2014 für Ende des vorigen Jahres prognostizierte offizielle Einweihung ist nun auf den 19. Februar verschoben. Die Baukosten mit rund sieben Millionen Euro bewegen sich im kalkulierten Bereich. „Es sind noch nicht alle Rechnungen da“, sagt der Stadtwerke-Chef Bodo Skaletz, aber man liege wohl nur drei bis vier Prozent über Plan. Bei der Ausschreibung des Bads waren die Kosten zwar auf 5,1 Millionen Euro limitiert worden. Doch gleich danach wurde die Wunschliste ans neue Bad größer. „Wir wollten keinen Polo, sondern einen Golf haben“, zieht Skaletz einen automobilen Vergleich.

Mit der Öffnung des Campusbads schließt das Stadtbad

Jener Golf kommt mit einer gehobenen Grundausstattung daher. „Es ist kein Luxus, die Funktion steht im Vordergrund“, sagt Karin Wächter und verweist auf die „schlichte Architektur“ mit Klinkerfassade, viel Sichtbeton, riesigen Glasflächen und 18 jeweils 24 Meter langen, weißen Stahlträgern an der Decke. Der mediterran wirkende, helle Boden im Schwimmbad ist aus Feinsteinzeug, das nobler wirkt als Fliesen und langlebiger sein soll.

Im Gegensatz zum Stadtbad in der Nachbarschaft, dessen Ende mit der Einweihung des Campusbads vollends besiegelt ist, wird das neue Bad von vornherein nicht für den öffentlichen Betrieb geöffnet. „Für ein öffentliches Bad wäre es auch zu eng“, erläutert Karin Wächter, die enge Baulücke habe den Rahmen vorgegeben. Öffentliche Parkplätze direkt am Haus gibt es aus dem gleichen Grund nicht.

Mit Ausnahme des Einweihungstages am 20. Februar wird der Weg von Gästen spätestens am Ende der innen liegenden Eingangstreppe gestoppt: Stolze Eltern können hier durch eine breite Glasfront beobachten, wie der Nachwuchs schwimmen lernt, für sie werden noch Sitzgelegenheiten installiert. Den sogenannten Stiefelgang gehen die Kinder und Mitglieder von Schwimmvereinen aber ohne Begleitung: Hier sollen die Schuhe mit Straßenschmutz ausgezogen werden. Im gleichen Gang werden noch Föhne und Waschbecken angebracht. Ein breite Fensterfläche, ihr weißer Rahmen ist als Sitzfläche vorgesehen, erlaubt den Blick in einen Schulhof – und umgekehrt.

Das große Becken ist wettkampftauglich

Noch setzen die Toiletten mangels Trennwänden eine große Offenheit der Nutzer voraus, bis zum Start wird das natürlich anders sein. Durch Sammelumkleiden und Gemeinschaftsduschen – Armaturen auf grün schimmernden Glasflächen verströmen puristischen und doch noblen Charme – geht es in den Badebereich mit Betonbänken zum kurzen Verschnaufen. Bänke und Boden sind nicht beheizt, nehmen aber die Wärme der Luft auf.

Wer beim Training – der erste Starttag ist der 22. Februar – im großen Becken seine Bahnen ziehen will und das Stadtbad gewohnt ist, braucht ein paar Züge mehr. Statt gut 19 Metern sind nun 25 Meter zu absolvieren. Dazu gibt es sechs statt vier Bahnen. Das große, 1,80 Meter tiefe Becken ist somit wettkampftauglich, wenn auch nicht für Wasserballer – ihnen fehlt es an Höhe im lichtdurchfluteten Raum. Auch für Zuschauer ist kein Platz. „Dafür wird weiter das Stadionbad genutzt“, sagt Astrid Schulte, die Sprecherin der Stadtwerke. Dort sollen auch die Öffnungszeiten verlängert werden, um vor allem am Abend den Badegästen Schwimmfläche zu bieten.

Das kleine Lehrschwimmbecken im Campusbad ist mit genau 16,66 Metern genauso breit wie das große, aber nur zehn Meter lang – und nicht so tief. Es fasst 160 Kubikmeter Wasser im Gegensatz zu 750 im großen Becken. Schwimmer mit Gehbehinderung überwinden den Zugang zum Bad mit einem Treppenaufzug, den Einstieg ins große Becken soll eine spezielle Edelstahltreppe erleichtern, auf der man, flankiert von breitem Geländer, quasi Stufe für Stufe ins Wasser rutscht. Auch wenn sie für Schwimmer mit Handicap konstruiert wurde, gibt es Grenzen: „Das ist kein Therapiebecken“, sagt Karin Wächter.

Wie im Maschinenraum eines Schiffes

Unscheinbare, mit Edelstahlblenden abgedeckte Löcher hinter den Startblöcken sind eine schlichte Verbindung in die Technikwelt darunter: Die Leinen, mit denen die Schwimmbahnen getrennt werden, können hierdurch bei Nichtgebrauch in große Plastiktonnen versenkt werden. Wasser, das sich darin sammelt, wird über kleine Hähne abgelassen. Weit komplexer ist hingegen die Technik für die Wasserhygiene. Wie in einem Schiffsrumpf verlaufen groß dimensionierte Rohre im Untergeschoss, beschriftet etwa mit Reinwasser, Zirkulation oder Schlammwasser.

Raumhoch sind die voluminösen Sandfilter: Jede Stunde werden 310 Kubikmeter Wasser umgewälzt. Das geht nicht geräuschlos vonstatten. Die Techniker der Stadtwerke dürften sich auch deshalb wie im Maschinenraum eines Schiffes fühlen.

Das große Schwimmbecken ragt hängend ins Untergeschoss und wird nur durch wenige Betonpfeiler gestützt. Was Statiker als kein Problem betrachten, hat sogar einen Vorteil, sollte es einmal eine Undichtigkeit geben: Man sieht sie sofort und kann sie beheben. „Bei einem Becken im Boden müsste man sich an die undichte Stelle herangraben“, erklärt Karin Wächter. Aber davon geht für die kommenden Jahrzehnte keiner aus. Ohnehin soll das Campusbad in der Unterhaltung billiger sein als das historische Stadtbad. „Es werden im Jahr 100 000 Euro weniger fällig sein als bisher“, verweist Bodo Skaletz auf Berechnungen aus der Planungszeit.

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