Makatsch, Böhmermann & Co. – die Fernsehhöhepunkte 2016 Worauf wir uns 2016 freuen dürfen

Von ahi 

Immer, wenn es totgesagt wird, kommt das Fernsehen mit frischen Formaten um die Ecke. Dabei ist es keineswegs so, dass mit dem Bildschirm auch das Programm flacher wird – eine Auswahl von Sendungen, von denen wir uns einiges erwarten dürfen.

Heike Makatsch als  Hauptkommissarin Ellen Berlinger im  „Tatort: Fünf Minuten Himmel“ aus Freiburg Foto: ARD 8 Bilder
Heike Makatsch als Hauptkommissarin Ellen Berlinger im „Tatort: Fünf Minuten Himmel“ aus FreiburgFoto: ARD

Stuttgart - Kinder, die gegen den Krebs kämpfen, Heike Makatsch im neuen Freiburg-Tatort, und eine überraschende Talk-Reihe mit Olli Schulz und Jan Böhmermann – das neue Jahr verspricht Abwechslung auf dem Fernsehbildschirm. Eine kleine Auswahl dessen, was 2016 läuft.

Schon wieder ein neuer „Tatort“ und jetzt auch noch in Freiburg? Das ist das erste, was man denkt, wenn man hört, dass der SWR als Marktführer unter den „Tatort“-Produzenten sein Revier jetzt auch noch in Freiburg markiert hat. Die kleine, aber quirlige Universitätsstadt ist schon der vierte Schauplatz, nach Ludwigshafen, dem Bodensee und Stuttgart.

Aber bevor im kommenden Jahr das neue Team um Harald Schmidt in Freiburg und im Schwarzwald ermittelt, kommt jetzt einmalig Heike Makatsch als Ellen Berlinger zum Einsatz, eine Kommissarin, die vierzehn Jahre lang als verdeckte Ermittlerin in London gearbeitet hat und jetzt an jenen Ort zurückkehrt, an dem ihre Tochter in der Obhut der Großmutter lebt. Und diese Personalie versöhnt einen dann doch mit dem „Tatort“-Overkill. Denn Heike Makatsch („Hildegard Knef“, „Margarethe Steiff“) ist zwar eine der meistbeschäftigten deutschen Schauspielerinnen, aber als Kommissarin hat man sie noch nicht gesehen.

War es Suizid? Oder Mord? Diese Frage steht am Ende eines der größten politischen Skandale im Nachkriegsdeutschland. Es geht um den Sturz und mysteriösen Tod des Kieler Ministerpräsidenten Uwe Barschel (CDU), der den SPD-Oppositionsführer Björn Engholm im Wahlkampf mit einer Verleumdungskampagne diskreditiert hatte. Der Rest der Geschichte aus dem Jahr 1987 ist bekannt. Barschel trat von seinem Amt zurück und wurde einige Tage später tot in der Badewanne eines Hotels in Genf aufgefunden. Angeblich hatte sich der Politiker das Leben genommen, doch bis heute gibt es Zweifel an dieser Version: ein Plot wie aus einem Stephen-King-Roman.

Der Regisseur Kilian Riedhof hat daraus einen 180-minütigen Politthriller gestrickt, erzählt aus der Sicht zweier Journalisten, die den Skandal aufdecken. Die Frage, wie Barschel (Matthias Matschke) starb, bleibt freilich offen. Riedhoff sagt: „Uns war wichtig, dass der Film sein Geheimnis behält.“

Es war die erste fiktionale Eigenproduktion der RTL-Schwester Vox und der Überraschungserfolg 2015. Über zwei Millionen Zuschauer schalteten an den stärksten Tagen ein, wenn der „Club der Roten Bänder“ vom Alltag in einer fiktiven Krebsstation für Kinder und Jugendliche erzählte. Der Krebs als Hauptdarsteller einer Serie, so etwas hat es hierzulande noch nicht gegeben. Und es zeichnete diese Serie aus, dass sie ebenso schonungslos wie einfühlsam davon erzählt, wie fünf Teenager gegen diese Krankheit kämpfen: kein rührseliges Melodrama, sondern ein Plädoyer für die Kraft der Freundschaft. Die Drehbücher beruhen auf einer wahren Geschichte des spanischen Autors Albert Espinosa. Vox zeigt ab Herbst eine neue Staffel.

An den Namen werden sich Karl-May-Fans gewöhnen müssen. Nik Xhelilaj heißt der neue Winnetou, an Weihnachten kann man dem Albaner dabei zusehen, wie er mit Wotan Wilke Möhring als Old Shatterhand die Prärie aufmischt. Die Messlatte hängt hoch. Denn mit Winnetou verbinden viele immer noch Pierre Brice, den Hauptdarsteller der Filme aus den sechziger Jahren. RTL hat es trotzdem gewagt und mit Jürgen Vogel, Mario Adorf und Milan Peschel ein hochkarätiges Ensemble in die Prärie geschickt. Regie führt Philipp Stölzl, der seine Karriere als Regisseur von Musikvideos für Madonna begann. Die Dreharbeiten fürs Remake führten die Crew nach Kroatien, wo schon der alte „Winnetou“ spielte. Yippeah-yeah!

Zwei Männer, Whiskey, Aschenbecher und dazu scheinbar wahllos eingeladene Gäste: das ist das Setting für „Schulz & Böhmermann“, den neuen Talk bei ZDF Neo. Klingt retro, ist retro und geeignet, dem Genre eine Frischzellenkur zu verpassen. Denn Talkshows kranken daran, dass sie kaum Luft für Überraschungen lassen. Olli Schulz & Jan Böhmermann (rechts) kann das nicht passieren: ein Team wie Nitro & Glyzerin, „nicht vermittelnd, sondern Partei ergreifend, polemisierend, gerne provozierend, dabei jedoch charmant und freundlich“.

So bewirbt ZDF Neo den Talk. Er lehnt sich an „Roche & Böhmermann“ an, das 2012 eingestellt wurde. Die Chemie zwischen den Gastgebern soll nicht gestimmt haben. Dieses Problem wird es dieses Mal nicht geben. Der Liedermacher Olli Schulz gibt Jan Böhmermann schon seit einer Weile erfolgreich Kontra in der Talkshow „Sanft & Sorgfältig“ beim RBB.