InterviewMaj Puskaric Flüssiges Gold

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Maj Puskaric alias „Captain Mittelstrahl“ hat als Bildhauer gearbeitet, bis ihm etwas Unerwartetes gelang: die Herstellung von künstlichem Urin. Nun arbeitet der 39-Jährige in Eberdingen-Nussdorf erfolgreich als Erfinder.

Maj Puskaric hat viele Gesichter: Hier ist er lässiger Geschäftsmann. Foto: Martin Stollberg
Maj Puskaric hat viele Gesichter: Hier ist er lässiger Geschäftsmann.Foto: Martin Stollberg

Eberdingen - Die Tür geht auf, und es knallt. Durch die Luft rieseln glitzernde, aus einer Pistole katapultierte Riesenkonfetti. Der Besucher zuckt, der Hausherr lacht. Sein Plan läuft gut an. Maj Puskaric’ Plan besagt: „Wir liefern jedem Besucher eine geile Show.“ Dabei ist eine Visite in dem Haus in Eberdingen-Nussdorf auch ohne Knalleffekt beeindruckend.

Das Großraumbüro im ersten Stock sieht mit seinen Sitzsäcken und Schaukeln aus wie ein Kinderzimmer. An den Werkbänken im Erdgeschoss läuft außer den Arbeitsgeräten auch das Radio. Und der Blick in die Wohnküche lässt auf gesellige Mittagspausen schließen.

In dieser Atmosphäre entstehen der synthetische Urin, den Maj Puskaric erfunden hat, und die anderen, nun ja, kuriosen Produkte, die inzwischen zum Sortiment des Selfmade-Geschäftsmanns gehören, der auch als „Captain Mittelstrahl“ bekannt ist.

Herr Puskaric, wie darf man Sie bezeichnen?
Visionär wäre ganz gut. Oder Erfinder.
Stellen Sie sich so Ihren Kunden vor?
Meistens sage ich: Ich bin Pipihersteller. Manchmal auch: Ich mache Urin zu Geld.
Wie reagieren die Leute darauf?
Am Anfang haben mich alle belächelt. Aber als ich dann die erste Rechnung über 1000 Euro schreiben konnte, sah es schon anders aus. Inzwischen ist es so, dass meine Story super ankommt, besonders bei Frauen. Die finden das irgendwie cool.
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, synthetischen Urin zu erfinden?
Die Geschichte begann mit einer Wette gegen meinen Steuerberater. Ich wollte beweisen, dass man – mit Verlaub – aus Scheiße Gold machen kann. Deshalb musste ich etwas erfinden, das viel gekauft wird, und bei dem ich eine gute Marge habe. Der synthetische Urin war genau die richtige Idee. Und das Allerbeste dabei ist: ich habe fast keine Konkurrenz. In Amerika gibt es ähnliche Produkte, aber nicht so vielfältige.
Wie kommt das?
Ich bin der einzige Kunst-Urin-Anbieter, weil offenbar niemand wusste, dass man Pipi aus dem Chemiebaukasten zusammenstellen kann. Selbst Chemiker, mit denen ich gesprochen habe, hielten das nicht für möglich. Aber ich habe einfach rumexperimentiert. Viele meiner Versuche sind misslungen, die Flüssigkeiten haben geflockt oder schimmelten schnell. Aber nach einem halben Jahr hatte ich es geschafft.