Max Goldt in Karlsruhe
Die helle alte Zeit
Jörg Breithut,
03.02.2011 14:10 Uhr
Foto: Archivbild: dpa
Karlsruhe - Die Frau steht einfach nur da. Sie lehnt im Flur an einem Türrahmen und blickt von dort aus in das Zimmer mit dem neuen Fußboden. Das wäre ein recht unspektakuläres Foto, wenn nicht der Satiriker Max Goldt dieses Bild für sich entdeckt und neu gedeutet hätte. Als wüsste er, was der Dame auf dem Foto durch den Kopf geht. "Toll! Man hat einen wunderschönen neuen Fußboden, kann aber nicht ins Zimmer gehen, denn der Fußboden ist leider nicht nur wunderschön, sondern auch sehr empfindlich." Warum nicht ein Müsli machen "wie Crunchy Pops, Crizzle Frisps, Joghurt Peppies"? Oder doch mit Amaranth, dem "Zaubergetreide der Nazis, ich meine: der Inkas".
Ja, Max Goldts aktuelles Buch ist ein Bildband. Daher hat er sich zunächst geweigert, auf seiner Lesetour aus seinem jüngsten Werk "Gattin aus Holzabfällen – Mit Text versehene Bilder" vorzutragen, denn Powerpoint- und Diavorträge liegen ihm fern. Sein Verlag habe ihn schließlich überredet, doch daraus zu lesen. Auch am Mittwochabend im Karlsruher Tollhaus hat der Autor des Satiremagazins "Titanic" einige Texte aus dem aktuellen Bildband ins Programm aufgenommen. Was auf den Abbildungen zu sehen ist, beschrieb Max Goldt den 380 Zuhörern in drei, vier prägnanten Sätzen.
Doch was wäre eine Lesung von Max Goldt ohne seine bis zur Perfektion geschliffenen früheren Texte, die nie gut genug sein können? Immer wieder kramt er alte Aufschriebe hervor, feilt an Inhalt und Sprache – bis meist ein komplett neuer Text daraus entsteht. Penibel achtet der Kleistpreisträger darauf, keine plumpen Pointen zu generieren, nie driften die häufig gesellschaftskritischen Werke in Klamauk ab. Bei seiner Satire schöpft Goldt aus Alltagsbeobachtungen, die ihre Pointe meist in der freien Assoziation finden.
Manchmal genügt es Max Goldt, einfach nur im schummrigen Licht eines Berliner Szenelokals zu sitzen. Dann erinnert sich Goldt daran, wie schön erleuchtet früher alles gewesen sei. Damals in "der hellen alten Zeit", als die Gäste noch keine Taschenlampen zum Lesen mit in die Kneipe brachten oder mit dem Handydisplay die Speisekarten beleuchteten. Ganz klar, der Trend entwickle sich zur "altkommunistischen Mangelbeleuchtung". Fazit: im Gästezimmer des Autors könne nun niemand mehr übernachten, denn dort horte er fortan Glühbirnen. Nur, um sie eines Tages in Samt gebettet als Gastgeschenk zu überreichen – und am Abend mit der schönsten Dame des Festes auf dem hell erleuchteten Parkett zu tanzen.
Eine düstere Zukunft prophezeit Max Goldt allen Frauen, die an ihren Handtaschen einen Glücksbringer befestigt haben, etwa kleinformatige Teddybären. Er appelliert an die Kinder jener Mütter, umgehend einzuschreiten, denn "Erziehung darf keine Einbahnstraße sein". Bär entfernen, ab in die Mülltonne damit, "graugrün gemusterte Buttermilch" darüber kippen. Das verbessere die Aufstiegschancen. Denn kein Personalchef überlasse solchen Damen mit derartigen Glücksbringern einen verantwortungsvollen Job. Er warnt jedoch: "Nicht jede sagt danke, wenn man ihr den Bären abschneidet."
Ja, Max Goldts aktuelles Buch ist ein Bildband. Daher hat er sich zunächst geweigert, auf seiner Lesetour aus seinem jüngsten Werk "Gattin aus Holzabfällen – Mit Text versehene Bilder" vorzutragen, denn Powerpoint- und Diavorträge liegen ihm fern. Sein Verlag habe ihn schließlich überredet, doch daraus zu lesen. Auch am Mittwochabend im Karlsruher Tollhaus hat der Autor des Satiremagazins "Titanic" einige Texte aus dem aktuellen Bildband ins Programm aufgenommen. Was auf den Abbildungen zu sehen ist, beschrieb Max Goldt den 380 Zuhörern in drei, vier prägnanten Sätzen.
Die Texte können nie gut genug sein
Doch was wäre eine Lesung von Max Goldt ohne seine bis zur Perfektion geschliffenen früheren Texte, die nie gut genug sein können? Immer wieder kramt er alte Aufschriebe hervor, feilt an Inhalt und Sprache – bis meist ein komplett neuer Text daraus entsteht. Penibel achtet der Kleistpreisträger darauf, keine plumpen Pointen zu generieren, nie driften die häufig gesellschaftskritischen Werke in Klamauk ab. Bei seiner Satire schöpft Goldt aus Alltagsbeobachtungen, die ihre Pointe meist in der freien Assoziation finden.
Manchmal genügt es Max Goldt, einfach nur im schummrigen Licht eines Berliner Szenelokals zu sitzen. Dann erinnert sich Goldt daran, wie schön erleuchtet früher alles gewesen sei. Damals in "der hellen alten Zeit", als die Gäste noch keine Taschenlampen zum Lesen mit in die Kneipe brachten oder mit dem Handydisplay die Speisekarten beleuchteten. Ganz klar, der Trend entwickle sich zur "altkommunistischen Mangelbeleuchtung". Fazit: im Gästezimmer des Autors könne nun niemand mehr übernachten, denn dort horte er fortan Glühbirnen. Nur, um sie eines Tages in Samt gebettet als Gastgeschenk zu überreichen – und am Abend mit der schönsten Dame des Festes auf dem hell erleuchteten Parkett zu tanzen.
Eine düstere Zukunft prophezeit Max Goldt allen Frauen, die an ihren Handtaschen einen Glücksbringer befestigt haben, etwa kleinformatige Teddybären. Er appelliert an die Kinder jener Mütter, umgehend einzuschreiten, denn "Erziehung darf keine Einbahnstraße sein". Bär entfernen, ab in die Mülltonne damit, "graugrün gemusterte Buttermilch" darüber kippen. Das verbessere die Aufstiegschancen. Denn kein Personalchef überlasse solchen Damen mit derartigen Glücksbringern einen verantwortungsvollen Job. Er warnt jedoch: "Nicht jede sagt danke, wenn man ihr den Bären abschneidet."
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