Lutherhaus in Stuttgart-Vaihingen Beim Mittagstisch geht es nicht nur ums Essen

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Die evangelische Gemeinde bietet jeden Mittwoch einen Mittagstisch für Senioren an. Seit Jahresbeginn steht das Angebot unter einer neuen Leitung.

Renate Silberberger und Renate Langner (von links) haben sich 23 Jahre lang für den Mittagstisch engagiert. Nun haben sie den Stab weitergegeben an die Pfarramtssekretärin Christiane Lander und die Mesnerin Barbara Schimek (von rechts). Foto: Alexandra Kratz
Renate Silberberger und Renate Langner (von links) haben sich 23 Jahre lang für den Mittagstisch engagiert. Nun haben sie den Stab weitergegeben an die Pfarramtssekretärin Christiane Lander und die Mesnerin Barbara Schimek (von rechts).Foto: Alexandra Kratz

Vaihingen - Renate Silberberger kann sich noch gut an den ersten Mittagstisch erinnern. Damals kamen zwölf Senioren in das umgebaute Lutherhaus an der Kaltentaler Straße 1. Das Angebot sprach sich schnell herum. In den besten Jahren waren es 90 Gäste. „Dann mussten wir bremsen“, sagt Silberberger und lacht. In der kleinen Küche des Gemeindehauses konnte das Team nicht für noch mehr Leute kochen. Und mehr Stühle gab es auch nicht.

Der damalige Pfarrer Ulrich Glatzle hatte den Mittagstisch ins Leben gerufen. Möglich war das, weil das Anfang der 1990er-Jahre umgebaute Lutherhaus auch mit einer Küche ausgestattet war. Der Pfarrer konnte Renate Silberberger als Teamleiterin gewinnen. Als gelernte Hauswirtschaftsleiterin war sie für diese Aufgabe bestens geeignet. Auch Renate Langner war von Anfang an mit dabei. Die frühere Pfarramtssekretärin kannte fast jeden mit Namen, der zum Mittagstisch kam. „Das war wichtig“, sagt Silberberger. Denn am Anfang hatten viele doch ein wenig Scheu. „Aber wenn sie dann jemanden kannten und am besten auch noch neben jemandem sitzen konnten, den sie kannten, dann kamen sie gern wieder“, sagt Silberberger.

Jedes Mal wird mindestens einmal richtig gelacht

Beim Mittagstisch der evangelischen Kirchengemeinden geht es um mehr als nur ums Essen. Für viele ältere Menschen ist es eine gute Gelegenheit, um aus den eigenen vier Wänden raus zu kommen, um mal wieder in Gesellschaft zu sein und ein Schwätzchen zu halten. „Wir sind kein Restaurant, wo man nach dem Essen einfach aufsteht und geht“, sagt Silberberger. Ihre Mitstreiterin ergänzt: „Die Menschen freuen sich, wenn man sie fragt, wie es ihnen geht und wenn man ihnen mal ein Kompliment macht.“ Silberberger fügt noch hinzu: „Jedes Mal musste mindestens einmal richtig gelacht werden.“

Fast jeden Mittwoch stand Renate Silberberger bereits morgens um 8 Uhr in der Küche im Lutherhaus. „Alles war selbst gemacht – von der Knochenbrühe bis zum Dessert“, betont die Seniorin. Ein wenig später trudelten die anderen Helfer ein. Renate Langner kam immer um 12 Uhr direkt vom Pfarramtssekretariat ins Lutherhaus, um ebenfalls mit Hand anzulegen. Renate Silberberger sei eine strenge Küchenchefin gewesen, sagt ihre Freundin Renate Langner. „Aber das musste sie auch sein, sonst hätte es nicht funktioniert“, gibt sie zu. Und wenn die Küchenchefin wirklich mal verhindert war? „Dann haben wir schnell gemerkt, wie sehr sie uns fehlt“, sagt Langner. Dabei sei es nicht immer ganz leicht gewesen, sich als Küchenchefin durchzusetzen. „Schließlich waren wir alle gestandene Hausfrauen. Und jeder hat beim Kochen so seine eigenen Vorstellungen“, so Langner. Doch im Grunde sei es immer ein tolles Team gewesen. „Wir haben auch immer die Gemeinschaft der Mitarbeitenden sehr gepflegt, haben zusammen gefeiert und Ausflüge gemacht“, sagt Silberberger.

Der Mittagstisch unter neuer Leitung

Seit Dezember engagieren sich die beiden Freundinnen nicht mehr für den Mittagstisch. „Ich bin jetzt in Rente, und es ist Zeit, einen Schnitt zu machen“, sagt Silberberger. Den Mittagstisch wird es aber auch künftig geben: mit einem neuen Team, einer neuen Leitung und einem neuen Konzept. Die Mesnerin Barbara Schimek und die Pfarramtssekretärin Christiane Lander zeichnen nun für das Angebot verantwortlich. Die Küche des Lutherhauses bleibt künftig kalt. Ein Caterer liefert das Essen an, im Übrigen derselbe, der auch die Freie Evangelische Schule und das evangelische Kinderhaus Bunte Welt versorgt. „Das Essen selbst zu kochen, das können wir nicht leisten“, sagt die Mesnerin. Gleichwohl ist die neue Aufgabe für die beiden Frauen kein Neuland. Sie bringen Erfahrungen von den Kocheltern im Fanny-Leicht-Gymnasium und aus der Waldheimküche mit. Zuletzt kamen immer etwa 25 Senioren zum Mittagstisch. Schimek und Lander hoffen, dass diese dem Angebot treu bleiben. Und dass sich vielleicht auch noch ein paar neue dazu gesellen.

Die Gemeinde lädt jeden Mittwoch zum Mittagstisch in das Lutherhaus an der Kaltentaler Straße 1 ein. Das Team serviert um 12 Uhr das Essen. Es gibt eine Suppe, ein Hauptgericht und ein Dessert. Wer will, kann auch vegetarisch essen. Das Menü kostet fünf Euro. Über Einzelheiten informiert die Pfarramtssekretärin unter Telefon 73 28 03.

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