|
|
Bild 1 von 3 |
|
zum Thema
Augsburg - Mohamed Amsif stand etwas verloren vor der Kamera, in seinen Händen hielt er Manuel Neuers Trikot. Früher haben sie zusammen bei Schalke 04 trainiert. Neuer, der Nationaltorwart vom FC Bayern und Amsif, das Talent des FC Augsburg. Amsif hatte sein Debüt erlebt und dabei live bestaunen können, warum sein früherer Vereinskollege, der Weltklasse zugerechnet wird.
Und nun sollte der 22 Jahre alte Amsif diese aufregende Begegnung auch noch beschreiben. Vielleicht war das alles ein bisschen zu viel für den Vertreter des verletzten Simon Jentzsch. Er sagte auf die Frage, wo er Neuers Trikot daheim platzieren werde: "Och nöö, es kommt in die Schublade oder in den Keller. Da wird das vielleicht aufgehängt."
Es kann durchaus sein, dass Amsif ein besonderes Leibchen irgendwo aufbewahren wird. Wenn er es dann einmal vorzeigt, kann er die Geschichte erzählen, wie Neuer dem FC Bayern erstmals ein Spiel gerettet hat. Vielleicht war der Sonntagabend ja sogar der Beginn einer Reihe von Spielen, in denen sich auszahlen könnte, dass die Münchner den 25-Jährigen mit rund 22 Millionen Euro Ablöse vor Saisonbeginn vom FC Schalke 04 losgeeist haben.
"Ich habe auf den Ball reagiert und hatte Glück"
2:1 (2:0) hatte der Tabellenführer beim Neuling gewonnen, nach Mario Gomez' 13. Ligator der laufenden Saison (16. Minute), dem sechsten Franck Ribérys (28.) und dem dritten des Augsburgers Hajime Hosogai (59.). Und es war vor allem Neuer zu verdanken, dass dieses anfangs souveräne, dann aber erstaunlich entglittene Bayern-Spiel nicht in ein Remis gemündet war.
"Es gibt zwei Methoden", berichtete Neuer später von seiner Parade gegen den frei stehenden Edmond Kapllani kurz vor Schluss, "entweder man geht drauf als Torwart oder man versucht den Stürmer agieren zu lassen. Ich habe auf den Ball reagiert und hatte Glück." Die Bewegung seiner rechten Hand sah aus wie bei einem Revolverhelden. "Neuer ist ein toller Torhüter, das weiß jeder, den hat er super gehalten", sagte Kapllani bewundernd, "ich war ganz ruhig, aber das macht er super." Neuer hatte das Unentschieden abgewehrt. Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen?
"Nach der Pause haben wir etwas nachlässig, oberflächlich gespielt", sagte der Bayern-Trainer Jupp Heynckes und nahm wegen Anatoli Timoschtschuks Roter Karte eine weitere Sorge in die Länderspielpause: "Das macht die Sache nicht einfacher, aber wir werden uns schon was einfallen lassen." Wie nach Schweinsteigers Verletzung zuvor beim 3:2 gegen Neapel in der Champions League hatten die Münchner einen scheinbar sicheren Sieg beinahe hergeschenkt.
Nun kann sich Neuer positionieren
"Er wäre in der zweiten Hälfte, in der wir unerklärlicherweise etwas eingebrochen sind, ein Spieler gewesen, der uns geholfen hätte", befand Toni Kroos nach dem erneut wackeligen Sieg in Augsburg. Und auch der Sportdirektor Christian Nerlinger brachte ein wenig Unruhe zum Ausdruck: "Beim Personal darf in der Länderspielpause nicht mehr viel passieren." Immerhin deutet sich eine baldige Rückkehr von Arjen Robben an, der am Sonntag erstmals Sprints trainiert hatte.
Doch auf der Suche nach dem Halt in der bröckelnden Statik könnte der FC Bayern nun erst einmal bei Manuel Neuer fündig werden. "Man hat in den letzten Wochen gar nicht gesehen, wie gut und wie wichtig er für uns ist", sagte Gomez. Das könnte sich nun ändern. Im kommenden Heimspiel empfangen die Münchner Borussia Dortmund. Und legt man den jüngsten Trend zugrunde, dann ist eher nicht zu erwarten, dass der Meister in der Arena ähnlich unter die Räder kommt wie zuvor unter anderem Bayer Leverkusen.
"Wir müssen die Dortmunder schlagen, um ein Zeichen zu setzen", gab Christian Nerlinger dennoch forsch in Auftrag, getragen wohl auch unter dem Eindruck der Rettungstat Neuers. Dass der ehemalige Nationaltorhüter und heutige TV-Experte Jens Lehmann an dieser etwas zu kritteln fand ("fragwürdige Technik"), dürfte die Bayern nicht weiter stören.


23 Mal Stuttgart – wir stellen Ihnen alle 23 Stadtbezirke vor >>