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Marienplatz Streit um längere Servierzeiten

Hildegund Oßwald, vom 30.07.2010 16:34 Uhr
Am Marienplatz wollen Wirte ihre Cafés bis 24 Uhr öffnen. Foto: Steinert
Am Marienplatz wollen Wirte ihre Cafés bis 24 Uhr öffnen. Foto: Steinert
Stuttgart - Wie lange sollen Freiluftfans auf dem Marienplatz draußen gemütlich ein Bier trinken oder ein Eis essen dürfen? Der Streit darüber ist fast so alt wie der neue Marienplatz. Jetzt ist er, ausgelöst durch einen Antrag des Cafés Kaiserbau auf längere Betriebszeiten bis 24 Uhr, neu entbrannt. Die Gaststättenbehörde muss sich zwischen Ausnahme und Regelfall entscheiden. Der Bezirksbeirat Süd will, nachdem er sich jahrelang strikt dagegen gewehrt hat, plötzlich mehr Urbanität auf dem Marienplatz wagen und plädiert für einen Mitternachtversuch auf Widerruf – begrenzt auf Gastrobetriebe mit Außenbewirtschaftung direkt auf dem Platz. Denn die Ausnahme solle nicht zum Präzedenzfall für die Gastrobetriebe um den Marienplatz herum werden.

Die Polizei und auch die Gaststättenbehörde freilich sehen in der Situation sehr wohl die Gefahr, dass die Dämme zum Schutz der Nachtruhe für Anwohner brechen könnten. "Die Wirte drumherum werden dann auch alle bis 24 Uhr öffnen wollen, aus unserer Sicht ist eine Betriebsverlängerung deshalb sehr bedenklich", warnte ein Polizeivertreter in der jüngsten Bezirksbeiratssitzung.
Wirt legt Widerspruch ein
Bereits vor Wochen hatten die Polizei wie auch das Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung für die Heslacher Nachtruhe ab 23 Uhr plädiert, worauf die Gaststättenbehörde den Gastronomenantrag vor einigen Wochen prompt gegen das Monitum des Bezirksbeirats ablehnte. Der Wirt des Cafés Kaiserbau aber legte Widerspruch ein, und der Bezirksbeirat setzte das Thema erneut auf die Tagesordnung. Jetzt hat er sein 24 Uhr-Votum bekräftigt und allgemein auf alle Lokale auf dem Marienplatz ausgedehnt – bisher gibt es zwei, mit dem geplanten Mondcafé könnte 2011 ein drittes Lokal dazukommen.

Bei der Gaststättenbehörde will man jetzt erneut prüfen, Polizei und Stadtplanungsamt nochmals befragen. Behördenchef Stefan Braun sieht in der Sache sehr wohl einen Präzedenzfall. "Bisher gilt dort strikt 23 Uhr, da muss man eine gute Begründung haben, wenn man in einem Fall 24 Uhr zulassen will. Denn es wird schwierig sein, den Anwohnerschutz nur am Marienplatz zu sehen und nicht auch auf dem Platz. So einen Fall haben wir bisher nicht." Auch der FDP-Vertreter im Bezirksbeirat hatte für "alle oder keiner" plädiert.

Braun räumt ein, dass es bisher keinerlei Beschwerden wegen Ruhestörung durch Gäste des Café Kaiserbau gegeben habe. 24-Uhr-Befürworter gehen davon aus, dass sich daran auch bei einer Stunde länger nichts ändern würde.
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