Masterplan für Untertürkheim Alle sollen an einem Strang ziehen

Von Georg Linsenmann 

Zum Start der Arbeit an einem Masterplan für den Stadtbezirk wurde im Bezirksbeirat die Vorgehensweise erörtert.

Für den Masterplan müssen alle zusammenarbeiten. Foto: Georg Linsenmann
Für den Masterplan müssen alle zusammenarbeiten.Foto: Georg Linsenmann

Am Mittwoch, 19. Oktober, trifft sich zum ersten Mal der zentrale Arbeitskreis zur Entwicklung eines Masterplanes für den Bezirk. Das geschieht gut ein Jahr, nachdem in der Einwohnerversammlung das Klagelied über den Niedergang des Ortskerns erhoben wurde – mit der Widdersteinstraße als Kernzone der Probleme. Die Klagen, auch über Versäumnisse der Stadt, waren so massiv, dass Oberbürgermeister Fritz Kuhn die Idee eines „Masterplanes“ aufgebracht hat. Ein solcher Generalplan soll dem Ortszentrum Impulse geben und neue Attraktivität für Handel und Wandel verschaffen. Der Weg dahin ist aufwendig – und mit Papieren und Power-Point-Präsentationen gepflastert.

„Es ist uns wichtig, dass wir Sie über die Vorgehensweise informieren, bevor wir intensiv in den Prozess einsteigen“, sagte Hermann-Lambert Oedinger, der Leiter der Abteilung Stadtentwicklung, bevor er zum Thema „Stadtteilzentren konkret – Handlungskonzepte für lebendige Stadtteilzentren“ vortrug.

Arbeitskreis soll mögliche Aktionen diskutieren

Dazu hatte der Gemeinderat eine Untersuchung für Untertürkheim und für eine Handvoll weiterer Bezirke in Auftrag gegeben, die schon länger mit dem sogenannten Trading Down-Phänomen zu kämpfen haben. Unter Trading Down versteht man eine Abwärtsspirale des innerstädtischen Handels infolge nachlassender Nachfrage – und mit Symptomen, bei deren Nennung wie von alleine die Situation der Innenstadt samt Post- und Bahnhofsareal vor Augen stand: Verlust hochwertiger Angebote, Leerstände, Billiganbieter, Spielhallen, fehlende Modernisierungen an den Immobilien, massive Imageprobleme.

Mit dieser Situation soll sich nun der Arbeitskreis befassen und dabei, so Oedinger, „eine inhaltliche Diskussion über Handlungserfordernisse führen“. Der Arbeitskreis besteht aus 25 Personen aus Lokalpolitik, Stadtplanung, städtischer Wirtschaftsförderung, lokalem Handel und Gewerbe sowie Bezirksvorsteherin Dagmar Wenzel. „Und im Prozessverlauf können auch einzelne Experten hinzugezogen werden“, ergänzte Oedinger. In einem ersten Schritt wird nun eine Bestandsaufnahme und Analyse der Situation gemacht und diese mit jener im Jahr 2008 verglichen: „Dieser Vergleich ist bestimmt interessant. Wir hoffen, daraus Rückschlüsse ziehen zu können“, meinte Mareike Merx von der Abteilung Wirtschaftsförderung der Stadt.

Der Plan soll 2aus dem Stadtteil erwachsen“

Mehrfach betonte Oedinger die Bedeutung dieses Arbeitskreises: „Der Masterplan soll nicht aus einem gutachterlichen Prozess entstehen, sondern aus dem Stadtteil erwachsen“. Damit dies gelingen könne, bedürfe es einer „Grundhaltung“ der Mitglieder: „Ich muss mich wirklich auf diese Arbeit einlassen und dieses Gremium ernsthaft würdigen“. Zeitdruck bestehe nicht. Wichtiger als schnelle Ergebnisse sei, „einen größtmöglichen Konsens und einen erklärten Willen, eine Mehrheitsmeinung“ bezüglich der Lösungsansätze zu erreichen, „damit das Ergebnis von einer großen Zahl von Akteuren getragen wird“.

Nachdem im Tagesordnungspunkt davor die Auseinandersetzung um die Ansiedlung des Aldi-Marktes im alten Postgebäude getobt hatte, stellte Oedinger klar: „Es geht nicht einfach um Ja oder Nein zu Aldi, sondern darum, wie wir das gesamte Zentrum vorwärtsbewegen können. Die Frage der Lebensmittelmärkte ist ein deutlicher Teil davon. Was dem Zentrum dienlich ist oder nicht, dass sollten wir dann aber innerhalb eines Gesamtkonzeptes und einer Gesamtabwägung erörtern.“ Richtig sei, „dass die Cap-Märkte in Ober- und Untertürkheim zusammenhängen“ und dass sie „in Größe und Qualität sehr gut aufgestellt sind“. „Sehr beachtlich“ nannte er den neuen Verein „Untertürkheim. Mittendrin“, in dem sich nicht innerstädtische Immobilienbesitzer zusammenfinden. Seine Feststellung wirkte wie ein Appell zum Masterplan: „Wir ziehen an einem Strang.“

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