Manager ohne Grenzen
Mehr Gelassenheit in Äthiopien
Christine Keck,
14.03.2010 10:23 Uhr
Die Managerin Katja Pilzecker hat sich eine Auszeit vom Alltag gegönnt. Sie erstellte in einem äthiopischen Modellprojekt einen Businessplan für eine Saftproduktion. Foto: Stoppel
Addis Abeba - Einige ihrer Freunde und Kollegen erklärten Katja Pilzecker für komplett verrückt. "Da hast du keinen Komfort", "da gibt es nicht einmal immer Strom" wurde die Managerin bei der Deutschen Bahn gewarnt, als sie verkündete, für sechs Wochen ins ländliche Äthiopien zu reisen. Nicht um Sehenswürdigkeiten abzuklappern, sondern um als ehrenamtliche Unternehmensberaterin auf einer Modellfarm ihr Wissen einzubringen. Ihr Ziel war, einen Businessplan für eine Saftproduktion anzustoßen - und das während ihres Jahresurlaubs.
"Ich brauchte dringend eine Auszeit", erzählt Pilzecker. Als Führungskraft im Bereich Güterverkehr der Bahn sind für die Betriebswirtschaftlerin Zehnstundenarbeitstage und ständiges Kofferpacken für Dienstreisen nichts Ungewöhnliches. "Das ist ein Hochleistungsjob", sagt Pilzecker, die ihre Arbeit ausgesprochen gern macht. Doch als sich ihr 40. Geburtstag näherte, sehnte sich die Powerfrau nach einer Zäsur. Etwas Besonderes sollte es sein, etwas, um den Kopf wieder freizubekommen für die Welt außerhalb des Büros. Sie stieß im Internet auf die Homepage der Stuttgarterin Helene Prölß und ihrer Stiftung Manager ohne Grenzen und wusste nach einigen Telefonaten: "Das passt zu mir."
Die Stiftung vermittelt Fach- und Führungskräfte für einige Wochen oder Monate in Drittweltländer. Sie sollen Hilfs- und Aufbauprojekte, die auf Nachhaltigkeit setzen, begleiten, sie sollen als Spezialisten auf Zeit andere an ihren Fachkenntnisse teilhaben lassen. "Wir wollen nicht die Welt retten, und wir sind auch keine Entwicklungshelfer", betont die 58-jährige Gründerin der Stiftung Helene Prölß. "Aber stellen Sie sich mal vor, jede Führungskraft in Deutschland stellt sechs Wochen ihrer Zeit zu Verfügung. Das würde eine enorme Hilfswelle auslösen."
Ihr eigener Burn-out hat die Betriebswirtin, vierfache Mutter und Marketingexpertin auf die Idee gebracht, andere zu motivieren, sich Pausen zu verschaffen. "Wie viel Auszeit benötigt ein Mensch, um ein langes Berufsleben gut durchzuhalten", hat sich Prölß gefragt und festgestellt, dass das Bedürfnis vieler Workaholics nach einem Innehalten und Reflektieren groß ist. In Anlehnung an die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen gründete sie 2008 ihre Stiftung und hat momentan rund 60 Interessenten. Egal ob Techniker, Betriebswirt, Unternehmer oder Sozialpädagoge - Prölß versucht für jeden Experten ein passendes Projekt zu finden, sie hat Kontakte in Länder wie Tansania, Nepal oder Togo.
Für die entstehenden Kosten muss jeder selbst aufkommen, die Gebühr für die Platzierung beträgt 1200 Euro. Darin enthalten ist ein Vorbereitungsseminar, bei dem es um interkulturelle Kompetenz, praktische Reisetipps oder auch Persönlichkeitsstärkung geht. "Außerdem werden die Teilnehmer während des Auslandsaufenthaltes begleitet", versichert Prölß, die längst nicht alle Ausstiegswilligen losschickt. "Es müssen gestandene Leute sein", setzt sie voraus. Unerschrockene, die auch mal ein Meeting unter freiem Himmel auf dem Sandboden abhalten und ohne Sekretariat ihre Arbeit bewältigen könnten.
Übernachten im Zelt statt im Fünfsternehotel und ein Büro ohne Klimaanlage - das ist nicht jedermanns Sache. Doch Prölß weiß, dass manche Führungs- und Fachkräfte genau diesen Kontrast gezielt suchen. Für Katja Pilzecker, die Ende Januar aus Äthiopien zurückgekehrt ist, hat die Reise ihren Blick auf die Welt verändert. Das Wesentliche sei wieder in den Mittelpunkt gerückt, sagt die 40-Jährige, die in Echterdingen aufgewachsen ist. "Man lernt eine gewisse Art der Demut."
Längst nicht alles ist in Äthiopien so gelaufen, wie die Managerin es erwartet hat. Sie ging davon aus, dass die Saftproduktion in dem Versuchsbetrieb bald starten würde. Als sie ankam, waren die ersten Apfelbäume aber gerade erst gesetzt worden. So machte Pilzecker das Beste daraus und half dem Geschäftsführer beim Erstellen eines Businessplans. Wie viele Obstsorten sollen angebaut werden? Wie muss die Produktionsanlage aussehen? Wie können Hotels und Restaurants als künftige Kunden geworben werden?
"Es fehlte ein ganzheitlicher Blick auf das Projekt", sagt Pilzecker , die so manche Idee auf den Weg bringen konnte. Sie führte einen gedruckten Newsletter ein, der die Mitarbeiter auf dem Laufenden halten soll, und erstellte einen englischsprachigen Leitfaden zum Thema Projektmanagement. Die Mitarbeit war nicht immer einfach angesichts der rigiden Hierarchien und kulturellen Gegensätze. "Als Weißer bist du ein Marsmensch", lacht Pilzecker und ist begeistert davon, wie herzlich sie überall aufgenommen wurde.
