Ludwigsburger Stadtteil feiert 1200-Jahre-Jubiläum Nur Nico Rosberg fehlt beim Oßweiler Seifenkistenrennen

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Die Veranstalter des Oßweiler Seifenkistenrennens hatten mit himmlischen (Wetter) und sehr irdischen (Technik) Problemen zu kämpfen. Doch das Organisationsteam für das 1200-Jahre-Jubiläum im Ludwigsburg Teilort Oßweil hat sich wacker geschlagen.

Rasante Abfahrt in der  selbst gebauten „Frog-Power“-Kiste. Foto:   27 Bilder
Rasante Abfahrt in der selbst gebauten „Frog-Power“-Kiste. Foto:  

Ludwigsburg - Hatten die Veranstalter des Oßweiler Seifenkistenrennens am frühen Samstagmorgen immer wieder ihren Blick beunruhigt gen Himmel und die Regenwolken gerichtet, so gerieten sie kurz vor dem Start zum ersten Lauf wegen ganz anderer, sehr irdischer Probleme ins Schwitzen: alle Mikrofone waren verstummt, weil plötzlich ein Stromgenerator ausgefallen war. Doch das Organisationsteam für das 1200-Jahre-Jubiläum im Ludwigsburger Teilort Oßweil ist inzwischen so gut zusammengeschweißt, dass es nicht nur technischen Defekten trotzen, sondern auch ein komplettes Festwochenende samt sonntäglichem Umzug durch den östlichen Teilort stemmen kann.

Eine Familie räumt die Pokale ab

„Bis auf das Zeitnahmeteam und den Moderator sind wir alle Amateure“, sagt Barbara Krauß vom Jubiläumsfest-Komitee. Sie habe seit zwei Monaten täglich bis zu fünf Stunden in die Vorbereitung des Seifenkistenrennens und des Festumzugs investiert, sagt Sabine Stanjek. Es habe einige unangenehme Überraschungen gegeben, aber alle hätten dabei viel gelernt, sagt Philipp Rösner, dem es in letzter Minute dann doch noch gelang, den Stromgenerator für das Seifenkistenrennen wieder in Gang zu setzen.

Die Kinder im Alter von 8 bis 15 Jahren hatten nicht nur am frühen Morgen Trainingsläufe auf der Strecke östlich des ASV-Vereinsheims absolviert. „Man hat hier in den letzten Wochen immer wieder Kinder in Seifenkisten den Weg abfahren sehen“, sagt Rösner. „Die Begeisterung ist groß.“ Die Ankündigung für das Rennen allein sei jedoch kein Selbstläufer gewesen, sagt Sabine Stanjek. „Erst als wir einen Workshop zum Bau von Seifenkistenwagen veranstaltet haben, kamen die Anmeldungen.“ Am Ende sind 44 kleine Fahrerinnen und Fahrer an den Start gegangen.

Das Regelement sah vor, dass jeder zweimal die 500 Meter lange Gefällstrecke abfahren durfte. Gewertet wurde am Ende die beste der beiden genommenen Zeiten. Lieber als gegen die Zeit, wäre manches Kind gegen einen unmittelbaren Kontrahenten gefahren. „Simon wäre gern gegen Nico Rosberg gefahren“, verkündete der SWR-Moderator Jürgen Klotz. „Wir haben alles versucht, aber es hat leider nicht geklappt.“ Rosberg habe eine Verpflichtung beim Großen Preis von Österreich. Rund um das Rennen waren auch die Väter mächtig eingespannt. Weil manches Fahrzeug mehrmals von einem Team gefahren wurde, mussten die Väter die Seifenkisten rasch vom Ziel zum Start hochschleppen und sie dort einsatzbereit machen.

Am Ende holte sich eine Familie die begehrten Pokale: bei den Jungen siegte Samuel Sczepansky und bei den Mädchen Angelina Sczepansky. Damit ging auch die Family-Trophy an die Sczepanskys. Den Teamcup gewann der Musikverein Oßweil. Die schnellste Einzelzeit fuhr Erik Reischel (47,43 Sekunden). Zur schönsten Seifenkiste wurde ein Renner vom Team „Rennschnecke“ gekürt.

1600 sind mitmarschiert

Auch der große Festumzug durch das Oßweiler Zentrum am Sonntag war eine Premiere fürs Jubiläumskomitee. Hatte sich der Bürgerverein schon neulich beim Ludwigsburger Pferdemarktumzug mit zwei Zugnummern beteiligt, so wurde nun alles im Teilort mobilisiert, was gehen oder fahren konnte. „Das einzige, was uns im Gegensatz zum Pferdemarktumzug fehlt, sind die Gespanne“, sagte Philipp Rösner. „Ansonsten aber laufen bei uns sehr viel mehr Leute mit.“ Nach Angaben der Veranstalter marschierten am Sonntagnachmittag 1600 der 10 800 Einwohner Oßweils im Umzug mit. Darunter viele Kindergärten und Schulklassen.

Ganz ohne Pferde musste auch der Oßweiler Umzug nicht auskommen. Der Reit- und Fahrverein und die Reitsportgruppe präsentierten sich hoch zu Ross. Und Oberbürgermeister Werner Spec durfte in der Ehrenkutsche Platz nehmen, während einige Stadträte aus der Ludwigsburger Oberleitungsbahn grüßten – einer Alternative zur Stadtbahn, die bis 1926 auf dem Weg vom Hauptbahnhof nach Remseck-Aldingen auch in Oßweil Halt machte.

An diesem Montag wird auf dem Festplatz Hinter der Holderburg weitergefeiert. Das Jubiläumsfeier ist damit aber noch nicht zu Ende. Der eigentliche große Festakt wird am Freitag, 21. Oktober, von 19 Uhr an in der Oßweiler Mehrzweckhalle gefeiert. Einen Tag später wird dort ein Rockkonzert stattfinden und am Sonntag, 23. Oktober, ein Familienfest.