InterviewMaj Puskaric Erfolg mit Urin

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Und, was ist das Rezept Ihres Erfolgs?
Wie jeder weiß, besteht natürlicher Urin zum größten Teil aus Wasser, aus Harnstoff, Salzen, Phosphaten und Säuren. Aber was in meinem synthetischen Urin drin ist, verrate ich natürlich nicht.
Haben Sie ein Patent angemeldet?
Nein, dann müsste ich mein Rezept preisgeben – und jeder könnte es anwenden, sobald der Patentschutz ausläuft. Ich will aber die Nummer eins bleiben.
Wer sind Ihre Kunden?
Ganz allgemein: alle möglichen Firmen und Institute, die wissen wollen, wie ein Material auf Körperflüssigkeiten reagiert.
Konkret: Wer kauft Ihren Urin DinEN 1616?
Hauptsächlich Lackproduzenten. Die können damit testen, ob eine Oberfläche beschädigt wird, wenn sich Urin darauf absetzt.
Und wer hat Bedarf an dem Produkt, das Sie als Morgen-Urin-Imitat anbieten?
Dieses Imitat haben wir speziell für einen Kunden entwickelt. Morgen-Urin ist etwas dickflüssiger und fließt deshalb langsamer. Das Produkt wird unter anderem verwendet, um Filtersysteme zu prüfen.
Riecht Kunst-Harn?
Wenn es sein muss, ja. Für Hersteller von Katzenstreu etwa ist es sehr wichtig, dass er riecht. Sie müssen ja wissen, ob ihr Streu den Gestank neutralisiert.
Sie machen also auch Tier-Urin?
Inzwischen ja. Und da staune ich selbst immer wieder, was wir für Anfragen bekommen. Für eine Firma in Kanada und in Skandinavien etwa haben wir einen Lockstoff für Elchkühe entwickelt, damit sie besser bejagt werden können. Weil Elchkühe auf Urin von Elchbullen abfahren, haben wir dieses Mittel eben künstlich hergestellt.
Und wer hat Bedarf an Rinder- und an Schweine-Pipi?
Veterinärämter. Die testen damit, ob ihre Verfahren zum Nachweis von Tierkrankheiten funktionieren.
Wie haben die Firmen ihre Produkte getestet, als es Ihren künstlichen Urin nicht gab?
Teilweise mit echtem Urin, was ich ziemlich unhygienisch finde. Und teilweise mit Lösungen, die besonders viel von jenen Substanzen enthielten, deren Verträglichkeit getestet werden sollte. Mit Urin hatte das nicht unbedingt was zu tun. Allerdings gab es viele der heutigen Prüfverfahren damals auch noch nicht. Inzwischen werden die Unternehmen in Europa aber zu immer mehr Nachweisen verpflichtet. Ich war sozusagen meiner Zeit voraus.