"Ich bin gelassener zurückgekommen", sagt die Managerin, die weiterverfolgen will, was aus dem Projekt wird. Auch ihr Verhältnis zur Zeit habe sich verändert: "Es muss nicht alles so schnell gehen."
"Ich brauchte dringend eine Auszeit", erzählt Pilzecker. Als Führungskraft im Bereich Güterverkehr der Bahn sind für die Betriebswirtschaftlerin Zehnstundenarbeitstage und ständiges Kofferpacken für Dienstreisen nichts Ungewöhnliches. "Das ist ein Hochleistungsjob", sagt Pilzecker, die ihre Arbeit ausgesprochen gern macht. Doch als sich ihr 40. Geburtstag näherte, sehnte sich die Powerfrau nach einer Zäsur. Etwas Besonderes sollte es sein, etwas, um den Kopf wieder freizubekommen für die Welt außerhalb des Büros. Sie stieß im Internet auf die Homepage der Stuttgarterin Helene Prölß und ihrer Stiftung Manager ohne Grenzen und wusste nach einigen Telefonaten: "Das passt zu mir."
Stiftung "Manager ohne Grenzen" hilft enorm
Die Stiftung vermittelt Fach- und Führungskräfte für einige Wochen oder Monate in Drittweltländer. Sie sollen Hilfs- und Aufbauprojekte, die auf Nachhaltigkeit setzen, begleiten, sie sollen als Spezialisten auf Zeit andere an ihren Fachkenntnisse teilhaben lassen. "Wir wollen nicht die Welt retten, und wir sind auch keine Entwicklungshelfer", betont die 58-jährige Gründerin der Stiftung Helene Prölß. "Aber stellen Sie sich mal vor, jede Führungskraft in Deutschland stellt sechs Wochen ihrer Zeit zu Verfügung. Das würde eine enorme Hilfswelle auslösen."
Ihr eigener Burn-out hat die Betriebswirtin, vierfache Mutter und Marketingexpertin auf die Idee gebracht, andere zu motivieren, sich Pausen zu verschaffen. "Wie viel Auszeit benötigt ein Mensch, um ein langes Berufsleben gut durchzuhalten", hat sich Prölß gefragt und festgestellt, dass das Bedürfnis vieler Workaholics nach einem Innehalten und Reflektieren groß ist. In Anlehnung an die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen gründete sie 2008 ihre Stiftung und hat momentan rund 60 Interessenten. Egal ob Techniker, Betriebswirt, Unternehmer oder Sozialpädagoge - Prölß versucht für jeden Experten ein passendes Projekt zu finden, sie hat Kontakte in Länder wie Tansania, Nepal oder Togo.
Für die entstehenden Kosten muss jeder selbst aufkommen, die Gebühr für die Platzierung beträgt 1200 Euro. Darin enthalten ist ein Vorbereitungsseminar, bei dem es um interkulturelle Kompetenz, praktische Reisetipps oder auch Persönlichkeitsstärkung geht. "Außerdem werden die Teilnehmer während des Auslandsaufenthaltes begleitet", versichert Prölß, die längst nicht alle Ausstiegswilligen losschickt. "Es müssen gestandene Leute sein", setzt sie voraus. Unerschrockene, die auch mal ein Meeting unter freiem Himmel auf dem Sandboden abhalten und ohne Sekretariat ihre Arbeit bewältigen könnten.
Ein paar Wochen ohne Luxushotel
Übernachten im Zelt statt im Fünfsternehotel und ein Büro ohne Klimaanlage - das ist nicht jedermanns Sache. Doch Prölß weiß, dass manche Führungs- und Fachkräfte genau diesen Kontrast gezielt suchen. Für Katja Pilzecker, die Ende Januar aus Äthiopien zurückgekehrt ist, hat die Reise ihren Blick auf die Welt verändert. Das Wesentliche sei wieder in den Mittelpunkt gerückt, sagt die 40-Jährige, die in Echterdingen aufgewachsen ist. "Man lernt eine gewisse Art der Demut."
Längst nicht alles ist in Äthiopien so gelaufen, wie die Managerin es erwartet hat. Sie ging davon aus, dass die Saftproduktion in dem Versuchsbetrieb bald starten würde. Als sie ankam, waren die ersten Apfelbäume aber gerade erst gesetzt worden. So machte Pilzecker das Beste daraus und half dem Geschäftsführer beim Erstellen eines Businessplans. Wie viele Obstsorten sollen angebaut werden? Wie muss die Produktionsanlage aussehen? Wie können Hotels und Restaurants als künftige Kunden geworben werden?
"Es fehlte ein ganzheitlicher Blick auf das Projekt", sagt Pilzecker , die so manche Idee auf den Weg bringen konnte. Sie führte einen gedruckten Newsletter ein, der die Mitarbeiter auf dem Laufenden halten soll, und erstellte einen englischsprachigen Leitfaden zum Thema Projektmanagement. Die Mitarbeit war nicht immer einfach angesichts der rigiden Hierarchien und kulturellen Gegensätze. "Als Weißer bist du ein Marsmensch", lacht Pilzecker und ist begeistert davon, wie herzlich sie überall aufgenommen wurde.
"Ich bin gelassener zurückgekommen", sagt die Managerin, die weiterverfolgen will, was aus dem Projekt wird. Auch ihr Verhältnis zur Zeit habe sich verändert: "Es muss nicht alles so schnell gehen."
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