Magstadt: Filmdreh der Kinoproduktion Kreuzweg Leidensweg einer 14-Jährigen

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Ufa Fiction dreht in Magstadt, in der Region und in Berlin den Kinofilm „Kreuzweg“. Es geht um rigiden Katholizismus, unter dem eine 14-Jährige leidet und ihr Leben lässt.

Regisseur Dietrich Brüggemann (links) lässt das Firmgespräch proben. Foto: factum/Granville
Regisseur Dietrich Brüggemann (links) lässt das Firmgespräch proben.Foto: factum/Granville

Magstadt - Welche Bedeutung hat die Firmung für unser Leben?“, fragt Pater Weber (Florian Stetter) die vier Mädchen und zwei Jungs, die an einem Holztisch sitzen. Die 14-jährige Maria (Lea van Acken) schaut ihn unsicher und leicht verstört an. „Die Kindheit endet, das geistliche Leben

beginnt“, fasst Pater Weber zusammen, der seinen Zöglingen vor der Firmung die Leviten liest. Die Jugendlichen erleben eine streng katholische Erziehung in der Kinoproduktion „Kreuzweg“ des Südwestrundfunks (SWR), unter der besonders Maria leidet. Autor und Regisseur ist Dietrich Brüggemann, der das Drehbuch mit seiner Frau Anne verfasst hat. „Wir verarbeiten damit auch eigene Erfahrungen und wollen zeigen, wohin ein fanatischer Glaube letztlich führen kann“, sagt der 37-Jährige.

„Wer das Sakrament der Firmung erhält, ist ein Soldat Jesu“

Eine zentrale Rolle spielt dabei Pater Weber. Wer das Sakrament der Firmung erhalte, werde „ein Soldat Jesu Christi“, sagt er mit pathetischem Unterton. Die Schlacht werde im Herzen geführt. Es gelte klar zu unterscheiden zwischen Gut und Böse. Der Geistliche bekämpft „aufreizende Kleidung, unkeusche Bilder und anturnende Popmusik im Radio, bei der man sich verführen lässt und Tanzen möchte“.

Maria versucht, den Verlockungen des Alltags zu widerstehen, und wächst in zwei getrennten Welten auf. In der Schule hat sie Spaß, doch zu Hause ist vieles verpönt. Denn ihre Filmfamilie hängt dem Glauben der Priesterbruderschaft Sankt Paulus an, einer erzkonservativen Spielart der katholischen Kirche, die eng an die tatsächlich existierende Pius-Bruderschaft angelehnt ist. Die 14-Jährige gerät in große Gewissensnöte, als sich ein Junge für sie interessiert, sie aber keine Beziehung anfangen darf. Sie beschließt schließlich, Jesus zu folgen und ihm ihr Leben als Opfer anzubieten. Maria überlebt in der tragischen Geschichte nicht. Viel mehr aber wollen die Filmemacher über die Handlung nicht verraten.

Brüggemann, der selbst von seinem 13. bis 18. Lebensjahr in Magstadt aufwuchs und das Sindelfinger Stiftsgymnasium besuchte, kennt „das Spannungsfeld zwischen fundamentalistisch geprägten Katholiken und eingefleischten Pietisten“, wie er sagt. Er will aber nicht nur Kritik üben an den Auswüchsen eines rigiden Glaubens und zeigen, wie er junge Menschen prägt, sondern auch darstellen, „wie schön christliche Kultur sein kann“. Wenn die Kirche blumengeschmückt ist und eindringliche Orgelklänge ertönen.

14 Einstellungen gibt es in dem Streifen, die sich an die 14 Stationen der traditionellen Kreuzwegandacht des Leidens und Sterbens Jesu Christi anlehnt. Vier davon befinden sich im XXL Mietstudio in Magstadt. Der Gruppenraum für die Gespräche der Firmlinge, das Esszimmer der Familie von Maria, eine Arztpraxis und ein Beichtstuhl. Zwölf Proben und 14 Drehtage sind angesetzt, die am 15 .Oktober begonnen haben und am 13. November beendet sein sollen. Gedreht wird auch in Schulen in Remseck und Bönnigheim (Kreis Ludwigsburg) sowie in Waiblingen. Die Kinder – für die meisten ist es ihr erster Film – sind vom Schulunterricht befreit. Die Hamburgerin Lea van Acken hat Unterrichtsmaterialien dabei, die sie neben den Drehs durcharbeitet.

Produziert wird der 90-Minuten- Streifen von der Ufa Fiction in Ludwigsburg. Dafür steht ihr ein Budget von 1,2 Millionen Euro zur Verfügung. Die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg steuert 200 000 Euro bei, der SWR und Arte 600 000 Euro. Den Rest bezahlt das Medienbord Berlin-Brandenburg, weil auch in der Bundeshauptstadt gedreht wird, sowie der Deutsche Filmförderfonds. Das Werk soll so authentisch wie möglich werden. Damit dies auch erfüllt werden kann, schlägt Brüggemann bei den Proben vor: „Am Sonntag könnten wir eigentlich in die Kirche gehen.“