Martin Sonneborn Schrecken des Programmdirektors
Antje Hildebrandt, 24.06.2010 07:18 Uhr
 Foto: dpa
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So wie jener Rentner, der ihm neulich, ohne zu zögern, die Tür öffnete, als sich Sonneborn als Mitarbeiter von Google Homeview ausgab und behauptete, man schicke ihn, um sämtliche Häuser von innen zu fotografieren. Jeder Dritte habe ihn und sein Team arglos hereingelassen, behauptet Sonneborn. Und er guckt, als wüsste er nicht genau, ob ihn das freuen oder erschrecken soll. "Offenbar hat Google eine Atmosphäre geschaffen, in der so etwas möglich ist."

In China hat man seinen Tod gefordert


Spricht so der Guerillajournalist oder der Politclown, der Moralist oder die Rampensau? Sein Gesicht ist leer wie eine Leinwand, auf die man alles Mögliche projizieren kann. Das erklärt vielleicht, warum ihm mitunter auch Medienprofis auf den Leim gehen. Martin Sonneborn lebt davon, dass man ihn unterschätzt.

Gelegentlich ist es aber auch umgekehrt. Mit Schrecken erinnert man sich beim ZDF noch an seinen Auftritt bei der Buchmesse in Frankfurt im Herbst 2009. Sonneborn sagt, danach hätten kommunistische Funktionäre in China seinen Tod gefordert. Schuld daran war ein Beitrag für die "Heute-Show". Chinesischen Schriftstellern hatte er Sätze über Menschenrechtsverletzungen in ihrer Heimat in den Mund gelegt.

Der Beitrag wurde zur Belastung für die deutsch-chinesischen Beziehungen. Er wurde im Staatsfernsehen ausgestrahlt und Sonneborn nicht als Satiriker, sondern als Journalist öffentlich an den Pranger gestellt. Natürlich sei die Methode plump gewesen, räumt er ein und schiebt trotzig die Unterlippe vor. Doch der Zweck habe die Mittel geheiligt. Schließlich seien es handverlesene Autoren gewesen, die die Regierung geschickt hatte. Der chinesische Geheimdienst habe sein Kamerateam auf Schritt und Tritt verfolgt.

Fifa-Mitglieder wurden mit Fresskörbchen bestochen


Es entbehrt nicht der Ironie, dass ihm dieser Film eher aus Versehen zum zweitschönsten Triumph seiner Karriere verholfen hat - nach dem Bestechungsmanöver von Fifa-Mitgliedern mit Fresskörben und Kuckucksuhren. So hatte er als "Titanic"- Chefredakteur erreicht, dass die Fußball-WM 2006 an Deutschland vergeben wurde. Im Herbst 2009 fiel das Ergebnis bescheidener aus.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle bekam auf seiner ersten China-Reise nur eingeschränktes Rederecht. Martin Sonneborn muss trotzdem auf Wolke sieben geschwebt haben. Er sagt: "Das ist ein Zustand, den wir auch in Deutschland erreichen wollen."
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